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Produktion und Förderung

Investoren: Was bedeutet die Übernahme?

© landpixel
von , am
23.07.2013

Immer mehr nichtlandwirtschaftliche Investoren drängen in die Betriebe. Doch ist das wirklich so? Und was bedeutet der Einstieg eines Investors? Das Thünen-Institut hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt.

Ein Oberbau aus Holz und Dacheindeckung aus Faserzement-Wellplatten kostet pro Kubikmeter etwa 19 Euro. © vgk/landpixel
Das Thünen-Institut hat eine neue Studie vorgelegt. Darin geht es um Kaptialbeteiligungen nichtlandwirtschaftlicher und überregional ausgerichteter Investoren an landwirtschaftlichen Betrieben. Die Betriebe, auf die sich die Studie bezieht, sind als juristische Personen, sprich GmbHs oder Genossenschaften, organisiert. Eine Rechtsform, die sich vor allem in den neuen Bundesländern findet.
 
"Landwirtschaft ist nach wie vor ein sehr attraktives Investitionsziel", resümieren die Autoren der Studie, Andreas Tietz und Bernhard Forstner. "Investoren streben dabei vor allem Mehrheits­beteiligungen an Unternehmen oder Gesamtübernahmen an, um eine bestimmende Rolle ausüben zu können."

Selten: Gänzlich landwirtschaftsfremde Investoren

Investoren in den neuen Bundesländern kommen überwiegend aus Westdeutschland. Wenn sie sich an den Unternehmen beteiligen, tun sie dies in der Regel längerfristig und agieren gewinnorientiert.
 
Nachdem ein hohes Maß an Fachkompetenz und Ausdauer nötig ist, um auf dem risikobehafteten Gebiet der Landwirtschaft erfolgreich zu sein, sind gänzlich landwirtschaftsfremde Investoren selten. Das unterscheidet die Anteilskäufe von Bodenkäufen. Letzteres machen häufiger auch branchenfremde Investoren, die eine krisensichere Kaptialanlage suchen.
Eine einfache Abgrenzung nichtlandwirtschaftlicher Investoren war bei der Analyse kaum möglich. Immerhin 38 Prozent der ostdeutschen GmbHs sind im Allein- oder Mehrheitseigentum eines Investors mit nichtlandwirtschaftlichen Kapitalverflechtungen, während Minderheits­beteiligungen durch solche Investoren kaum eine Rolle spielen. Etwa die Hälfte der Agrar-GmbHs ist im Eigentum von ortsansässigen Familien. Aber auch rein landwirtschaftliche Unternehmen bilden mittlerweile überregionale Firmengeflechte von teils beträchtlichem Ausmaß.

Anteil der Investoren nimmt langsam aber stetig zu

Der Anteilserwerb durch nichtlandwirtschaftliche Investoren ist kein neues Phänomen, und auch in den letzten Jahren ist keine wesentliche Beschleunigung dieser Entwicklung zu beobachten. Dennoch nimmt der Anteil der Betriebe in der Hand externer Investoren - absolut gesehen - langsam und stetig zu.  

Zwei Gründe für den Investor: Kapitalbedarf und Generationenwechsel

Bei der Studie führten Betriebe vor allem zwei Motive an, um sich zugunsten eines Investors zu öffnen: Zum einen ein hoher Kapitalbedarf, etwa als Folge wirtschaftlicher Schwäche, um größere Investitionen tätigen zu können oder um ausscheidende Gesellschafter abzufinden.
 
Häufiger ist allerdings der Generationswechsel in der Führungsebene. Wenn qualifizierter Nachwuchs fehlt, eine innerfamiliäre Nachfolge ausgeschlossen ist und unter den verbleibenden Gesellschaftern niemand die erforderliche Abfindung zahlen kann, ist der Verkauf an einen externen Investor oft die einzige Option.

Keine eindeutig positiven oder negativen Effekte

Die Thünen-Experten konnten bei Anteilskäufen oder Übernahmen ganzer Unternehmen keine eindeutigen positiven oder negativen Effekte feststellen. 
 
Das übernommene Unternehmen selbst profitiere häufig vom Einstig eines Investors, da seine Wettbewerbsfähigkeit zunimmt. Denn die betriebliche Organisation werde tendenziell verschlankt, weniger rentable Betriebszweige werden abgebaut. Teils findet ein Beschäftigungsabbau statt, andererseits bestünden aber auch Chancen auf sicherere und besser entlohnte Arbeitsplätze.

Bodenpreise steigen tendenziell

Die Auswirkungen auf den Bodenmarkt schätzt das Thünen-Institut überwiegend als preiserhöhend ein, was die ansässigen Landwirte angesichts der anhaltend steigenden Preise kritisch beurteilen.
Hinsichtlich der Wirkungen auf die regionale Wertschöpfung gibt es sehr unterschiedliche Einschätzungen: Einerseits werden Investitionen, steigende Löhne, Pacht- und Kaufpreiszahlungen als positive Aspekte angeführt, andererseits fließen - vor allem bei überregional aktiven und regionsfremden Investoren - Unternehmensgewinne häufig aus der Region ab. Ob der Investor über das Unternehmen hinaus auch in das regionale Umfeld investiert, hängt stark vom Einzelfall ab. 

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