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Produktion und Förderung

Hofreport: Reife Erdbeeren und fleißige Hühner

© Smileus-Fotolia
von , am
19.06.2014

Salzdahlum - Auf der Domäne Salzdahlum (Niedersachsen) geht es wieder rund: Pflücker ernten die reifen Erdbeeren und Landfrauengruppen informieren sich über die Legehennenhaltung.

Johannes Weber begrüßt uns am Hofladen. Bevor wir gleich zu seinen Erdbeerfeldern fahren, geht er in den Hofladen der Domäne. Er zählt durch, wieviele Stiegen süßer Früchte heute noch gepflückt werden müssen: "Wieviel wir täglich ernten ist eine Mischung aus Erfahrung und Glück", erklärt er. Gut sei es immer, abends alles verkauft und trotzdem jeden kaufwilligen Kunden zufriedengestellt zu haben. "Aber das gelingt uns natürlich nicht immer." Was übrig bleibt, wird zu Marmelade eingekocht, die sie im Hofladen anbieten.
 
Verkauf nur tagfrisch

Gut 10 Hektar Erdbeeren bauen die Webers an. Die Kultur ist ein wichtiges Standbein des Betriebes. Bis zu 70 Prozent der täglichen Ernte werden in den frühen Morgenstunden gepflückt und dann erst einmal im Kühlraum untergebracht: "Wir verkaufen ausschließlich tagfrische Ernte", hält Johannes Weber fest. Die Früchte werden bis zum Verkauf auf etwa 5°C heruntergekühlt. "Wir könnten sie auch kühler lagern, dann würden sie sogar noch besser halten. Aber wenn wir sie dann aus der Kühlung holen, beschlagen die Schälchen und lassen sich schlechter verkaufen."
 
Jetzt  fährt Johannes Weber aufs Feld. Dort sind schon zahlreiche Selbstpflücker bei der Arbeit. Für 2,50 Euro können sie sich zurzeit ein Kilo pflücken und dabei natürlich auch die eine oder andere Erdbeere schon auf dem Acker genießen. "Bis um 10 Uhr kommt oft der erste Schwung zum Pflücken, dann nochmal mittags und schließlich in den Abendstunden wieder", weiß Johannes Weber. Morgens sind das eher ältere Kunden, die auch bei nicht so gutem Wetter vorbeischauen. Wenn es allerdings am späteren Vormittag einen ordentlichen Regenguss gibt, kann es sein, dass die Kunden an dem Tag nur noch spärlich kommen, selbst wenn sich das Wetter danach wieder bessert.
 
500 bis 600 Kilogramm Erdbeeren werden von den Pflückern an einem Tag wie heute geerntet, bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad Celsius und ohne Regen. Nach ein paar Regenstunden kann es sein, dass 200 Kilogramm ausreichen. An einem guten Samstag können es aber auch 800 Kilogramm werden. 
 
Unwetter mit Folgen
 
Johannes Weber geht durch den Bestand, bückt sich immer wieder, streich die Blätter zurück und schaut sich die Früchte an. In den vergangenen Tagen gab es zwei Unwetter mit Hagel und Starkregen und zwischendurch Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius. "Das hat natürlich auch unseren Erdbeeren zugesetzt", bemerkt Weber und zeigt die Schäden: Die Sorte Darselect hat besonders gelitten. Hagelschläge haben die Früchte verletzt. Wasserflecken sind, vermutlich verstärkt durch den Hagel, deutlich zu sehen. "Eigentlich ist diese Sorte sehr witterungsbeständig, weil sie fester ist." Weber hofft auf kühleres und trockenes Wetter, damit der Grauschimmel die verletzten Stellen nicht angreift.
 
Anders ist es bei der Sorte Sonata, die Hauptsorte der Domäne. Fünf Hektar sind derzeit damit bepflanzt. "Bei der Sonata hat das Laub Schutz geboten und dadurch sind die Früchte kaum beeinträchtigt."
 
