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Produktion und Förderung

Hofreport: 200 Kühe genießen Kompost-Einstreu

von , am
18.04.2012

Ohne - Der Milchvieh- und Ackerbaubetrieb Ruschulte hat seit drei Jahren einen neuen Kuhstall für 170 Kühe. Als Einstreu gibt es Kompost in den Liegeboxen.

In unserer Videoreihe Hofreport berichten wir in den kommenden Monaten regelmäßig über den Betrieb Ruschulte im Südwesten Niedersachsens an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. 200 Milchkühe halten die Ruschultes - 170 Melkende und 30 Trockensteher. Hinzu kommt die weibliche Nachzucht mit 160 Tieren. Die männliche Nachzucht wird nach 14 Tagen verkauft.
 
In der vergangenen Woche stellte der Betriebsinhaber uns seinen neuen Stall vor, den der 32-Jährige vor drei Jahren gebaut hat - ein sechsreihiger Boxenlaufstall. Der Milchviehbestand von vorher 120 Tieren stockte er auf. "Bei der Planung war uns maximaler Kuhkomfort besonders wichtig. Wir haben deshalb auch das Innovationsteam Christiane Brandes mit der Planung des Stalls beauftragt", betont der Landwirt. Es gibt 160 Tiefliegeboxen. Eingestreut wird mehrfach gesiebter Kompost, aus einer Kompostieranlage in der Nähe von Ohne. "Den Tipp habe ich von einem befreundeten Landwirt", berichtet der Betriebsleiter. "Die Kühe liegen dadurch extrem weich, eben komfortabel. Genau das, was wir wollen. Und das Material kostet uns nur ein Drittel dessen, was wir für ein Gemisch aus Häckselstroh, Kalk und Wasser zahlen müssten. Das haben wir vorher verwendet." Gert Ruschulte zahlt sechs Euro pro Kubikmeter Kompost. Alle sieben bis zehn Tage wird die Einstreu ausgewechselt. So werden pro Woche etwa 45 Kubikmeter Kompost verbraucht.

Reinigungszeiten minimiert

Ein weiterer Vorteil seiner exotischen Einstreu ist, dass sie sich nicht so leicht aus den Boxen schieben lässt. Das Material ist recht trocken, so dass sich beispielsweise Kot gut ablöst. "Reinigungszeiten minimieren sich dadurch", hält Gert Ruschulte fest. Der einzige Nachteil ist der etwas höhere Staubanteil im Stall. Euter und Fell der Kühe sind von einer dünnen Staubschicht überzogen, ebenso auch die Stallwände. "Beim Melken ist das aber kein Problem", sagt der Landwirt, "wir dippen nass vor und reinigen dann. Das reicht."

Stallklima senkt Tierarztkosten

Zum Kuhkomfort gehört für die Ruschultes auch ein passendes Stallklima: Durch die hohe Traufe von 4,50 m und die Öffnung entlang des Firstes gelangt viel Licht in den Stall, ohne diesen unnötig aufzuheizen. Auf Lichtplatten im Dach wurde bewusst verzichtet und eine besonders helle Dachbeschichtung gewählt. Großflächige Jalousien an der Traufseite öffnen und schließen sich automatisch mithilfe von Sensoren für Wind, Regen und Temperatur. Ruschulte berichtet stolz: "Die Tierarztkosten haben sich mit dem neuen Stall fast halbiert." Er sieht sich in seinen Planungen bestätigt.
 
Das gilt auch für die Gestaltung des Bodens im Laufbereich der Tiere. Dieser ist planbefestigt und zwecks Rutschfestigkeit mit Rautenmuster versehen. Im Zweistundentakt beseitigt ein Schieber Kot und andere Verunreinigungen. Klauenprobleme haben im Vergleich zum Spaltenboden beim alten Stall deutlich abgenommen. "Trotzdem müssen wir regelmäßig Klauenbäder anbieten", unterstreicht Ruschulte. Immer wieder einmal hat er auch jetzt noch mit der Mortellaro'schen Krankheit zu kämpfen.
 
Für ein ungezwungenes Fressverhalten verzichteten die Ruschultes bewusst auf Fressgitter. Stattdessen gibt es ein Nackenrohr. Lediglich im Selektionsbereich gibt es Plätze mit Fressgitter, um selektierte Kühe sicher fixieren zu können.

Voll-TMR sinnvoll

Der Futtertisch besitzt eine Epoxidharz-Beschichtung, um ihn leichter reinigen zu können. Gefüttert wird zweimal täglich eine Voll-TMR aus Gras- und Maissilage, Biertreber, Soja-, Raps- und Maisschrot, Trockenschnitzel sowie Mineralien. Gert Ruschulte sieht diese Art der Fütterung bei der Anzahl an Tieren als besonders sinnvoll an. Für ihn ist es wichtig, dass er weiß, jede Kuh bekommt das gleiche Futter, die Fütterung ist rationell und von den Kosten angemessen.

Schnelle Umsetzung spart Geld

Der Stallbau an sich dauerte vier Monate - vom ersten Spatenstich bis zum ersten Melken. Ruschulte ist von der schnellen Realisierung begeistert: "Man will ja auch von dem eingesetzten Kapital schnell etwas haben. Da war es toll, das wir nicht ein Jahr oder länger auf die Fertigstellung des neuen Stalls warten mussten."
 
