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Produktion und Förderung

Kommentar/Gutachten Tierhaltung: Fronten ohne Not verhärtet

von , am
30.03.2015

Als 'nicht zukunftsfähig' hat der Wissenschaftliche Beirat vergangene Woche die heutige Form der Tierhaltung beschrieben. Detlef Steinert, Chefredakteur des dlz agrarmagazins, schildert seine Sicht auf die Dinge.

Detlef Steinert, Chefredakteur des dlz agrarmagazins © dlv
Das Gutachten, das der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik vor wenigen Tagen vorgelegt hat, hat ganz unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Viele Praktiker und berufsständische Vertreter sehen darin eine Verurteilung dessen, was für sie Stand des Wissens und damit guter fachlicher Praxis in der Tierhaltung ist und sie damit als legitim ansehen.
 
Andere, vor allem die Kritiker moderner Tierhaltungsverfahren, fühlen sich bestätigt. Tatsächlich muss man das Gutachten differenzierter betrachten und darf es nicht auf die wenige Seiten umfassende Zusammenfassung reduzieren.

'Erhebliche Defizite' bringen Tierhalter auf die Palme

Die bereits zum Einstieg verwendete Formulierung "erhebliche Defizite" bringt Nutztierhalter auf die Palme. Sie transportiert bei unbedarften Lesern ein vernichtendes Urteil über ihre tägliche Arbeit. Entsprechend genüsslich haben Publikumsmedien und Aktivistenkreise sie aufgegriffen.
 
Schade eigentlich, dass so ohne Not bestehende Fronten verhärtet werden. Bei den einen, da sie sich in dem bestätigt fühlen, was sie schon immer gesagt haben: Dass das so nicht weiter gehen könne. Bei den anderen - den Tierhaltern -, weil sie ihre Arbeit und vor allem das nicht gewürdigt sehen, was sie selbst in den vergangenen Jahren mit viel Energie schon in die Wege geleitet haben, um den gesellschaftlichen Ansprüchen mehr gerecht zu werden.

Damit wird eine Grundthese - und in meinen Augen auch eine Zielsetzung - des wissenschaftlichen Beirates konterkariert: Den Dialog zwischen Gesellschaft und Betroffenen zu befördern.

Auch Balsam für die Seeler der Tierhalter im Gutachten

Unbeschadet der aus berufsständischer Sicht durchaus diskussionswürdigen Empfehlungen zu zukunftsfähigen Haltungssystemen, steckt in dem Gutachten weit mehr. Man muss allerdings die Mühe aufwenden, um auf den über 300 Seiten den Balsam für die Seele der Tierhalter herauszuschälen.
 
Etwa die Bestätigung für die Brancheninitiative Tierwohl und die klaren Worte für Positionen des Berufsstandes bezüglich der mangelnden Finanzausstattung. Oder die Deutlichkeit, mit der der Beirat der Vereinfachung "große Tierbestände gleich schlecht für Umwelt- und Tierschutz" eine Abfuhr erteilt. Oder dem Verweis auf die Verantwortung anderer Wirtschaftsbeteiligter nicht nur hinsichtlich gesellschaftlicher Anforderungen, sondern auch gegenüber ihrer Wirtschaftspartner, den Landwirten.
 
Nicht zuletzt dem Bekenntnis dazu, dass Deutschland aus Sicht der beteiligten Wissenschaftler weiter ein Standort für die Nutztierhaltung bleiben soll.

Wunschbilder gerade rücken

Die Autoren des Gutachtens plädieren selbst dafür, die Zukunftsfähigkeit der Tierhaltung auch durch den Austausch zwischen Gesellschaft und Tierhaltern herzustellen. Mit einer Verhärtung der Fronten auf beiden Seiten wird das nicht gelingen. Deswegen liegt es besonders an den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirates, aber auch aller anderen Agrar-Wissenschaftler, sich mit ihrer Expertise in die Diskussion einzuschalten und eben auch selbst Verantwortung zu übernehmen, wenn es darum geht weder wissenschaftlich noch ethisch begründbare Wunschbilder der Gesellschaft gerade zu rücken.
 
So verstehe ich auch Prof. Spiller, der an dem Gutachten mitgeschrieben hat und in dem Interview mit dem dlz agrarmagazin ausführt, es sei ein wichtiger Schritt, dass auch die Gesellschaft lernt und er die Wissenschaft hier in der Verantwortung sieht. 

Schweinemast: 10 Tipps für mehr Tierwohl im Stall

Tipp 1: Großgruppen bieten folgende Vorteile: Der Platz pro Tier ist derselbe wie in Kleingruppen, aber jedes einzelne Schwein hat mehr Raum zur Verfügung, um sich frei zu bewegen. © Hungerkamp
Tipp 2: Ein automatisches Filterverfahren kann helfen, die Luft im Stall frisch zu halten. Lüftungsklappen sorgen für frische Luft und ein optimales Stallklima. © Hungerkamp
Tipp 3: Für einen komfortablen Boden sind Kunststoff-Elemente, die eine hygienische Oberfläche besitzen eine Lösung. Sie sollen robust und leicht zu reinigen sein. © Hungerkamp
Tipp 4: Kleine Mengen an Sonnenblumenkernhülsenkönnen als Einstreu verwendet werden. Die Mastschweine spielen, suhlen und liegen in der Einstreu. © Hungerkamp
Tipp 5: Je nach Lebendgewicht trinken die Mastschweine täglich 3 bis 10 Liter Wasser. Um die Zufuhr sicher zu gewährleisten, sollen genügend Tränken im Stall verteilt sein. © Hungerkamp
Tipp 6: Schweine sind neugierige Tiere und beschäftigen sich gerne. Zur Beschäftigung können bewegliche und veränderbare Materialien im Stall aufgehängt werden. © Hungerkamp
Tipp 7: Eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit bietet das Raufutter - am besten Heu. Zirka 90 Prozent davon wird von den Schweinen aufgefressen. © Hungerkamp
Tipp 8: Eine Schweinedusche im Stall kann zum Abkühlen oder einfach zum Spielen dienen. Die Schweine lassen sich gerne besprühen. © Hungerkamp
Tipp 9: Ein einfacher Holzstamm kann den Schweinen als Scheuerbalken dienen. Die Schweine nagen sehr gerne am Holz, vor allem,wenn noch Rinde vorhanden ist. © Hungerkamp
Tipp 10: Eine Bade- und Suhlmöglichkeit im Stall weckt und befriedigt die neugier der Schweine. Die Schweine baden, spielen und suhlen sich sehr gerne in einer Wanne. © Hungerkamp
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