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Green Deal und Direktzahlungen

Hohe Direktzahlungen sind besser für die Umwelt – und für die Bauern

Felder.
am Dienstag, 07.09.2021 - 12:03 (2 Kommentare)

Landwirte machen mehr für die Umwelt, wenn sie höhere Direktzahlungen bekommen, anstatt verpflichtende Umweltauflagen erfüllen zu müssen.

Heuernte.

Eine Erhöhung der obligatorischen Umweltauflagen, reduziert die freiwilligen Maßnahmen der Bauern. Das ist ein Ergebnis eines Verhaltensexperiments, dass der wissenschaftliche Dienst der Europäischen Kommission (JRC) mit 600 Landwirten aus Deutschland, Spanien und Polen durchgeführt hat. Ziel war es herauszufinden, wie sich die Landwirte bei der Umsetzung des Green Deal verhalten.

Die Untersuchung der Reaktionen der Landwirte auf das veränderte agrarpolitische Konzept, ist aus Sicht der Wissenschaftler um F. Dessart und J. Rommel wichtig, da die Erreichung einer höheren Umwelt- und Klimaleistung der Landwirtschaft in erheblichen Umfang vom Verhalten der Landwirte abhängen wird, insbesondere von ihrer Teilnahme an freiwilligen Maßnahmen.

Aus Sicht der Wissenschaftler bestand deshalb die Notwendigkeit, verhaltensbezogene Erkenntnisse zu sammeln, da diese bisher kaum erforscht sind. Hintergrund der Studie ist der Green Deal und die damit verbundenen Maßnahmen. Dazu gehören: (1) Verbesserung der Konditionalität, d.h. die Erhöhung der Anforderungen an umweltfreundliche Anbaumethoden, die Landwirte umsetzen müssen, um künftig Direktzahlungen zu erhalten.

(2) Einführung von so genannten Eco-schemes, einem neuen Instrument, bei dem sich Landwirte gegen eine jährliche Entschädigung freiwillig zur Einführung umweltfreundlicherer Praktiken verpflichten. Eco-Schemes würden über das Budget für Direktzahlungen finanziert, in erster Linie durch eine Haushaltsverschiebung von der Grundeinkommensstützung für Nachhaltigkeit (BISS).

Was machen die Landwirte freiwillig?

Felder.

Die Herausforderung besteht aus Sicht der Wissenschaftler darin, das richtige Gleichgewicht zwischen obligatorischen Maßnahmen (d. h. Konditionalität) und freiwilligen Systemen (d. h. den neuen Eco-Schemes und den bereits bestehenden Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen zu finden.

Das Experiment war eine vereinfachte Darstellung realer Entscheidungseinstellungen, die darauf abzielen, grundlegende Verhaltensmuster aufzudecken, sagen die Autoren um F. Dessart. Dabei erhielten die Teilnehmer erhielten eine bestimmte Anzahl von Wertmarken (Token), die ihr landwirtschaftliches Nettoeinkommen darstellten, dass sowohl ihren Gewinn aus landwirtschaftlichen Produkten als auch ihre Direktzahlungen (eine Vereinfachung, die BISS darstellt) umfasst.

Alle Teilnehmer mussten zudem einen obligatorischen Beitrag einer bestimmten Anzahl von Token an die Umwelt ohne Gegenleistung leisten. Dieser obligatorische Beitrag sollte die Konditionalität im Zusammenhang mit den GAP-Zahlungen darstellen. Die Aufgabe der Landwirte bestand nun darin, zu entscheiden, wie viele der verbleibenden Token sie freiwillig an die Umwelt geben würden. Das war der Gradmesser für die Umsetzung von Eco-Schemes durch die Landwirte. Die Teilnehmer erhielten zudem eine jährliche Entschädigung in Höhe von 90 % der freiwillig eingezahlten Token.

Landwirte verhalten sich ökonomisch

Traktor.

Als der obligatorische Umweltbeitrag für Umweltleistungen wurde, reduzierten die Teilnehmer ihren freiwilligen Beitrag im Durchschnitt um ungefähr den gleichen Betrag, wobei der Gesamtbeitrag für Umweltleistungen praktisch unverändert blieb. Die Autoren schließen daraus: Eine geringfügige Verbesserung (Erhöhung) der Konditionalität kann dazu führen, dass sich Landwirte weniger an freiwilligen Systemen beteiligen, während die vollständige Einführung umweltfreundlicher Praktiken unverändert bleibt.

Als der obligatorische Beitrag zur Umwelt erheblich stärker erhöht wurde, reduzierten die Teilnehmer ihren freiwilligen Beitrag ebenfalls, aber ihre Gesamtbeitrag war dennoch höher. Die Autoren glauben deshalb: Eine deutliche Verbesserung der Konditionalität kann die Akzeptanz umweltfreundlicher Praktiken insgesamt erhöhen.

Als das landwirtschaftliche Einkommen aufgrund eines Rückgangs der Direktzahlungen zurückging, reduzierten die Teilnehmer ihren freiwilligen Beitrag ebenfalls. Der Gesamtbeitrag zur Umwelt ist  dadurch ebenfalls deutlich zurückgegangen. Die Wissenschaftler sagen: Eine Budgetverschiebung von der BISS zu Eco-Schemes kann die Annahme umweltfreundlicher Praktiken insgesamt verringern, wenn die Landwirte nicht vollständig entschädigt werden. Dieser Effekt hängt wahrscheinlich stark von der Höhe der Kompensation für Eco-Schemes ab, heißt es weiter.

Mehr Konditionalität – weniger freiwillige Leistungen

Fazit ist also: Eine Verbesserung (Erhöhung) der Konditionalität verringert die Teilnahme der Landwirte an freiwilligen Maßnahmen. Wenn Landwirte umweltfreundlichere Anbaumethoden anwenden, um höhere obligatorische Anforderungen zu erfüllen, können sie eine moralische Befriedigung empfinden, die sie davon befreit, auf freiwilliger Basis noch mehr für die Umwelt zu tun, sagen die Wissenschaftler.

Wenn die Erhöhung des obligatorischen Umweltbeitrags gering war, reduzierten die Teilnehmer ihre freiwilligen Beiträge um denselben Betrag. Eine stark verbesserte Konditionalität (also mehr verpflichtende Maßnahmen) könnte die Akzeptanz umweltfreundlicher Praktiken jedoch erhöhen, trotz des damit verbundenen Rückgangs der freiwilligen Leistungen, glauben die Wissenschaftler. In dieser Situation waren jedoch sowohl die freiwilligen Umweltleistungen als auch die Beteiligungsquote deutlich geringer als in der Ausgangssituation.

Die Landwirte empfanden einen so hohen Pflichtbeitrag zur Umwelt als weniger gerecht als niedrige Pflichtbeiträge. Eine Verringerung der BISS-Zahlungen, dürfte die Beteiligung der Landwirte an freiwilligen Systemen ebenfalls verringern. Die Teilnahme von Landwirten an freiwilligen Systemen dürfte damit stärker auf einen Anstieg der Konditionalität reagieren als auf eine Senkung der BISS. Unter allen analysierten Situationen führte das einzige Szenario zu einem höheren Gesamtbeitrag zur Umwelt, wenn der Pflichtbeitrag stark erhöht wurde, schreiben die Autoren. Dabei war dieses Szenario auch dasjenige, in dem der absolute freiwillige Beitrag am niedrigsten und der Anteil der Nichtteilnehmer am höchsten war.

Farmers and the new green architecture of the EU common agricultural policy: a behavioural experiment

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