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Getreide

Das kostet die Lagerhaltung

Dr. Mathias Schindler/LWK Niedersachsen/BLW/bes
am
10.06.2016

Wer sein Getreide gezielt vermarkten will, benötigt ein eigenes Getreidelager. Welche zusätzlichen Kosten auf Sie zukommen, erfahren Sie hier.

Bei der Ermittlung der durch die Getreidelagerung entstehenden Kosten hilft eine Strukturierung in verschiedene Kostenbereiche. Dabei sind fünf verschiedene Kostenbereiche in zwei Kostengruppen abgrenzbar. Das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt hat diese in seiner Ausgabe 14/2016 aufgelistet.

1. Kosten Getreidelager

  • Die festen Kosten des Lagers selbst: Abschreibung, Zinsanspruch und Unterhaltung.
  • Die variablen Betriebskosten während der Lagerung.

Diese Unterteilung ist sinnvoll, da bestimmte feste Kosten erst anfallen, wenn das Lager erst einmal geschaffen wurde, unabhängig von der Lagerung. Im Gegensatz dazu fallen andere Kosten erst an, wenn das Lager auch genutzt wird.

Konkret sind es folgende Kosten:

  • Für eine Lagermöglichkeit von etwa 2.000 Tonnen ergibt sich ein spezifischer Investitionsbedarf von 148€/t  Lagerkapazität.
  • Bei einer Nutzungsdauer von 25 Jahren für das Lager und 12,5 Jahren für die technische Ausstattung ergeben sich jährliche Festkosten von 23.242 Euro beziehungsweise 11,53€/t/Jahr.
  • Von den Festkosten entfallen 61,3% (14.240€/Jahr) auf die Abschreibung.
  • Etwa 24,8% (5.772€/Jahr)  werden durch die Zinskosten der Annuitätenfinanzierung verursacht.
  • Weitere 10,9% (2,540€/Jahr) entstehen durch Unterhaltung.
  • 3% (690€/Jahr) kostet die Versicherung.

2. Kosten Getreide

  • Die Kosten des Handlings: Ein- und Auslagerung, Transport und Trocknung
  • Die Zinsverluste aufgrund der späteren Verkaufs- und Zahlungstermine.
  • Die Kosten der Substanzverluste: Schwund durch Reinigung, Trocknung Lagerung.

Die Positionen der Getreidekosten sind an das Produkt Getreide gekoppelt und durch die Vorfinanzierung des Erlöses vom Getreidepreis abhängig.

Fazit

  • Für die Lagerung sind Vollkosten von rund 15,50 bis 17,20 €/t bei vier bis sechs Monaten Lagerungsdauer im ungeförderten Getreidelager anzusetzen.
  • Weil die Rechnung langfristig nur knapp nicht aufging, sollten alle Erzeuger mit vorhandenen Lagern das Verfahren "Lagerung" weiter betreiben, da die variablen Kosten klar gedeckt sind.
  • Selbst ohne Vollkostendeckung ist dies die Verlust minimierende Handlungsstrategie, weil so die aktuell unbeeinflussbaren Festkosten wenigstens zum Großteil gedeckt werden können.
  • Hoffnung gibt aber, dass zumindest in den letzten zehn Jahren bei geschickter Vermarktung auch mit ungeförderten Getreidelagern Geld verdient werden konnte.
     
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