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Produktion und Förderung

Hofreport: Der Konradhof - regional und transparent statt Bio

© Katharina Krenn/agrarheute
von , am
06.05.2014

Der 35-jährige Landwirt Stefan Dellinger wagte vor vier Jahren den Sprung in die Großstadt mit einem eigenen Laden. Der Direktvermarkter setzt auf Freilandhaltung und produziert alle Fleischprodukte selbst.

 
"Der Konradhof soll ein Bauernhof zum Anschauen sein", erklärt Stefan Dellinger. "Ich glaube, es braucht solche Betriebe, die die Leute wieder auf den Hof lassen". Nicht nur deshalb hat sich Dellinger für die Freilandhaltung entschieden. Es ist Teil seines Betriebskonzepts, das auf die breite Direktvermarktung von regionalem Fleisch aus artgerechter Haltung angelegt ist. Dafür hat er 2010 eigens ein Schlachthaus mit angeschlossener Metzgerei gebaut. Denn er will Fleisch-Produkte aus einer Hand an qualitätsbewusste Kunden verkaufen. Mittlerweile unterhält er neben einem Hofladen zwei eigene Metzgereiläden im 35 Kilometer weit entfernten München.
 

Junior setzt auf Verarbeitung und Vermarktung

Der Bauernhof in Unering im Landkreis Starnberg befindet sich seit über 500 Jahre in Familienbesitz. Der heute 35-jährige Stefan Dellinger hat nach seinem Agrarstudium einen neuen Betriebszweig am Konradhof aufgebaut. Er sah seine Zukunft in der Veredelung zusammen mit eigener Verarbeitung und Vermarktung. Der Ackerbau mit seinen Arbeitsspitzen sei nicht so sein Ding.  "Die Direktvermarktung war für mich eine Alternative, um nicht abhängig zu sein von der Industrie. Ich wollte gezielt an den Verbraucher, damit ich Preissicherheit und -stabilität habe und nicht bei jeder Krise Geld verliere.", erzählt Dellinger.
 
Der junge Landwirt wollte dabei keine kleinen Brötchen backen. Er nahm 600.000 Euro in die Hand und investierte sie in ein eigenes Schlachthaus mit Metzgerei und Hofladen. Dafür musste er jedoch seinen Umsatz verdreifachen und versuchte es mit einem eigenen Verkaufsladen in München. Mittlerweile sind daraus zwei geworden. Zudem verkauft er sein Fleisch ab Hof und auf neun verschiedenen Bauernmärkten.
 
Der Ackerbau und die Bullenmast des Hofs blieb in der Hand von Senior Dellinger. Er bewirtschaftet derzeit 130 Hektar Acker und beliefert den Junior mit Futter und Schlachtbullen. Zu Stefan Dellingers Betrieb gehören noch sieben Hektar Grünland rund um die Hofstelle.
 

Dellinger setzt auf artgerechte Tierhaltung

Schon von weitem sehen Dellingers Kunden Hähnchen und Hennen, aber auch Puten und Schweine im Freiland herumlaufen. Es ist sein Aushängeschild und das realisiert er mit Mobilställen. Aber nicht nur seine Legehennen und Masthähnchen, auch seine Schweine wohnen in mobilen Ställen. Allein für die zwei Schweinemobile hat er 100.000 Euro investiert.
 
Der Höchstbesatz eines Mobilstalls liegt bei 90 Schweinen. Bei einem Euro pro Kilo Mehrerlös, erwirtschaftet er pro Durchgang 5.400 Euro mehr als bei konventioneller Haltung, rechnet Dellinger vor. Darüber hinaus hält er - ebenfalls im Freiland - 600 - 2000 Masthähnchen, 550 Legehennen und etwa 100 - 150 Puten. Es ist nicht Bio, sein Siegel sei die Transparenz, so Dellinger. Sogar auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet der Landwirt freiwillig. Ebenfalls ein gutes Verkaufsargument.
 

Verkaufsargument: Eigene Schlachtung

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die hofeigene Schlachtung. Seit immer wieder Bilder von Fehlverhalten in Schlachthöfen in den Medien erscheinen, interessieren sich die Verbraucher zunehmend für die Schlachtung ihres Fleischs. Beim Konradhof fallen nicht nur die Transportwege weg. "Es ist uns ein Anliegen, die Tiere so schonend wie möglich zu schlachten. Deshalb tun wir dies in Eigenregie", so Dellinger. Pro Woche werden am Konradhof 14 Schweine, 4 Bullen, 250 Hähnchen und 10 bis 15 Puten geschlachtet und zu Wurst und Fleischprodukten verarbeitet.

Die Geschäfte laufen

'Alles aus einer Hand' - das ist in der Fleischproduktion selten geworden und damit kann Dellinger gezielt werben. Der Konradhof verwendet auch keine Zusatzstoffe und Geschacksverstärker, erzählt er stolz. Aber dieser Weg ist kein leichter. Die Investitionen müssen sich rechnen und das Personal muss bezahlt werden. Allein für einen Laden in München muss er drei Mitarbeiter beschäftigen. Und die Ansprüche der Kunden seien hoch: "Sie wollen nicht nur Qualität, sondern ein schönes Verkaufserlebnis und freundlichen Service. Ein gutes Produkt allein reicht nicht. Nur wenn alles stimmt, kauft der Kunde und erzählt es weiter.", so Dellinger. Aber Dellinger scheint nicht unzufrieden. Die Geschäfte dürften nicht so schlecht laufen, denn er hat dieses Jahr noch einen zweiten Verkaufsladen in München angemietet. 
 

Positives Betriebsklima bei Mensch und Tier

Aber nicht nur den Tieren scheint es am Konradhof gut zu gehen, auch das Betriebsklima fühlt sich gut an. Es fällt auf, dass hier viele junge Leute mitarbeiten. Letztes Jahr hat Dellinger die 28-Jährige Jennifer Borisch als landwirtschaftliche Betriebsleiterin eingestellt. Sie hat ihren Bachelor in Landwirtschaft an der Uni Triesdorf gemacht und dann lange keine Anstellung gefunden. Der Grund: Ihr fehlte der Stallgeruch - sie hatte Landwirtschaft aus Überzeugung studiert und nicht weil ein Hof im Hintergrund war, so sagt sie.  Dellinger will gerade denjenigen eine Chance geben, die es schwerer haben und meistens rechne sich sein Vertrauen, erzählt er. Außerdem zahle er ordentliche Löhne und gebe genug Freiraum für Eigeninitiative. Dieser moderne und soziale Führungsstil scheint sich positiv auf die Motivation der Mitarbeiter auszuwirken. Das spürt letztlich auch der Kunde. Insgesamt beschäftigt Dellinger 30 Angestellte.
 
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