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Hochwasser: Steuerentlastungen für Land- und Forstwirte

Hochwasserkatastrophe
am Montag, 26.07.2021 - 12:45 (Jetzt kommentieren)

Land- und Forstwirte in den von Hochwasser betroffenen Katastrophengebieten werden steuerlich entlastet. Lesen Sie, welche Erleichterungen die zuständigen Finanzministerien beschlossen haben.

In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen aber auch in Bayern haben verheerende Hochwasser Mitte Juli unvorstellbare Zerstörungen angerichtet. Auch viele land- und forstwirtschaftliche Betriebe haben mit den Folgen des Starkregens zu kämpfen. Gebäude und Maschinen wurden beschädigt, Tiere sind ertrunken und Vorräte wurden zerstört.

In dieser Notlage haben die Finanzministerien der drei am stärksten betroffenen Bundesländer eine Reihe von steuerlichen Sonderregelungen beschlossen. Sie sollen helfen, die wirtschaftlichen Folgen der Naturkatastrophe für die Land- und Forstwirtschaft zu lindern. Benjamin Hummel, Leiter ETL Agrar & Forst, hat die Maßnahmen zusammengestellt.

Diese Sonderregelungen gelten für Hochwassergeschädigte

Benjamin Hummel, Leiter ETL Agrar & Forst
  1. Ertragsausfälle bei der Gewinnermittlung nach § 13a EStG

Landwirten, deren Gewinn nach Durchschnittssätzen ermittelt wird, kann die auf den Gewinn der landwirtschaftlichen Nutzung entfallende Einkommensteuer ganz oder zum Teil erlassen werden. Dies gilt, soweit durch das Hochwasser Ertragsausfälle eingetreten sind und soweit keine Ansprüche aus Versicherungsleistungen bestehen.

  1. Wiederanpflanzung zerstörter Dauerkulturen

Kosten, die für die Herrichtung oder Wiederanpflanzung zerstörter Dauerkulturanlagen entstehen, können ohne nähere Prüfung sofort als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn der bisherige Buchwert beibehalten wird.

Für alle Steuerpflichtigen gilt außerdem:

  • Steuervorauszahlungen können kurzfristig angepasst und fällige Steuern gestundet werden.
  • Keine Vollstreckungsmaßnahmen, keine Säumniszuschläge
  • Die Möglichkeit zur Nutzung von Sonderabschreibungen und Bildung steuerfreier Rücklagen.
  • Aufwendungen für die Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung sowie die Beseitigung von Schäden an der eigengenutzten Wohnung im eigenen Haus können als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgezogen werden.

Umgang mit Versicherungsleistungen für Forstschäden

Bei Versicherungsleistungen für Forstschäden kann aus Billigkeitsgründen auf eine Aufteilung in eine Entschädigung für entgehende Einnahmen und Substanzverluste verzichtet werden, wie Steuerexperte Hummel weiter erläutert. Soweit der Buchwert für den betroffenen Baumbestand beibehalten wird, können die Einnahmen auch einer Rücklage für Ersatzbeschaffung zugeführt werden.

Diese Rücklage ist im Wirtschaftsjahr der Wiederaufforstung der Schadensflächen bis zur Höhe der Wiederaufforstungskosten aufzulösen, die bis zum Ablauf des achten auf das Schadensjahr folgenden Wirtschaftsjahrs entstanden sind.

Betriebe unter 50 ha Forst, die nicht zur Buchführung verpflichtet sind, können auf Antrag für ein Wirtschaftsjahr bei der Ermittlung der Gewinne aus Holznutzungen pauschale Betriebsausgaben abziehen. Dabei sind Entschädigungen aus Versicherungen den Einnahmen aus Holznutzungen hinzuzurechnen.

Einheitlicher Steuersatz für Kalamitätsholz

Wie Hummel weiter erläutert, gilt für Kalamitätsholz einheitlich der Steuersatz von einem Viertel des durchschnittlichen Steuersatzes, wenn der Schaden das Doppelte des maßgeblichen Nutzungssatzes übersteigt. Maßgeblich ist der im Zeitpunkt des Schadensereignisses gültige Nutzungssatz oder der anzuwendende Nutzungssatz. Begünstigt ist die gesamte Schadensmenge, die für das Schadensereignis anerkannt wurde.

Bei bilanzierenden Forstwirten kann für das Wirtschaftsjahr des Schadensereignisses von der Aktivierung des eingeschlagenen und unverkauften Schadholzes ganz oder teilweise abgesehen werden, wenn der Schaden das Doppelte des maßgeblichen Nutzungssatzes übersteigt.

Tipp: Dokumentieren Sie den Verlust von Unterlagen

Auf vielen Betrieben hat die Flut steuerrelevante Unterlagen vernichtet. Daraus sollen den Betroffenen grundsätzlich keine steuerlichen Nachteile entstehen. Allerdings müssen Sie den Verlust der Unterlagen zeitnah dokumentieren beziehungsweise nachweisen oder glaubhaft machen können.

Darum sollten Sie unbedingt daran denken, zum Beispiel beschädigte Unterlagen oder Verwüstungen im Büro zu fotografieren oder zu filmen. Das ist mit dem Smartphone schnell gemacht und kann Ihnen bei Betriebsprüfungen viel Ärger ersparen.

Mit Material von ETL Agrar & Forst
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