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Produktion und Förderung

Harnstoffpreise rauf, Stickstoffpreise runter

© agrar-press
von , am
06.03.2012

Am internationalen Mineraldüngermarkt entwickelten sich die Preise in unterschiedliche Richtungen. Gleichzeitig blieb die Verbindung zwischen Spotmarkt und Abgabepreisen an die Landwirtschaft ist weiter unterbrochen.

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Kräftiger Preissprung bei Harnstoff
 
An den internationalen Spotmärkten haben die Harnstoffpreise in der zweiten Februarhälfte einen kräftigen Preissprung gemacht. Die drastischen Produktionseinschränkungen großer Hersteller in Verbindung mit den witterungsbedingten beziehungsweise logistischen Lieferproblemen am Schwarzen Meer und an der Ostsee haben das Angebot spürbar verknappt. Gleichzeitig hat die Nachfrage vor der Frühjahrbestellung in den USA und Europa nun doch noch kräftig angezogen.
 
Die Preise schnellten innerhalb von zehn Tagen um 15 Prozent beziehungsweise 50 bis 70 US-Dollar je Tonne (USD/t) nach oben. Insbesondere die Lieferkontrakte für den in Europa und den USA besonders gefragten Monat März, mussten die Einkäufer deutlich teurer bezahlen. Die Preise für die nachfolgenden Monate waren hingegen wieder spürbar günstiger.
 
{BILD:539292:gif}Zudem zogen die Preise für die übrigen Mineraldüngerarten bislang nicht mit nach oben oder gaben so wie bei Stickstoff sogar weiter nach. Diese Konstellation begrenzt auch den möglichen Preisanstieg bei Harnstoff sowie bei Mehrkomponenten-Düngern. Kurz vor dem Monatswechsel kostete Harnstoff in der Ukraine (Yuzhny) knapp 400 USD/t und an für europäische Einkäufer wichtigen ägyptischen Exporthäfen 450 bis 460 USD/t (338 Euro).

Stickstoff nochmals billiger

Im Unterschied zu Harnstoff sind die Spotmarktpreis bei Stickstoff (Ammonium) weiter gefallen. Stickstoff kann am Weltmarkt günstiger eingekauft werden als Harnstoff. Ähnlich wie bei anderen Mineraldüngern ging der Preisdruck von den Lagerbeständen der Hersteller und der anhaltend schwachen Nachfrage aus. Auch die Produktionskürzungen am Schwarzen Meer und im Mittleren Osten konnten den Markt bislang nicht ins Gleichweicht bringen. Indien kaufte Stickstoff im Mittleren Osten im Februar für 325 USD/t und blieb damit deutlich unter den Angebotspreisen an den ukrainischen Exporthäfen (Yuzhny) von 360 USD/t. Dort kürzen die Hersteller angesichts der ausbleibenden Nachfrage weiter die Produktion.
 
Anderseits ist der Preisabstand zu den Anbietern aus dem Mittleren Osten groß. US-Importeure hatten Anfang des Monats im Mittleren Osten Stickstoff sogar für 260 USD/t eingekauft. Anfang März wurde von den Exporthäfen im Mittleren Osten allerdings von einer Bodenbildung der Preise und von wieder anziehenden Verkaufspreisen berichtet.

AHL-Preise kaum verändert

Die Preise für flüssigen AHL-Dünger blieben im Februar an den Spotmärken relativ stabil und lagen sowohl in Russland (Ostsee) als auch in Rumänien und Ägypten bei etwa 250 USD/t (185 Euro/t). Gleichzeit berichten Händler sowohl aus den USA als auch Europa über gut gefüllte AHL-Tanks, so dass auch bei einem plötzlichen Nachfrageschub keine Lieferengpässe auftreten dürften. Bislang ist die Nachfrage jedoch sowohl in den USA als auch in Europa schwach. Die Kontraktpreise zeigen für die nächsten Monate leicht nach unten.

Phosphordünger etwas billiger

Die Spotmarktpreise für Phosphordünger (DAP) gaben im Februar nach. Auch hier drückten die großen Bestände auf Notierungen. Zudem hatten große Hersteller im Monatsverlauf über weitere Produktionskürzungen berichtet. Auch die zu Ende des Monats aus Südamerika aufkommende Nachfrage wurde offenbar zu stabilen oder sogar nachgegeben Preisen gedeckt, obwohl sich ja auch die Frachtkosten zuletzt deutlich ermäßigt hatten. Am Spotmarkt zeigen die Kontraktpreise für die nächsten Monate weiter nach unten.

Produktionskürzungen bei Kali

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Am internationalen Kalimarkt übersteigt das Angebot offenbar deutlich die Nachfrage. Die Stilllegung von Produktionskapazitäten und ganzen Werken sowie die Kürzung der Produktion sind die Folge. So verlängert die kanadische Potash Corp jetzt die zeitweise Schließung zweier Werke und der US-Hersteller Mosaic senkte in einer aktuellen Prognose für alle großen Abnehmerländer die erwarteten Einkaufsmengen für 2012. Diese Entwicklung schlägt sich bislang jedoch nur wenig in den Spotmarktpreisen für Kalidünger nieder. Dies gaben im Februar leicht um zehn bis 20 US-Dollar je Tonne auf 480 bis 490 USD/t (Vancouver) nach.

Landwirte solltem mit dem Düngerkauf nicht mehr allzu lange warten, empfiehlt Dr. Olaf Zinke im Gespräch mit agrarheute.com. Die knappe Zeit zwischen Einkauf und Verwendung bringt unnötigen Verhandlungsdruck. Das ganze Interview hören Sie als Podcast in unserer Mediathek ...

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