Pflanzenschutz kundenfreundlich
 
Insgesamt treten Schäden durch Botrytis cinerea, den Grauschimmel, in diesem Jahr bisher nur vereinzelt auf.  "Die Frage ist immer nur, wie stark und schnell kann sich der Pilz ausbreiten", sagt Weber.  Er sorgt kundenfreundlich vor - mit einer Spritzung in die Blüte. Die Früchte zu behandeln ist auch möglich, aber "dann hätten wir Rückstände im Fruchtfleisch und das wollen wir als Direktvermarkter auf keinen Fall". Wie er die Flächen gedüngt hat, das behält er für sich. "Jeder Erdbeeranbauer entwickelt in Sachen Düngung seine eigene Strategie."
 
Insgesamt freut sich Johannes Weber über eine gute Ernte. "Ein Problem wird es aber wohl geben. Die Früchte sind alle auf einen Schlag reif und wir bekommen sie dann eventuell nicht mehr angemessen vermarktet."
 
Pflücken im Stundenlohn
 
Auf dem Weg zu den im Mai frisch bepflanzten Feldern kommen wir auf die Personalkosten für den Erdbeeranbau: "Die sind bei uns relativ hoch", erzählt Johannes Weber. "Wir pflücken nämlich nicht im Akkord, sondern im Stundenlohn." Das treibt die Kosten in die Höhe, aber es fördert auch die Fruchtqualität. Die Pflücker behandeln die Ernte schonender. So bleibt sie länger frisch und sieht besser aus. Außerdem entfernen sie faule Erdbeeren aus dem Bestand, aber eben nur, wenn man nach Stundenlohn bezahlt.
 
Nicht nur den Früchten tut die Bezahlung nach Stundenlohn gut. Auch die Mitarbeiter sind damit zufriedener: "Sieben Euro bekommen die Helfer ausgezahlt. Darauf kommen noch etwa 30 bis 35 Prozent Lohnnebenkosten. Dann sind wir bei 9,50 bis 10 Euro", rechnet Weber vor. Pro Stunde kostet ein Erntehelfer den Betrieb etwa zwölf Euro. Darin sind auch Sachleistungen enthalten wie Kost und Logis, Kaffee, ein Anteil am Mittagessen und Eier.
 
Im ersten Jahr Blüten ab
 
Schließlich erreichen wir die diesjährigen Pflanzungen. Etwa 30.000 Erdbeerpflanzen pro Hektar haben die Webers in diesem Mai als sogenannte Frigopflanzen auf insgesamt gut drei Hektar in den Boden gebracht. Frigopflanzen sind gefrorenen Setzlinge, die im Herbst beim Vermehrer gerodet, bis auf wenige Blätter gestutzt und bis zur Pflanzung bei -1 bis -2° Celsius gelagert wurden. "Das Pflanzbeet haben wir im frühen Frühjahr mit einem tiefen Grubberstrich vorbereitet." Zur Pflanzung sind sie nach einer Herbizidspritzung nochmal mit der Saatbettkombination über das Feld gefahren. "Wieviel Erdbeeren wir pro Jahr ernten, das schwankt um mehrere hundert Prozent, sagt Johannes Weber und lacht. "Ich sage da schon gar nichts mehr zu." Die Größe der Anbaufläche ist deshalb ein Erfahrungswert über mehrere Jahre.
 
Gäste besuchen Legehennen
 
Szenenwechsel am Nachmittag. Es gibt noch Besuch: Eine Landfrauengruppe möchte sich die Legehennen der Domäne anschauen. Johannes Weber zeigt gerne seine drei Mobilställe mit dem drei Hektar großen Freilaufgelände. Etwa 30 Besuchergruppen empfängt er im Jahr und beantwortet die vielen Fragen, die seine Kunden haben. "Unsere Gäste genießen hinterher unsere Eier noch mehr", freut sich der Landwirt. "Und wir machen so ein bisschen Werbung für uns."
 
Wieviele Eier legen die Hühner? Diese Frage muss Johannes Weber jedesmal beantworten. Die Legeleistung liegt im Schnitt bei 84 bis 85 Prozent, in Spitzenzeiten werden bis zu 94 Prozent erreicht. Im Winter ist die Leistung etwas niedriger wegen der kälteren Temperaturen in den Ställen.
 
