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Produktion und Förderung

Hofreport: Investition in ein hofeigenes Schlachthaus

© Katharina Krenn/agrarheute
von , am
29.09.2014

Der Direktvermarkter Stefan Dellinger investierte vor vier Jahren in ein hofeigenes Schlachthaus mit angeschlossener Hofmetzgerei. Aufgrund der strengen Auflagen stiegen die Investitionskosten auf 400.000 Euro.

 
'Fleisch aus artgerechter Haltung' - dazu zählt für den Landwirt und Metzger Stefan Dellinger auch die Schlachtung am Hof. Dass den Tieren keine Transportwege zugemutet werden, ist für den Direktvermarkter ein wichtiges Verkaufsargument. 2010 wurde jedoch der Platz für die Hofschlachtung am Konradhof zu klein und der Landwirt sah sich gezwungen in ein größeres Schlachthaus zu investieren. Gut 400.000 Euro musste der Landwirt in die Schlachtung mit angeschlossener Metzgerei investieren ? mehr als anfangs gedacht. Zum Einen weil die Zeit drängte und zum Anderen, da die Forderungen von Seite der Behörden immer mehr wurden, erzählt er.
"So wie ich gebaut habe, ist der kleinste Maßstab eines Schlachthauses, so wie es neu genehmigt wird. Vor zwanzig Jahren hätte ich wahrscheinlich die Hälfte Geld in die Hand nehmen müssen.", so Dellinger.

Hohe Auflagen ließen Kosten steigen

In der Planungsphase hat Dellinger sich an eine Fachfirma gewandt. Diese hat ihm im ersten Schritt einen Kostenüberblick verschafft und ihn in der Kommunikation mit den Ämtern unterstützt. Bereits in der Planungsphase war das Veterinäramt eingebunden und konnte sich zu den Plänen äußern. Trotzdem kamen während und nach der Bauphase noch Beanstandungen und weitere Forderungen von Amtsseite, moniert Dellinger. Die Kosten wurden damit immer höher. Vor allem die Auflagen hinsichtlich der Räumlichkeiten waren bei dem Neubau hoch. Gefordert waren Umkleiden mit Hygieneschleuse, zwei Schlachträume, ein gekühlter Zerlegeraum und diverse Kühlräume. Nur drei Monate dauerte der eigentliche Bau, doch erst vier Monate später konnte er sein neues Schlachthaus in Betrieb nehmen. Allein für die Schlachtgenehmigung musste Dellinger zwei Monate warten - "ein reiner Verwaltungsakt", so der Landwirt.

Spezialisten in Schlachtung und Metzgerei

Die Schlachtwoche beginnt am Konradhof am Samstag mit der Schlachtung von 10 bis 15 Schweinen. Außerdem werden über die Woche 4 bis 5 Rinder, 200 Hühner, 10 Puten und je nach Jahreszeit mehrere Lämmer geschlachtet. Insgesamt 6 Arbeitskräfte beschäftigt Dellinger dafür in Schlachtung und Wurstproduktion.
 
Der gelernte Metzger hält jedoch nichts von Springern, er setzt auf Spezialisten, d.h. jeder der Metzger ist für einen bestimmten Bereich wie beispielsweise die Zerlegung angestellt. Das sichert, so Dellinger, die Qualität. Desweiteren beschäftigt der Metzger einen Betriebsleiter, der alle Produktionsbereiche im Blick hat und einen reibungslosen Ablauf garantiert.

Direktvermarktung auf mehreren Wegen

Eine Investition in dieser Höhe rechne sich jedoch nur mit einer bereits funktionierenden Direktvermarktung, so Dellinger. Der Landwirt hat sich in dieser Hinsicht breit aufgestellt. Neben der Hofmetzgerei betreibt er zwei Verkaufsläden in der nahegelegenen Stadt München. Zudem verkauft er seine Fleisch- und Wurstprodukte auf zehn verschiedenen Bauernmärkten in der Region. Mit dem Bau des neuen Schlachthauses verdoppelte Dellinger den Umsatz bereits im ersten Jahr.

Hofreport: Der Konradhof setzt auf Direktvermarktung in der Stadt

 
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