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Produktion und Förderung

Der Klimawandel verändert den Ackerbau

von , am
28.03.2012

Der Klimawandel mit seinen Extremwetterereignissen fordert ein Umdenken. Für sichere Erträge bedarf es zukünftig Anpassungsmaßnahmen im Ackerbau an die veränderten Witterungsbedingungen.

 
 
Starkregen, Trockenheit, Hitze - extreme Wetterereignisse stellen Ackerbauern vor immer neue Herausforderungen. Vor dem Hintergrund des Klimawandels stand die diesjährige Tagung des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) unter dem Thema "Management der Ressource Wasser". Ein wesentlicher Fokus lag auf ackerbaulichen Maßnahmen im Umgang mit dem klimabedingten Wassermangel und Wasserüberschuss. Referenten aus Wissenschaft und Praxis stellten zukunftsweisende Lösungsansätze vor wie beispielsweise eine Anpassung des Fruchtfolgemanagements.

Fruchtfolge als Maßnahme

Der Referent Prof. Dr. Schäfer von der Fachhochschule Südwestfalen sieht in der Anpassung der Fruchtfolge eine geeignete Maßnahme den veränderten Klimabedingungen zu begegnen. Ob viel oder wenig Wasser - die Kulturen unterscheiden sich artbedingt in ihren Wasserbedürfnissen. Auch der Zeitpunkt - sprich die Entwicklungsphase - spielt eine entscheidenden Rolle, ob eine Pflanze extremes Wetter übersteht.
 
Während das trockene Frühjahr 2011 die Rapsernte negativ beeinflusste, brachte der Mais überdurchschnittliche Erträge. Das könne laut Schäfer daran liegen, dass der Raps von der Trockenheit in seiner entscheidenden Entwicklungsphase geschädigt wurde, während die Sommerkulturen von den trockenen Bestellbedingungen profitierten.

Chancen des Klimawandels

Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Dauer der Vegetationsperiode um etwa acht Tage pro zehn Jahre in Zukunft verlängern wird. Von der längeren Wachstumszeit können die Kulturen profitieren. Mildere Winter ermöglichen außerdem den Anbau von weniger frostharten Sorten wie Hafer oder Zuckerrübe. Durch die bessere Ausnutzung der Winterfeuchte sind bei Wintersorten stabilere Erträge zu erwarten.
 
Untersuchungen der letzten 20 Jahren haben gezeigt, dass Zuckerrüben und Winterweizen im Durchschnitt die höchste, Raps und Winterroggen die geringste Ertragsstabilität aufweisen. Mit einer prinzipiell höheren Kulturartenvielfalt könne der Landwirt das Risiko eines Ernteausfalls durch extreme Witterung verringern, so der Referent Schäfer.

Die Saatstärke erhöhen

Herrscht ein Wassermangel bei sand- und tonhaltigen Böden, sollte der Landwirt die Saatstärke erhöhen, so der Referent Detlef Dölger von der Hanse Agro Beratung und Entwicklung. Auch bei Spätsaaten empfiehlt er eine erhöhte Saatstärke, da sich eine Wasserknappheit im Frühjahr auf Spätsaaten mit schwacher Wurzelentwicklung stärker auswirkt. Außerdem sei bei Trockenheit und hohen Temperaturen eine geschlossene Bestandsdichte essentiell. Weiterhin sei darauf zu achten, dass der Getreidebestand rechtzeitig schließt, bevor Trockenheit und Hitze zur Ausdünnung führen.

Die Düngungsstrategie anpassen

Die veränderten Klimabedingungen erfordern auch eine Anpassung der Düngungsstrategie. Ist der April sehr trocken, besteht die Gefahr, dass die zweite Stickstoffdüngung sich nicht löst und zu Ausdünnung führt. Der Bauer hat die Möglichkeit die Stickstoffdüngung vorzuziehen, allerdings besteht damit das Risiko einer Auswaschung bei feuchter Witterung.
 
Laut Dölger, spielt die Stickstoffform eine bedeutende Rolle: langsam wirkende Formen haben bei leicht erwärmenden Standorten und gut etablierten Beständen Vorteile. Bei Formen mit chemischen Nitrifikationshemmern wie Alzon können die ersten beiden Stickstoffgaben zusammengefasst werden und die Auswaschungsgefahr sinkt.
 
Generell empfiehlt Dölger für häufig trockenfallende Standorte eine höhere Versorgung mit Grundnährstoffen, damit die Pflanze bei einsetzender Feuchte konzentriert versorgt wird.
 

Grünlandnutzung unter geänderten Klimabedingungen

 
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