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+++ aktualisiert am 19.01.2024 +++

Investitionen der Landwirte brechen in Rekordtempo zusammen

Neubau eines Rinderstalls
Norbert Lehmann, agrarheute Redakteur
Norbert Lehmann, agrarheute
am Freitag, 19.01.2024 - 14:00

Die Landwirte in Deutschland haben die Investitionen in ihre Betriebe 2023 so stark zurückgefahren wie nie zuvor.

Es sind dramatische Zahlen, die das ganze Ausmaß der Verunsicherung auf den landwirtschaftlichen Betrieben offenlegen: Im vergangenen Jahr haben die deutschen Landwirte 19,4 Prozent weniger Förderkredite der Landwirtschaftlichen Rentenbank nachgefragt als 2022. 

Einen so starken Rückgang der Investitionsdarlehen hat das zentrale Förderinstitut der Agrar- und Ernährungswirtschaft nie zuvor registriert. 

Am Ende des Kalenderjahres verbuchte die Bank lediglich knapp 1,6 Milliarden Euro neuer Förderkredite in der Sparte „Landwirtschaft“. Ein Jahr zuvor waren es noch 2,0 Milliarden Euro gewesen. Das Kreditinstitut wird die bislang unveröffentlichten, nicht testierten Zahlen voraussichtlich Ende Januar vorstellen.

Toxischer Dreiklang hemmt die Investitionsbereitschaft der Landwirte

Banker führen den extremen Rückgang der landwirtschaftlichen Investitionen auf einen toxischen Dreiklang hemmender Faktoren zurück: Da sind zum einen die höheren Zinsen, zum anderen die Unsicherheit der Landwirte über die politischen Rahmenbedingungen und letztlich auch das Gefühl mangelnder gesellschaftlicher Wertschätzung für die Landwirtschaft. 

Die Sprecherin des Vorstands der Rentenbank, Nikola Steinbock, warnt: „Ich sehe noch keinen Investitionsstau, aber die nächsten zwei bis drei Jahre werden entscheidend. Wir dürfen die Zukunft der Landwirtschaft nicht aufs Spiel setzen“.

Einbruch der Kreditnachfrage für erneuerbare Energien

Auch die geförderten Investitionskredite für erneuerbare-Energien-Anlagen sind 2023 regelrecht eingebrochen. Die Rentenbank verzeichnete einen Rückgang der neu ausgegebenen Finanzierungen um 58 Prozent auf nur noch 849 Millionen Euro im Gegensatz zu 1,57 Milliarden Euro im Jahr zuvor. 

Vor allem die Nachfrage der Kommunen nach Fremdkapital für Infrastrukturmaßnahmen im ländlichen Raum führte zu einem Anstieg des Fördergeschäfts im Bereich „ländliche Entwicklung“ um 33,7 Prozent. In der Summe schrumpfte das Neugeschäft der Rentenbank um 13,6 Prozent auf 5,9  Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 6,9 Milliarden Euro.