Legeperiode extra lang
 
Auf der Domäne sind die Hennen für eine Legeperiode von 15 Monaten im Einsatz, das sind etwa 25 Prozent mehr als üblich: "Die Rasse Tetra, die wir nutzen, legt bis zu 15 Monate lang qualitativ gute Eier", sagt Weber. Außerdem sehen die Tiere auch bis zum Schluss noch gut aussehen, ebenfalls ein Grund, die Legeperiode zu verlängern. In der Herde gibt es keine Probleme mit Federpicken. Nicht umsonst halten die Webers nur 1.600 Hühner in jedem der drei Mobilställe, die pro Stall eigentlich für 1.816 Tiere zugelassen sind. Und sie bieten den Tieren jeweils ein Hektar Auslauf im Freien.
 
Nicht zuletzt sorgen auch die Hähne in der Herde für ein besseres Sozialverhalten unter den Tieren. Die Legehennen sind ruhiger bei Anwesenheit von Hähnen. "Trotzdem nimmt die Legeleistung natürlich in den letzten drei bis vier Monaten deutlich ab", beschreibt Johannes Weber. Die Kosten pro Ei sind in der Zeit zwar etwas höher, da der Futterverbrauch gleich bleibt. "Aber durch die verlängerte Legeperiode haben wir auch den Vorteil, dass die Lücken im Eierangebot nur alle 15 Monate auftreten. Nach einem Stallwechsel fehlen uns schließlich sechs Wochen lang Eier."
 
Futter ohne Raps
 
Seine Besucher wollen auch wissen, was die Hühner fressen. Schließlich bestimmt das Futter auch  die Qualität der Eier. Bei den Webers gibts ein Gemisch aus Bohnen, Weizen und Mais für den guten Eiergeschmack. Zusätzlich bekommen die Tiere Mineralfutter und Kalk. Das hält die Schale stabil. "Wir lassen Raps als Energieträger bewusst aus unserem Futter heraus. Denn: Wenn der Rapsanteil im Legehennefutter zu hoch ist, schmecken die Eier leicht nach Fisch. Das ist gerade bei der Rasse Tetra der Fall."  Johannes Weber weist darauf hin, dass gutes Futter aber auch seinen Preis hat: "Das können wir uns als Direktvermarkter leisten. Für größere Hühnerhaltende Betrieb ist das nicht finanzierbar, weil der Preisdruck einfach zu stark ist." 
 
Weber setzt am liebsten Legemehl ein. Er hat aber auch schon Pellets ausprobiert: "Die nehmen die Hühner auch sehr gerne an. Wir haben allerdings eine recht lange Futterkette. Dadurch werden die Pellets mit der Zeit fein gemahlen. Dieses Mehl bleibt schließlich übrig und wird nicht aufgenommen." Deshalb nimmt er am liebsten grobes Mehl. Das fressen die Hühner komplett auf.

Stroh-/Sandgemisch zum Scharren

Den Kaltscharraum können die Hühner den ganzen Tag lang nutzen. "In Sachen Einstreu haben wir schon viel experimentiert." Reines Stroh, reine Hackschnitzel und purer Sand sowie feiner Kies hätten sich nicht bewährt. Derzeit nutzen sie ein Gemisch aus 1/3 Stroh und 2/3 Sand: "Den Sand mögen die Hühner gerne zum Staubbaden, um ihr Gefieder zu pflegen und das Stroh hält das Ganze locker", berichtet Johannes Weber. Wenn die Hühner von draußen Erde und Feuchtigkeit mit hereinbringen, backt die Einstreu sonst häufig zusammen. Das wird durch den Strohzusatz verhindert. Statt des Strohs könne man auch Hackschnitzel einsetzen. Die Mengen an Stroh bzw. Hackschnitzel dürfe nur nicht zu groß werden, denn: In das Stroh legen die Tiere auch gerne Eier und die Hackschnitzel fressen sie.
 
Die Landfrauen wollen schließlich noch in den Hofladen der Domäne, natürlich auch, um ein paar frische Eier mitzunehmen. Nach einem ausgiebigen Einkauf verabschieden sie sich. Und auch wir machen uns auf den Heimweg. Vielleicht treffen wir Johannes Weber beim nächsten Mal schon bei der Ernte an.
 
In unserem ersten Teil des Hofreportes von der Domäne Salzdahlum haben wir Johannes Weber bei der Bestandkontrolle auf den Acker begleitet und in seine Mobilställe geschaut. Klicken Sie auch in den Film zu unserem ersten Besuch vor Ort ...
 
 
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