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Produktion und Förderung

Initiative Tierwohl startet Anfang 2015

© Mühlhausen/landpixel
von , am
14.07.2014

Berlin - Die von der Wirtschaft getragene Initiative Tierwohl kann zum 1. Januar 2015 starten. Dann können sich erste Schweinezucht- und -mastbetriebe nach den Anforderungen auditieren lassen können.

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Wie der Deutsche Bauernverband (DBV) am vergangenen Donnerstag (10.7.) vor Journalisten in Berlin bekanntgab, einigten sich die Vertreter der Lebensmittelkette über Inhalt und Ablauf der Auditierung der schweinehaltenden Betriebe sowie über die Finanzierung und Abrechnung des Systems. Die abschließende Bewertung durch das Bundeskartellamt stehe zwar noch aus; die bisherigen Signale stimmten jedoch zuversichtlich, erklärte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Man habe von Anfang an offen und transparent gegenüber dem Kartellamt agiert.
 
Laut DBV sollen sich ab Beginn nächsten Jahres die ersten Schweinezucht- und -mastbetriebe nach den Anforderungen der Initiative auditieren lassen können. Neben einem Grundpaket, das unter anderem die Einordnung der Schlachtbefunddaten, ein Antibiotikamonitoring und eine Fensterfläche von mindestens 1,5 Prozent der Grundfläche umfasst, müssen verschiedene Wahlpflicht- und Wahlmaßnahmen erfüllt werden, um prämienberechtigt zu sein. Zu den möglichen Modulen gehören auch die Jungebermast und der Verzicht auf das Schwanzkupieren, letzteres allerdings nur versuchsweise mit fachlicher Begleitung.

Abrechnung quartalsweise

Die Entlohnung soll laut DBV quartalsweise über die Abrechnung der Schlachthöfe durch die Trägergesellschaft erfolgen, die sich bereits gegründet hat. Die Trägergesellschaft wird außerdem die Standards verwalten, die Clearingstelle installieren und die Kontrollen organisieren. Finanziert wird das System über eine Abgabe der teilnehmenden Lebensmittelketten. Für die ersten drei Jahre einigten sich die Beteiligten auf 4 Cent pro Kilogramm verkauftes Schweinefleisch beziehungsweise Wurstwaren, unabhängig davon ob der Erzeuger am Programm teilnimmt oder nicht. Unter anderem soll dadurch unterbunden werden, dass der Handel seine Teilnahme an der InitiativeTierwohl bewirbt, aber tatsächlich nur einen geringen Anteil dieser Produkte bezieht.
 
Der Einzelhandel will seine Beiträge monatlich auf Grundlage der Verkaufszahlen im jeweiligen Vormonat einzahlen. Ausgehend von den Verkaufszahlen der vergangenen Jahre könnten bis zu 65 Mio Euro jährlich zur Verfügung stehen. Letzte offene Fragen bei der Finanzierung sieht allerdings noch die Metro Group.
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Rund 6.800 Betriebe wahrscheinlich interressiert

Eine Auslobung der Teilnahme an der Initiative am einzelnen Produkt ist nicht vorgesehen. Der Kunde kann also nicht erkennen, ob die gekauften Erzeugnisse von einem teilnehmenden Betrieb stammen. Der Lebensmittelhandel kann aber mit seiner Unterstützung der Initiative werben. Bisher beteuerte der Handel laut DBV, dass er die Mehrkosten nicht an die Verbraucher weitergeben wolle, sondern als Investment verstehe. Krüsken geht davon aus, dass ein Viertel der Betriebe mit Schweinehaltung Interesse am Programm haben wird. Ausgehend von der amtlichen Statistik wären das rund 6.800 Tierhalter.
Über eine Ausweitung oder Weiterentwicklung der Teilnehmer und Audits wollen die Beteiligten nach den ersten drei Jahren entscheiden. Sollten mehr Betriebe teilnehmen wollen als der Finanzrahmen des Fonds hergibt, will der DBV eine Warteliste eröffnen. Parallel zu den Verhandlungen im Schweinebereich laufen laut Bauernverband die Gespräche mit der Geflügelwirtschaft weiter. Dass Prozedere soll hier leicht abgewandelt und an die Branchenverhältnisse angepasst werden. Möglicherweise kann auch hier die Initiative Tierwohl Anfang 2015 starten.
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