Pro Stallplatz ergaben sich für die Ruschultes Kosten in Höhe von etwa 5.300 Euro (inklusive kompletter Melktechnik, Ausgleichsmaßnahmen, Kosten für einen Güllebehälter): "Leider war unser Baujahr 2008 das wohl teuerste Baujahr der vergangenen zehn Jahre. So sind wir bei den Kosten nicht ganz so gut weggekommen."

Herdenleistung durch Umzug etwas gesunken

Den Kuhkomfort, den Gert Ruschulte seinen Tieren bietet, dankt ihm die Herde mit einer ansehnlichen Herdenleistung von 10.500 kg, bei 3,80 Fettprozenten und 3,35 bis 3,40 Eiweißprozenten. Mit dem Stallumzug ist die Leistung von ursprünglich 11.000 kg abgesunken. Ruschulte sieht den Grund im Umzug mit den damit verbundenen Vorbereitungen und Umstellungen sowie dem Herdenzuwachs in der Zeit. Seit einem knappen Jahr ist wieder ein Anstieg der Leistung festzustellen.
 
Hilfe bei der Einstellung der Milchleistung holte sich Gert Ruschulte bei einem Tierärzteteam aus dem Osnabrücker Raum. Alle vier Wochen kommt ein Tierarzt zu einem Bestandsbesuch. Auch eine Futterberatung, eine Gesundheits- und Fruchtbarkeitsüberwachung gehört dazu. "Das hat auch gerade bei der Milchleistung sehr viel gebracht", erzählt der Betriebsleiter.
 
Im alten Stall stehen die Trockensteher und die weibliche Nachzucht - mit wesentlich mehr Platz als vor dem Umzug: "Das bringt auch wieder mehr Komfort für die Tiere", freut sich Gert Ruschulte.

Eigener Futteranbau auf 95 Hektar

Zur Landwirtschaft von Familie Ruschulte gehören außerdem 95 Hektar Acker- bzw. Grünlandfläche, in erster Linie für den Futteranbau - 50 Hektar Mais, 38 Hektar Grünland und sieben Hektar Weizen. Die Ackerarbeiten werden weitestgehend alleine erledigt. Spezialarbeiten wie Pflanzenschutz, Mähdrusch, Häckselarbeiten, Gülle einschlitzen werden vom örtlichen Lohnunternehmer erledigt.
 
Das Team von Gert Ruschulte junior besteht aus seinen Eltern, seiner Frau, zwei Auszubildenden und einem Angestellten. Seine Großeltern wohnen im Altenteilerhaus am Betrieb, sind aber nicht mehr in die Arbeiten eingebunden.
 
Die Hofstätte der Ruschulte hat bereits eine sehr alte Tradition. Sie kann bis auf das 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Anhand der vorhandenen Eschböden konnte festgestellt werden, dass dort bereits vor 1.000 Jahren Ackerbau und Viehzucht betrieben wurde.
 

Betriebsspiegel Ruschulte


Der Milchvieh- und Ackerbaubetrieb Ruschulte mit 200 Milchkühen und 95 Hektar Acker- bzw. Grünlandfläche liegt im Landkreis Grafschaft Bentheim.


Betrieb
Ruschulte GbR (Gert, Johann und Charlotte Ruschulte)
Wettringer Str. 8
48465 Ohne 
 
200 Milchkühe (170 Melkende, 30 Trockensteher)
kontrollierte Milchleistung: 10.500 kg/Kuh und Jahr
Fettgehalt im Durchschnitt: 3,8 Prozent
Eiweißgehalt im Durchschnitt: 3,35 bis 3,40 Prozent
weibliche Nachzucht: 160 Tiere
männliche Nachzucht: nach 14 Tagen verkauft
Fütterung: Voll-TMR per Mischwagen aus Grassilage, Maissilage, Biertreber, Sojaschrot, Rapsschrot, Maisschrot, Trockenschnitzel und Mineralien
Sechsreihen-Boxenlaufstall mit 160 Tiefliegeboxen
Melktechnik: 2x12-Side-by-Side-Melkstand
zwei Melkungen pro Tag
 
Struktur Ackerbau
insgesamt 110 ha Fläche:
95 Hektar Acker- bzw. Grünlandflächen (50 ha Mais, 38 ha Grünland, 7 ha Weizen)
Bodenpunkte: 18 bis 35
15 Hektar Forstflächen
Pflanzenschutz sowie Mähdrusch, Häckselarbeiten,Stroh pressen und spezialisierte Gülleausbringung durch Lohnunternehmer
 
Arbeitskräfte
Betriebsleitung (drei Personen) 2,5 Ak
Angestellter 1,0 Ak
Aushilfe 0,3 Ak
Auszubildende 1,5 Ak
 
Maschinenbesatz Eigentum
Schlepper John Deere 6320
Schlepper John Deere 6410
Schlepper Deutz 6806
Schlepper Deutz 5206
Teleskoplader Merlo
Mähwerk, Kreiselheuer, Mischwagen, Pflug, Federzinkengrubber
 
Maschinenbesatz in Maschinengemeinschaft
Güllefass Joskin 11.000 Liter
Güllefass Veenhuis 6.000 Liter
Kreiselegge, Sämaschine, Maislegegerät, Grünlandstriegel, Flügelschargrubber, Wiesenwalze mit Fahrwerk
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