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Produktion und Förderung

Hofreport: Flache Hierarchien auf 1.600 Hektar

von , am
28.05.2013

Kleineichstädt - Am Rande der Querfurter Platte liegt die Agrargenossenschaft Weißenschirmbach e. G. Die Genossen haben aus dem Rechtsnachfolger diverser LPGs einen modernen, nachhaltigen Betrieb gemacht.


Norbert Münchs zweites Büro ist sein BMW X3.  "Die Freisprechanlage ist eine wirklich tolle Erfindung", merkt der 52-jährige an, während er über die Landstraße zwischen Querfurt und Nebra fährt. Die letzte halbe Stunde musste Münch auf einen Anruf bezüglich Änderungen im Baugesetzbuch reagieren. Gleichzeitig kontrolliert er die Pflegemaßnahmen auf seinen Wiesen und den Pflanzenschutz im Weizen. Norbert Münch legt dabei viel Strecke zurück. Er ist Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Weißenschirmbach e. G. im südlichen Sachsen-Anhalt.
 
Der Rechtsnachfolger diverser LPGs ist das Herz eines landwirtschaftlichen Unternehmensverbundes am Rande der Querfurter Platte im Ziegelrodaer Forst. Auf dem Stammbetrieb in Kleineichstädt managt Norbert Münch mit seiner Belegschaft rund 1.600 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Dazu kommen noch rund 350 ha, die im Auftrag von Partnerunternehmen bewirtschaftet werden. Um alle Flächen zu erreichen ist ein robustes Auto mit Freisprechanlage als "Ersatzbüro" unabkömmlich.

46 Genossen mit gleichem Stimmrecht

Norbert Münch ist im nahe gelegenen Nebra geboren, wo 1999 die berühmte "Himmelsscheibe von Nebra" gefunden wurde, die mit ihren geschätzten 4000 Jahren als weltweit älteste konkrete Himmelsdarstellung gilt. Nach seinem Fernstudium in Naumburg von 1986 bis 1990 übernahm Münch die Geschicke der Agrargenossenschaft als Vorstandsvorsitzender. Der Betrieb gehört den 46 Genossen, von denen 31 auf dem Betrieb arbeiten - bei Entscheidungen zählt jede Stimme gleich viel. "Wir haben hier eine flache Hierarchie. Es gibt in jeder Leitungsebene eine Art Abteilungsleiter im Pflanzenbau, der Tierproduktion, Technik und Bau", erklärt Münch. Vorteile durch die direkten Strukturen sieht Münch in den günstigeren Kosten und einer höheren Selbstständigkeit der Mitarbeiter. Nachteile entstünden beim Ausfall von Führungskräften und der Tatsache, dass er nicht in jedem Bereich thematisch "tiefgründig" stecken könne.

Erste Silage und Sauberkeitsschnitt

Dies ist ob der Größe und Vielfalt der Betriebszweige auch schwer vorstellbar. Neben knapp 2.000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche müssen in dem Unternehmensverbund (bald) 600 Milchkühe, 85.000 Legehennen und diverse Biogasanlagen organisiert werden.
 
In der zweiten Mai-Dekade wurde siliert. 70 ha Futterroggen, 70 ha Luzerne und 40 ha Gras. Dabei ist der logistische Aufwand hoch. "Wir müssen einen Kompromiss zwischen Ertrag und der Logistik gehen. Der erste Schnitt sollte so liegen, dass wir den zweiten zwischen den 01. und 10. Juli machen können, um nicht mit der Getreideernte über Kreuz zu kommen", erklärt Münch. Bei rund tausend Hektar Wintergetreide kein Wunder. Mit Ertrag und Energie bei der Silage zeigt sich Norbert Münch trotz des langen Winters zufrieden."Die Natur hat in den fünf Wochen Wachstumszeit einiges aufgeholt. Wir gehen von Energiegehalten von 6,5 MJ NEL in der Gesamtsilage aus."

Nach dem ersten Schnitt werden die Ränder der Wiesen und Luzernefelder gemulcht - ein "Sauberkeitsschnitt". "Da kommen wir mit dem Mähwerk nicht so hin, wollen das Unkraut aber aus den Flächen raushalten", erklärt Münch.

Neuer Milchviehstall im Bau

In diesem Jahr wurde auf der Betriebsfläche in Kleineichstädt mit dem Bau eines neuen Milchviehstalls begonnen. Getragen von massiven Holzbindern, abgedeckt mit Faserzementplatten mit mittigem Lichtfürst wird der Kuhkomfort auf 36 mal 66 Metern groß geschrieben. Nach der Wende waren die Milchkühe auf insgesamt elf umliegende Dörfer verteilt. Heute stehen die rund 350 Milchkühe in Ställen auf dem Stammbetrieb in Kleineichstädt. "Zuerst haben wir die ganze Anlage saniert, mittlerweile sind wir auch Eigentümer aller Geländeflächen", blickt Norbert Münch nicht ohne Stolz zurück. Der neue Stall soll bis Oktober bezugsfertig sein und Platz für weitere 250 Tiere schaffen. Dann, im Herbst, wird Norbert Münch auch wieder mehr Zeit in seinem ersten, "stationären" Büro auf dem Betriebsgelände verbringen.
 
Wie die Agrargenossenschaft fast das ganze Dorf Kleineichstädt mit Wärme versorgt, sehen sie im nächsten Hofreport aus Sachsen-Anhalt.

Betriebsspiegel Agrargenossenschaft Weißenschirmbach e. G.


ohne Partnerbetriebe


Betrieb: 
Agrargenossenschaft Weißenschirmbach e.G
Ziegelrodaerstraße 89
06268 Querfurt/ Ortsteil Kleineichstädt
 
Betriebskräfte: 
46 Genossen
31 Arbeitskräfte, Vorstandsvorsitzender: Norbert Münch

Pflanzenproduktion:
710 ha Winterweizen
238 ha Winterraps
202 ha Mais
138 ha Wintergerste
99 ha Zuckerrüben
66 ha Luzerne
40 ha Wiesen

Tierproduktion:
350 (bald 600) Milchkühe

Erneuerbare Energien:
100 kWpi Photovoltaik

Abwärmenutzung der Biogasanlagen (näheres siehe nächster Hofreport)
Bandtrockner (Luzerne und Getreide)
Trocknungswagen
Heizung für Verwaltung und Werkstatt



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