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Inflation

ifo-Wirtschaftsinstitut: Landwirtschaft schlägt Gewinn aus Inflation

Verbraucherin beim Einkauf von Lebensmitteln
am Dienstag, 13.12.2022 - 13:18 (2 Kommentare)

Die Landwirtschaft nutze die aktuelle Inflation, um ihre Gewinne zu steigern, sagt ifo-Wirtschaftsexperte Prof. Ragnitz.

Einige Branchen in Deutschland haben nach Berechnungen von Prof. Joachim Ragnitz ihre Preise deutlich stärker erhöht, als das aufgrund der höheren Vorleistungspreise notwendig gewesen wäre. Dazu zählt der stellvertretende Geschäftsführer am ifo-Institut in Dresden insbesondere die Land- und Forstwirtschaft, aber auch das Baugewerbe, den Handel, das Gastgewerbe und den Verkehr.

Einige Unternehmen würden den Kostenschub offenbar als Vorwand dafür nehmen, durch eine Erhöhung der Absatzpreise auch ihre Gewinnsituation zu verbessern, schreibt Ragnitz.

Extreme Werte im Sektor Landwirtschaft

Um seine These zu unterstützen, verweist der Ökonom auf die unterschiedliche Entwicklung der Bruttowertschöpfung in der Gesamtwirtschaft und den betrachteten Sektoren. Der Deflator der gesamten Bruttowertschöpfung betrug nach seinen Angaben im dritten Quartal 2022 knapp 8 Prozent. In der Landwirtschaft betrug der Anstieg des Deflators hingegen zuletzt 46 Prozent, im Baugewerbe 23 Prozent und im Handel etwas mehr als 12 Prozent.

Welthandel mit Agrarprodukten wirkt preissteigernd

Dass die Preise in der Landwirtschaft so kräftig gestiegen sind, ist nach Auffassung des ifo-Experten nicht verwunderlich. Landwirtschaftliche Rohstoffe würden zumeist global gehandelt. Viele Güter hätten sich nicht zuletzt aufgrund der durch den Krieg in der Ukraine hervorgerufenen Verknappung weltweit verteuert.

Hinzu komme, dass die landwirtschaftlichen Unternehmen zunächst wohl ihre Vorräte an Dünge- und Futtermitteln aufgebraucht, in ihrer Kalkulation aber die zu erwartenden Preissteigerungen bei Nachbestellungen bereits eingerechnet hätten.

Schweinefleisch und Milch im Preis mehr als verdoppelt

Erzeugerpreisindex landwirtschaftlicher Produkte

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte im Oktober 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat um 37,9 Prozent angezogen. Im September 2022 hatte die Veränderungsrate sogar bei 40,3 Prozent gelegen.

Besonders stark stiegen im Oktober die Preise für tierische Erzeugnisse, nämlich um 46,8 Prozent. Dabei kletterten die Preise für Schlachtschweine im Oktober 2022 im Vergleich zum Oktober 2021 um 60,7 Prozent, allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau. Milch war im Oktober 56,3 Prozent teurer als zwölf Monate zuvor.

Pflanzliche Produkte verteuerten sich um 26,0 Prozent. Preistreiber waren unter den pflanzlichen Erzeugnissen Kartoffeln, Gemüse und Getreide.

Nahrungsmittelinflation doppelt so hoch wie die Gesamtinflation

„Besonders spürbar für die privaten Haushalte sind die weiter steigenden Preise für Nahrungsmittel“, sagt der Präsident des Statistischen Bundesamtes. Dr. Georg Thiel. Die Inflationsrate insgesamt hatte im Oktober 10,4 Prozent betragen, während die Nahrungsmittelpreise um 20,3 Prozent zulegten. Die Preise für Energieprodukte hatten um 43 Prozent angezogen.

Ohne Energie und Nahrungsmittel würde die Inflationsrate nur etwa halb so hoch ausfallen wie die Gesamtinflationsrate.

Ökonom lehnt staatliche Eingriffe in die Preise dennoch ab

Aus Sicht des ifo-Experten Ragnitz hilft „gegen überzogene Preisanhebungen“ nur mehr Wettbewerb. Verbraucher könnten auch billigere Produkte kaufen und so die Gewinninflation dämpfen, meint der Ökonom. Er sieht keinen Grund für staatliche Eingriffe in die Preise.

Auch eine Übergewinnsteuer sei wegen ihrer verzerrenden Wirkung auf die Knappheitssignale des Marktes weder marktkonform noch sei sie rechtssicher durchzusetzen. Da es keine Anhaltspunkte dafür gebe, dass hinter den Preissteigerungen Absprachen der Unternehmen stünden, seien auch kartellrechtliche Maßnahmen nicht hilfreich.

Mit Material von ifo-Institut, Destatis
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