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Holzpellets heizen: Vergiftung mit Kohlenmonoxid möglich

Holzpellets.
am Donnerstag, 16.12.2021 - 06:30 (1 Kommentar)

Holzpellets gelten als nachhaltig und umweltfreundlich. Bei falscher Lagerung können sie Kohlenmonoxid abgeben. Das kann tödlich sein.

Pelletheizung.

Holzpellets für Heizöfen gelten als nachhaltiger und umweltfreundlicher Brennstoff. Doch die zu länglichen Stäbchen gepressten Sägespäne haben bei der Lagerung in großen Mengen eine potenziell gefährliche Eigenschaft: Bei der Herstellung werden durch das Zerkleinern, Erwärmen und Trocknen des Holzes bzw. der Späne werden nämlich Autooxidationsprozesse bei bestimmten Holzbestandteilen in Gang gesetzt.

Aus ungesättigten Fettsäuren entstehen dann Gase wie das gesundheitsschädliche Kohlenmonoxid (CO) und verschiedene Aldehyde. Noch Monate nach der Herstellung können die Pellets diese Gase freisetzen. Die Konzentration kann in Lagerräumen so hoch sein, dass es zu schweren Vergiftungen bei Personen kommen kann, die die Räume betreten.

„Vielen Hausbesitzern und Betreibern von Heizanlagen auf der Basis von Pellets ist dieses mögliche Gefährdungspotenzial nicht bekannt“, sagt Professor Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

„Nach experimentellen Untersuchungen können in der Raumluft von Pelletlagerräumen Konzentrationen von bis zu einigen Tausend ppm Kohlenmonoxid auftreten, was zu tödlichen Vergiftungen führen kann“. Wie hoch die Konzentration in einem Lagerraum ist, hängt aber vom Füllstand, von der Temperatur und vom Luftaustausch sowie vom Alter der Pellets ab.

Kohlenmonoxid-Vergiftung durch Pellets als Todesursache

Pellets heizen.

CO-Vergiftungen durch Pellets sind nicht selten: Im unterfränkischen Wernfeld hatte des Jahres seine Eltern leblos aufgefunden. Für die 68-jährige Mutter kam jede Hilfe zu spät, sie starb. Der 72-jährige Vater kam verletzt ins Krankenhaus, berichtete der Bayerische Rundfunk (BR)Anfang des Jahres. Wie sich herausstellte, war die Ursache dafür eine Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Wegen einer defekten Pellets-Heizung konnte sich das tödliche Gas unbemerkt im Haus ausbreiten. Solche Vergiftungen durch Kohlenmonoxid (CO) sind eine häufig Ursache und offenbar oft unterschätzte Ursache für Todesfälle. „Sie stehen an dritter Stelle gleich nach Tod durch Arzneimittel und durch Drogen. Hinzu kommen nicht-tödlich-verlaufende CO-Vergiftungen, deren Zahl nach Einschätzung der Experten des Bundesamtes für Risikobewertung um ein Vielfaches höher liegen dürfte als bekannt.

Kohlenmonoxid (CO) kann also zu schweren Vergiftungen und zum Tode führen. Zwar ist das Risiko vielen Verbrauchern bewusst, doch wird die Gefahr häufig unterschätzt.

Das BfR hat hierzu vor zwei Jahren mehr als 1.000 Verbraucher in Deutschland telefonisch zu Bekanntheit, Wahrnehmung, Wissen und Präventionsverhalten im Zusammenhang mit Vergiftungsrisiken, bei CO, befragt. „Mehr als ein Drittel der Befragten glauben fälschlicherweise, man könne Kohlenmonoxid am Geruch, Rauch oder am Alarm eines Rauchmelders erkennen“, sagt BfR-Präsident  Professor Hensel. „Daher muss weiter über das Risiko aufgeklärt werden.“

Spezielle Belüftung und Bauvorschriften einhalten

Eine konstante Lüftung der Lagerräume für die Holz-Pellets ist deshalb das A und O. Zudem sollte vor dem tödlichen Gas unbedingt durch einen Kohlenmonoxid-Melder gewarnt werden. Aus dem Lager dürfen außerdem keine Gase in Räume austreten können, in denen sich Menschen aufhalten. Der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV) empfiehlt, deshalb auch spezielle belüftende Deckel für die Füll- und Absaugstutzen des Pelletlagers zu verwenden.

Für größere Lager ab zehn Tonnen Fassungsvermögen sind aufwendigere Belüftungslösungen notwendig. Fertiglager aus atmungsaktivem Gewebe benötigten keine belüftenden Deckel. Hier sei allerdings für eine ausreichende Belüftung des Aufstellraums zu sorgen. Nur kurz vor dem Betreten des Pellet-Lagers zu lüften, reicht nicht aus, um die Konzentration der Gase auf ein unbedenkliches Maß abzusenken. Dabei kann die Konzentration in geschlossenen Räumen kann besonders hoch sein.

BfR-Präsident Hensel verweist auf experimentelle Untersuchungen, wonach in solchen Räumen eine tödliche Konzentration von Kohlenstoffmonoxid auftreten könne. Abhängig sei die Konzentration in der Raumluft von dem Füllstand des Lagers, der Temperatur und dem Luftaustausch sowie dem Alter des Brennstoffs.

Für die Pelletlagerung eignet sich deshalb nicht jeder Raum. Ein Lager mit trockenen Decken, Wänden und Böden ist ein Muss, um die Brennqualität zu erhalten. Das ist besonders relevant, wenn man die Pellets im Keller lagern möchte. Das Lager sollte außerdem so groß sein, dass in zwei Dritteln seines Volumens mindestens der vom Fachmann errechnete Jahresbedarf an Pellets Platz findet. Denn der Raum darf nicht bis oben befüllt werden.

Vorgaben für den Lagerraum einhalten – dann passiert nichts

Pellets.

Die Mindestgröße für den Lagerraum kann mit einer Formel berechnet werden: Heizlast x 0,9 Kubikmeter pro Kilowatt = Volumen des Lagerraums in Kubikmeter. Dazu addiert man dann noch ein Drittel an Raumvolumen. Am besten ist es, wenn das Lager an einer Außenwand des Hauses liegt und nicht verwinkelt ist. So lässt es sich besser belüften und befüllen.

Die Wände müssen gemauert sein. Gipsplatten geben unter dem Druck der Pellets nach. Fasst das Pelletlager mehr als 6,5 Tonnen Pellets, muss für den Brandschutz außerdem noch eine Tür der Feuerwiderstandsklasse T30 eingebaut werden. Lager von Einfamilienhäusern liegen aber in der Regel unter dieser Grenze, schreibt der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV).

Pelletzentralheizungen werden in der Regel mit einem größeren Pelletlager geplant, das den Brennstoffbedarf eines Jahres fassen sollte.  Bei der Umstellung etwa von Öl auf Pellets reicht in den meisten Fällen der ehemalige Öllagerraum aus.

Der DEPV empfiehlt zduem vorgefertigte Lagersysteme, da bei diesen die Befüll- und Entnahmetechnik aufeinander abgestimmt ist. Das gewährleistet optimale Pelletqualität und einen reibungslosen Heizungsbetrieb. Eine Broschüre  des DEPV zur „Lagerung von Holzpellets – ENplus-konforme Lagersysteme" erklärt die Planung eines sicheren und für die Pelletqualität schonenden Pelletlagers.

Mit Material von BfR, DEPV

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