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Produktion und Förderung

Harnstoff: Nachfrage und Preise schwach

© krick/agrar-press
von , am
05.09.2012

Heftige Preisausschläge haben in den letzten zwölf Monaten die Entwicklung an den internationalen Spotmärkten für Mineraldünger bestimmt.

© agrar-press
Zwar schlagen diese Preisschwankungen nicht immer bis auf die Einkaufpreise der Landwirte durch, jedoch bestimmt die hohe Preisvolatilität zunehmend das Verhalten aller Marktakteure. Weltweit der wichtigste Stickstoffdünger ist Harnstoff.

Deutlicher Preisrückgang seit April

An den intentionalen Spotmärken haben die Harnstoffpreise seit ihrem letzten Zwischenhoch Mitte April (Frühjahrsbestellung in Europa und den USA) um 250 US-Dollar je Tonne (USD/t) oder 40 Prozent (%) nachgegeben. Das überrascht um so mehr, als die Getreide- und Ölsaatenpreise im Juli und August zum Teil kräftig nach oben geschossen sind und sogar neue Rekordstände erreicht haben.
Damit wäre eigentlich auch die Voraussetzung für eine Nachfragebelebung sowie für höhere Harnstoffpreise gegeben. Anders als erwartet blieb die Nachfrage jedoch sowohl aus der südlichen Hemisphäre als auch auf der Nordhalbkugel relativ schwach. 

Nachfrageinbruch durch Wetterextreme

Ein Grund für die schwache Nachfrage nach Harnstoff und anderen Mineraldüngern in den zurückliegenden Monaten waren die Wetterextreme in etlichen Weltregionen. Vor allem die katastrophale Dürre in den wichtigsten Mais- und Sojaanbaugebieten der USA beeinflusste den Markt. Hinzu kamen die Trockenheit und Hitze am Schwarzen Meer, in Südosteuropa sowie die zunehmenden Probleme Westaustralien und auch in Indien.
 
Vor allem in den USA hat die Trockenheit zu einem erheblich geringeren Einsatz von Harnstoff (und andern Mineraldüngern) geführt als die Flächenexpansion bei Weizen, Mais und Soja erwarten ließ. Und der für die im September beginnende Aussaat des Wintergetreides eigentlich nötige Einkauf von Stickstoffdünger verläuft ebenfalls äußerst schleppend. Im US-Großhandel gaben die Harnstoffpreise nach Händlerangaben im Juli um rund 15 % nach und im August um weitere zehn Prozent.

China bietet billig an

Auch an anderen Handelsplätzen haben die Harnstoffpreise im Augst nachgegeben. So rutschten die Preise am Schwarzmeerhafen in Yuzhny im August zeitweise unter die Marke von 380 USD/t und waren damit deutlich niedriger als im Juli. Damals waren die Notierungen bis auf 420 USD/t angestiegen. Händler berichten zudem, das brasilianische Einkäufer Anfang August am Schwarzen Meer Harnstoff für 370 USD/t geordert haben.
 
Ende August kaufte zudem Pakistan 300.000 t für 380 USD/t aus dem Mittleren Osten und für 370 USD/t aus China. Auch die chinesischen Exportpreise sind von Mitte Juli bis Ende Augst um etwa zehn Prozent gefallen.

Deutsche Spotmarktpreise bröckeln

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
An den deutschen Spotmärkten hatte sich der Rückgang der intentionalen Preise bis Ende August zunächst kaum bemerkbar gemacht. Kurz vor dem Monatswechsel gaben die Importpreise dann jedoch ebenfalls etwas nach. Zuletzt waren die Spotmarktpreise an den deutschen Importhäfen in der zweiten Junihälfte um rund 15 % zurückgegangen. Wegen der starken Preisschwankungen der letzten Monate agieren Händler und Landwirte jedoch auch in Deutschland immer vorsichtiger. Insbesondere die Großhändler lagern erheblich weniger (nicht verkaufte) Ware ein, um ihr Preis- und Verslustrisiko zu minimieren.
 
Ein plötzlicher Nachfrageschub (wie in diesem Frühjahr) kann dann für besonders große Preissprünge sorgen. Vor diesem Hintergrund sollten Landwirte einen Teil des nötigen Bedarfs über Vorkontrakte absichern. Mit den nach der Ernte beginnenden Feldarbeiten für das Wintergetreide und den Raps dürfte auch die Nachfrage nach Harnstoff und anderen Mineraldüngern wieder anziehen. An den internationalen Spotmärkten haben die Feldarbeiten im Herbst jedoch bislang keine größeren Nachfrage und Preisveränderungen (wie im Frühjahr) ausgelöst. 
 
Den vollständigen Text können Sie in der neuen Ausgabe der Neuen Landwirtschaft lesen.
 
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