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Liquiditätsplanung

Insolvenz: So greifen Sie frühzeitig ein

am Donnerstag, 29.09.2016 - 13:00 (Jetzt kommentieren)

Etlichen Landwirtschaftsbetrieben fällt es derzeit schwer, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Einige mussten bereits Insolvenz anmelden. Eine frühzeitige Sanierung kann eine Insolvenz vorbeugen. Der agrarmanager erklärt, wie es funktioniert.

Sinkende Preise, technologischer Wandel, ein sich veränderndes Verbraucherverhalten, wachsende Konkurrenz, aber auch lenkende Eingriffe auf staatlicher oder europäischer Ebene führen dazu, dass immer mehr landwirtschaftliche Unternehmen Probleme haben, kostendeckend oder gar profitabel zu wirtschaften. Damit die Krise nicht zur Insolvenz führt, sollten Landwirte frühzeitig agieren. Wie, das hat der agrarmanager in seiner aktuellen Ausgabe September 2016 erklärt.

Das sind die Stadien einer Krise

Zur Bewältigung einer Krise ist ein unverzichtbarer erster Schritt das Erkennen einer Krise und die Identifizierung ihrer Ursachen. Erst danach kann man daran gehen, sie zu beseitigen. Ob eine Sanierung oder Restrukturierung des Unternehmens gelingt, ist jedoch von einer Vielzahl von Faktoren abhängig und erfordert ein hohes Maß an Engagement und Know-how.

Eine Krise besteht aus verschiedenen Stadien:

  1. Sie beginnt mit der sogenannten strategischen Krise. In diesem oft unerkannten Stadium kommt es regelmäßig vor, dass ein Unternehmen sein Geschäftsmodell nicht an die sich verändernden Gegebenheiten des Marktes anpasst. Die Umsätze kommen regelmäßig und es besteht gefühlt kein Bedarf für Veränderungen. Es fehlt dann an Innovation und Investition.
  2. Dies führt früher oder später zu einer Erfolgskrise, in der die Umsätze hinter den Erwartungen und Planungen zurückbleiben. Der Landwirtschaftsbetrieb zehrt in dieser Phase vorhandene Reserven auf.
  3. Wird keine Abhilfe geschaffen, führt diese Entwicklung schließlich zu einer Liquiditätskrise.

Folgen der Krise

Ganz egal, wie die Liquiditätskrise entsteht, die Folgen sind in der Regel gleich: Der Betrieb hat seine Reserven aufgebraucht und kann Verbindlichkeiten nur noch mit Mühe und schließlich gar nicht mehr begleichen. Können die Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden, spricht man von Zahlungsunfähigkeit.

Auch wenn private Landwirte im Gegensatz zu juristischen Personen nicht verpflichtet sind, einen Insolvenzantrag zu stellen, sollte die geregelte Entschuldung als Chance betrachtet werden, um über kurz oder lang einen Neustart zu ermöglichen.

Praxistipps bei drohender Insolvenz

  1. Früherkennung ist ein wichtiger Faktor. Je nach Größe  des Betriebs sollte ein geeignetes Controlling- und Frühwarnsystem errichtet werden. Jeder Geschäftsführer ist verpflichtet, die Kennzahlen stets im Blick zu haben. Dazu gehört insbesondere eine belastbare Planung der eigenen Liquiditätslage. Bei entsprechenden Anzeichen muss geprüft werden, ob eine Insolvenzreife vorliegt.
     
  2. Maßnahmen müssen individuell passgenau erarbeitet werden. Anhängig von der Situation des Betriebs können operative Maßnahmen erforderlich sein oder zugleich finanzielle oder rechtliche Fragen anstehen. Sollte die Luft bereits zu dünn sein, muss auch die richtige Vorgehensweise im Insolvenzfall ausgewählt und vorbereitet werden. Bei frühzeitiger Weichenstellung kann auch eine Insolvenz eine Chance sein.
     
  3. Haftung sollte man möglichst vermeiden. Wird im Vorfeld einer Insolvenz Vermögen verschoben, kann dies zur Haftung der handelnden Personen und zur späteren Insolvenzanfechtung führen. Auch für Zahlungen, die nach Eintritt der Insolvenzreife ausgeführt werden, kann ein Geschäftsführer persönlich haftbar gemacht werden. Eine Versicherung kann sinnvoll sein.
     

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