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Klimwandel und CO2-Preis

Klimawandel: Der CO2-Preis ist der Schlüssel

CO2 Steuer
am Freitag, 20.09.2019 - 13:05 (Jetzt kommentieren)

Eins scheint klar: Der richtige CO2-Preis ist der Schlüssel zu allen Klima-Reformen.

Aber: Die Bandbreite die Forderungen und Vorschläge ist riesig. Auch in der Wissenschaft und erst recht in der Politik. Außerdem geht es noch darum, ob es nun eine CO2-Steuer sein soll - oder ein Zertifikaten-Handel.

Beides gibt es schon. Den Zertifikaten-Handel gibt es für Teile der Industrie. Und eine CO2-Steuer wird in etlichen europäischen Ländern schon erhoben. Aber auch hier sind die Preisunterschiede gewaltig.

Die Frage lautet also: Gibt es eine fairen und wissenschaftlich begründenden CO2-Preis?

Stern-Report war der Urknall

Ökonom Nicholas Stern hatte bereits vor über zehn Jahren im 600-Seitigen sogenannten Stern-Report erstmals die Folgen der globalen Erderwärmung durchgerechnet. Zusammen mit dem Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat er dann 2017 im Auftrag der Weltbank im Rahmen der "High-Level Commission on Carbon Price“ ein Konzept vorgelegt.

Bestandteil des Konzepts ist ein Preismodell, das wirkliche Anreize setzen soll, um den CO2-Austoss zu senken und – um in erneuerbare Energien zu investieren. Dafür haben die beiden Wissenschaftler ganz konkret berechnet, wie hoch der Preis für Kohlendioxid sein müsste, um auch die globalen Klimaschutzziele aus dem Pariser Klima-Abkommen erreichen zu können.

Stern und Stiglitz schlagen folgendes vor: Der CO2-Preis muss sich innerhalb einer festgelegten Preisspanne bewegen, um effektiv zu wirken. Bis 2020 soll diese Spanne zwischen 40 bis 80 US-Dollar (36 Euro bis 72 Euro) pro Tonne liegen. Bis 2030 sollen die Preise dann schrittweise auf 50 bis 100 US-Dollar (45 Euro bis 90 Euro) steigen. Damit würden Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien attraktiver, erläutert Stern das Konzept.

UBA ermittelt sehr hohe Kosten

CO2 Steuer

Zu ganz anderen Ergebnissen kommt das deutsche Bundesumweltamt. Allerdings wird hier die langfristige Wirkung von CO2-Schäden untersucht. Wir müssen dahin kommen, dass die Preise unserer Produkte die ökologische Wahrheit sagen", sagt Astrid Matthey vom Umweltbundesamt (UBA) zur CO2-Bepreisung. Eine Tonne CO2 verursacht nach UBA-Berechnungen Schäden von rund 640 Euro in den nächsten 100 Jahren.

"Mit dem Kostensatz von 640 Euro je Tonne CO2 werden die Schäden, die zukünftigen Generationen entstehen, genauso gewichtet wie die, die der heutigen Generation entstehen",  erläutert UBA-Expertin Matthey den hohen Preis.

Werden diese Kosten auf Verkehrsträger umgelegt, so hinterlässt heute laut UBA ein Kurzstreckenflug von 1000 Kilometer pro Passagier Umweltschäden von rund 235 Euro, ein Reisebus dagegen nur 26 Euro und ein elektrisch betriebener Zug in Deutschland rund 46 Euro. Die Fahrt mit dem PKW verursacht langfristige Umweltschäden von 193 Euro mit einem Diesel-PKW, 189 Euro mit einem Benziner und 152 Euro mit einem Elektro-PKW, wenn der derzeitige deutsche Strommix zugrunde gelegt wird. 

Das UBA empfiehlt bei der Ermittlung der Schäden allerdings einen reduzierten Kostensatz von 180 Euro pro Tonne CO2, der die Schäden in der Zukunft geringer gewichtet als heutige Schäden, so Matthey. Diesen Preis fordert auch die Fridays-for-Future-Bewegung.

Andere Länder andere CO2-Preise

CO2 European Emission Allowances

Der Preis für die an der Terminbörse EEX gehandelten CO2-Zertifikate liegt aktuell bei knapp 26 Euro je t. Das erscheint vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte relativ wenig, ist jedoch mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Der vom Klimakabinett diskutierte CO2-Preis, lag der zuletzt bei 35 Euro je Tonnen und damit deutlich höher.

Umweltministerin Svenja Schulze hatte zu Beginn der Debatt (im Sommer) zunächst eine Preis von 20 Euro pro Tonne vorgeschlagen, dürft jetzt aber deutlich höher rangehen. Die Grünen wollen bislang einen Preis von mindestens 40 Euro einführen. Die „Fridays for Future“ Bewegung fordert auf der Grundlage der UBA-Berechnungen einen Preis von 180 Euro pro Tonne CO2.

Frankreich und die Schweden haben bereits eine CO2-Steuer. In Schweden kostet eine Tonne CO2 immerhin 115 Euro. Dafür wurden jedoch andere Steuern abgeschafft. In Frankreich müssen Bürger und Unternehmer für Benzin, Diesel und Heizöl ebenfalls eine CO2 Steuer zahlen. Im vorigen Jahr lag der Betrag für eine Tonne CO2 bei knapp 45 Euro. Dieses Jahr sollte die Steuer auf 55 Euro angehoben werden. Wegen der Gelbwesten-Proteste wurde die Erhöhung für 2019 jedoch ausgesetzt.

Auch in Irland, dem Vereinigten Königreich, in Norwegen, dem Baltikum und sogar in Polen gibt es eine CO2-Steuer. In Polen liegt dieser allerdings nur bei sieben Cent.

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