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EU-Agrarzahlungen

Interaktive Karte: Wer die EU-Agrarbeihilfen kassiert

Aussaat
am Donnerstag, 11.06.2020 - 05:05 (Jetzt kommentieren)

Eine Analyse der Empfängerdaten der EU-Agrarzahlungen zeigt: Viele Betriebe bekommen wenig. Ein paar Großempfänger sahnen ab.

Der flächengebundene Charakter der Beihilfen aus der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) löst immer wieder Diskussionen aus. Seit Jahren wird in der EU darum gestritten, ob die Flächenprämie degressiver gestaltet und ab einer bestimmten Summe zwangsläufig gekappt werden sollten. Das würde vor allem die großen Landwirtschaftsbetriebe im Osten Deutschlands treffen. Darum widersetzt sich die Bundesregierung in Brüssel einer solchen Regelung. Als Kompromiss gilt die verstärkte Förderung der ersten Hektare.

Schwierige Definition aktiver Landwirte

Landwirt im Kuhstall

Mit der anstehenden Reform der EU-Agrarpolitik wird die Debatte im zweiten Halbjahr wieder aufflammen. Auch die Forderung nach einer Begrenzung der EU-Agrarzahlungen auf aktive Landwirte wird wieder erhoben. In der laufenden Förderperiode scheiterte dies an einer praktikablen Definition zur Unterscheidung zwischen aktiv wirtschaftenden Landwirtschaftsbetrieben und beispielsweise Versuchsbetrieben der öffentlichen Hand oder von Unternehmen der vor- und nachgelagerten Sektoren.

BLE-Daten dokumentieren die strukturellen Unterschiede

Die Veröffentlichung der persönlichen Daten der Zahlungsempfänger für 2019 durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Ende Mai hat jedenfalls wieder gezeigt: die größten Empfänger von EU-Beihilfen aus den Agrarfonds sind Kommunen, öffentliche Einrichtungen und Erzeugerorganisationen.

Die Mittel kommen nicht unmittelbar landwirtschaftlichen Betrieben zugute, sondern dienen zum Beispiel dem Küsten- und Hochwasserschutz.

Agrarheute hat die Zahlen aus der BLE-Datenbank, auf Basis einer kompletten Abfrage durch den NDR, anonymisiert und nach Beihilfeklassen regional aggregiert. Die Analyse zeigt: ein Großteil der EU-Agrarzahlungen geht an eine sehr kleine Gruppe von Empfängern. Die allermeisten Betriebe erhalten pro Jahr deutlich weniger 25.000 Euro. Dabei lassen sich die bekannten strukturellen Unterschiede der Landwirtschaft zwischen Nord und Süd, Ost und West deutlich ablesen.

1 Prozent der Begünstigten vereinnahmt fast ein Viertel der Fördergelder

Bundesweit bezogen im vergangenen Jahr 2.922 Empfänger oder rund 1 Prozent aller Begünstigten mehr als 250.000 Euro aus den EU-Agrarfonds. Sie vereinnahmten zusammen rund 1,5 Mrd. Euro oder 23 Prozent der EU-Agrarzahlungen in Deutschland.

Knapp die Hälfte des deutschen Plafonds mussten sich hingegen die 90 Prozent der Beihilfeempfänger teilen, die weniger als 50.000 Euro erhielten. Bei 203.532 Empfängern der insgesamt 266.190 Begünstigten waren es sogar weniger als 25.000 Euro. Das heißt, grob gerundet entfiel auf drei Viertel der Betriebe nur ein Viertel des deutschen Plafonds von insgesamt 6,58 Mrd. Euro.

Im Osten deutlich mehr Betriebe in der Klasse über 250.000 Euro

Ackerland-Ostdeutschland-Brandenburg

Wertet man die Zahlungen und die Zahl der Betriebe in der BLE-Datenbank nach Postleitzahlbereichen aus, dokumentiert die Beihilfenverteilung die agrarstrukturellen Unterschiede deutlich.

In den Postleitzahlgebieten (PLZ-Gebieten) 0 und 1, was im Wesentlichen den ostdeutschen Bundesländern entspricht, erhalten im 0er-Bereich 7,4 Prozent und im 1er-Bereich 10,9 Prozent der Betriebe mehr als 250.000 Euro. Zum Vergleich: Im bundesweiten Mittel sind das nur 1 Prozent. Zugleich ist der Anteil der Empfänger mit weniger als 25.000 Euro in diesen PLZ-Gebieten mit 60 Prozent beziehungsweise 46 Prozent bundesweit am niedrigsten.

Im Nordwesten mehr Betriebe im Mittelfeld

Streuobstwiese Oberbayern

Das umgekehrte Bild zeichnen die Zahlen für die süddeutschen PLZ-Gebiete 7, 8 und 9. Im PLZ-Leitgebiet 8, also hauptsächlich der Südhälfte Bayerns, bezogen 86 Prozent der Empfänger weniger als 25.000 Euro aus den EU-Fördertöpfen. Nur 47 der etwas über 50.000 Betriebe in dieser Region bezogen mehr als 250.000 Euro Agrarzahlungen; das entspricht 0,09 Prozent der Betriebe. Ganz ähnlich ist das Bild in den PLZ-Gebieten 7 und 9, das heißt in Baden-Württemberg und dem nördlichen Bayern.

Im norddeutschen PLZ-Bereich 2 waren es 2019 hingegen zwei Drittel der Empfänger, die weniger als 25.000 Euro erhielten. Hier fällt der Anteil der Betriebe, die zwischen 25.000 und 50.000 Euro bezogen, mit 23 Prozent merklich höher aus als im Bundesdurchschnitt mit 14,4 Prozent. Auch die Beihilfeklasse 50.000 bis 100.000 Euro ist hier mit knapp 9 Prozent stärker vertreten als im Bundesmittel mit 5,7 Prozent.

Auf der interaktiven Karte haben wir die Beihilfeklassen, die Fördersummen und die Anteile an der Förderung sowie an der Zahl der Betriebe in der jeweiligen Beihilfeklasse nach PLZ-Gebieten angeordnet. Die Deutschlandzahlen finden Sie unter dem blau-weißen Stern in der Mitte. Ein Klick auf das Symbol öffnet das Vorschaufenster, ein zweiter Klick auf das Vorschaufenster die jeweilige Tabelle.

Verteilung der EU-Agrarzahlungen

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