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Produktion und Förderung

Harnstoff: Spotmärkte unentschlossen

von , am
19.09.2012

An den internationalen Spotmärkten für Harnstoff sind die Preistrends in der ersten Septemberhälfte nicht eindeutig. In Europa und Deutschland ziehen die Preise an, die Spotmarktpreise an wichtigen Handelsplätzen blieben unverändert.

© agrar-press
Auch größere Abschlüsse zogen keine Preisaufschläge nach sich. In den USA könnte Harnstoff im vierten Quartal sogar billiger werden. Zudem nimmt auch die Produktion und damit das Angebot zum Herbst hin wieder zu. Dagegen blieb die Nachfrage, trotz der laufenden Feldarbeiten in Europa, den USA und Südamerika, bislang relativ ruhig.

Harnstoff aus Ägypten teurer

In Ägypten, einem der wichtigsten Lieferanten für die EU, haben die Spotmarktpreise für granulierten Harnstoff in Anfang September um zehn bis 15 US-Dollar je Tonne (USD/t) auf 450 bis 460 USD/t zugelegt. Auch der europäische Hersteller Yara hat sein Angebotspreise für Harnstoff in Deutschland und Frankreich erhöht. Mitte September kostete geprillter Harnstoff in Deutschland (ex Seehafen) 355 bis 360 Euro je Tonne (t) und damit zehn bis 15 Euro je t mehr als im August. Granulierte Ware wurde ex Rostocker Hafen für 385 Euro/t angeboten. 

Absatz in Europa eher schleppend

Am europäischen Importhafen Antwerpen lagen die Preisforderungen für geprillten Harnstoff bei 365 bis 370 Euro/t und für granulierte Ware bei 385 bis 390 Euro/t. Händler berichten allerdings, dass das Geschäft zu den geforderten Preisen eher schleppend verläuft. Offenbar haben die Landwirte einen erheblichen Teil ihres Bedarfes schon eingelagert oder  über Vorkontrakte gebunden.

Stabile Preise in China und Yuzhnyy

Anders als die Angebotspreise aus Ägypten blieb die Spotmarktpreis am Schwarzen Meer (Yuzhnyy) sowie in China Anfang September relativ stabil. So verkauften die Chinesen Anfang des Monats 250.000 geprillten Harnstoff nach Indien für 370 USD/t (fob). Gleichzeitig lag der als Indikatorpreis geltende Spotmarkpreis in Yuzhnyy (Ukraine) bei rund 385 USD/t (fob) und damit etwa auf dem gleichen Niveau wie Ende August.
 
Einkäufer aus Südamerika zahlten für geprillten Harnstoff zuletzt ebenfalls nur 375 USD/ t (fob).

Produktion wird zum Herbst ausgeweitet

Händler erwarten zudem, dass zahlreiche Hersteller ihre Produktion im letzten Quartal wieder hochfahren. Dies gilt offenbar sowohl für Produzenten in der Ukraine und Russland als auf für China, den Iran, Libyen und Ägypten. Damit könnte auch die anhaltende Nachfrage Indiens ohne Probleme und höhere Preise gedeckt werden.
 
An den Terminmärkten lagen die Harnstoffpreise für den Oktober zuletzt (Ägypten und Yuzhnyy) etwa zehn bis 15 USD/t über den Septemberpreisen.

Nachfrageknick in den USA

Anderseits bleibt die Nachfrage aus Nordamerika trotz der witterungsbedingt nun stärker in Gang kommenden Herbstaussaat bislang recht verhalten. Die Harnstoffpreise bewegen sich auch Mitte September mit etwa 430 USD/t (fob Gulf Coast) unverändert auf dem Niveau von August. Auch für den Oktober ist sind die Kontraktpreise unverändert. Händler und Hersteller befürchten sogar nach den Feldarbeiten im Herbst einen kräftigen Preisrückgang, der auch den internationalen Markt mit nach unten ziehen könnte.

US-Bestände sind noch groß

Vor allem die US-Lagerbestände sind infolge des deutlich hinter den Erwartungen gebliebenen Verbrauchs während der Dürrmonate offenbar sehr groß sind. Darüber hinaus befinden sich noch erhebliche nicht ausgebrachte Düngemittelbestände in den Betrieben selbst. Die könnten sowohl für die Herbstaussaat als auch für die Frühjahrsbestellung bei Mais und Soja genutzt werden und drücken den Bedarf nach unten. 

AHL-Preise am Weltmarkt rückläufig

AHL kostet am Weltmarkt weniger.
Die Preise für AHL/UAM haben Anfang September an den internationalen Spotmärkten nachgegeben. Während AHL im August in Russland, Rumänien oder in Ägypten noch für 315 USD/ gehandelt wurde, liegen die Spotmarkpreise jetzt durchweg bei 290 USD/t oder sogar darunter. Damit ist AHL-Dünger am dem Spotmärkten etwa 25 USD/t (knapp zehn Prozent) billiger als im August.

AHL in Deutschland teurer, in Frankreich billiger

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
An den deutschen Importhäfen haben die AHL-Preise indessen entgegen dem internationalen Trend zum Monatswechsel zugelegt. Hier lagen die Preisforderungen im Schnitt fünf bis zehn Euro höher als im August. Offenbar erwarteten die Anbieter im Rahmen der Herbstbestellung einen Nachfrageschub. Aus Frankreich (Rouen) wurden Anfang September hingegen schwächere AHL-Preise gemeldet. Hier kostete AHL (32 %) 255 Euro/t und damit rund zehn Euro weniger als Mitte August.
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