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Produktion und Förderung

Internationale Spotmärkte: Harnstoff wieder billiger

von , am
13.08.2012

Harnstofff ist zur Zeit überraschend günstig: Denn durch die hohen Getreidpreise im Juli wäre eigentlich die Grundlage für eine Nachfragebelebung und damit höhere Preise gegeben.

© Mühlhausen/landpixel
Anders als zunächst erwartet bleibt jedoch die Nachfrage sowohl aus der südlichen Hemisphäre als auch auf der Nordhalbkugel relativ schwach. Dies hat ganz offensichtlich nicht nur saisonale Gründe (Ernte im Norden) sondern ist auch ein Ergebnis der Wetterextreme in den USA und an der Schwarzmeerregion und davon ausgehenden Wirkungen auf das Einkaufverhalten der Landwirte und Großhändler zu tun.

USA: Wachsende Lagerbestände

In den USA hat die Trockenheit offensichtlich zu einem deutlich geringeren Einsatz von Stickstoffdünger geführt als die Flächenexpansion bei Getreide erwarten ließ. Und auch der für die im Herbst anstehende Aussaat des Wintergetreides nötige Einkauf von Stickstoffdünger verläuft nach Händlerangaben äußerst schleppend.
 
Der Händler und Marktanalyst Profercy berichtete Anfang August über einen erwarteten Anstieg der US-Harnstoffbestände auf mehr als 1,1 Millionen Tonnen (Mio. t) bis zum Ende des dritten Quartals. Das wäre ein stärkerer Bestandsaufbau als zum bisherigen Rekord im dritten Quartal 2011. Neben der massiven Trockenheit auf den Feldern behindert natürlich auch der niedrige Wasserstand auf den großen Flüssen den Transport der Ware von den Verladehäfen in den Mittelwesten. Hinzu kommt die Unsicherheit der Farmer über die zu erwartenden Erträge und damit auch über die verfügbaren Erlöse.
 
Die Spotmarktpreise an den US-Importhäfen lagen Angang August bei 435 US-Dollar je Tonne (USD/t), nachdem der Harnstoff Mitte Juli wieder mehr als 460 USD/t gekostet hatte. Im US-Großhandel geben die Harnstoffpreise im Juli um rund 15 Prozent (%) nach.

Weltmarktpreise geben nach

Auch an den meisten anderen internationalen Handelsplätzen zeigt die Preistendenz nach unten. So rutschten die Preise am Schwarzmeerhafen in Yuzhny Anfang August unter 380 USD/t und waren damit deutlich niedriger als in der zweiten Julihälfte als die Notierungen zeitweise auf 420 USD/t angestiegen waren. Händler berichten zudem, dass brasilianische Einkäufer Anfang August am Schwarzen Meer eine größere Menge zur Lieferung im September für 370 USD/t geordert haben.
 
Die rückläufigen Preise bringen jedoch auch neue Einkäufer auf den Markt. Für Anfang September hat Pakistan jetzt einen Tender über 300.000 Tonnen (t) Harnstoff ausgeschrieben. Auch hier sind nach Ansicht von Händlern keine größeren Preissprünge zu erwarten.
 
Zusätzlich vergrößert wird das globale Angebot derzeit durch China. Das Reich der Mitte hat im Juli seine Exportaktivitäten wieder aufgenommen (reduzierte Ausfuhrzölle) und bietet geprillten Harnstoff für weniger als 400 USD/t an.

Deutsche Preise noch unverändert

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
An den deutschen Importhäfen hat sich der jüngste Rückgang der intentionalen Spotmarktpreise bislang nicht bemerkbar gemacht. Allerdings hatten die Großhandelspreise für Harnstoff in Deutschland bereist in der zweiten Junihälfte um rund 15 % nachgegebenen.
Ohnehin sind die Landwirte derzeit mit der Ente beschäftigt und dürften es angesichts der Entwicklung an den internationalen Märkten mit dem Einkauf oder mit Kontraktabschlüssen nicht so eilig haben. Anderseits agieren sowohl Händler als auch Landwirte wegen der starken Preisschwankungen der letzten Monate zunehmend vorsichtiger. Das zeigt sich nicht nur in Deutschland und Europa sondern auch in Südamerika und den USA.
 
Insbesondere die Großhändler lagern deutlich weniger (nicht verkaufte) Ware ein um ihr Preisrisiko zu minimieren. Ein größerer Nachfrageschub sorgt dann jedoch oftmals für große Preissprünge, so dass Landwirte einen Teil des nötigen Bedarfs über Vorkontrakte absichern sollten. Ob sich jedoch die zum Teil vom Handel angekündigten Preiserhöhungen durchsetzten lassen, ist angesichts der rückläufigen Weltmarkpreise fraglich - auch wenn die Getreidepreise hoch sind. Ähnlich wie in den USA, ist auch in Deutschland und Europa noch nicht klar, wie gut die Ernte und damit die Erlössituation eigentlich ist.
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