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Steuer und Finanzen

Kreditvergabe: Was die Bank darf und was nicht

von , am
21.09.2015

Wer einen Kredit haben möchte, muss sich quasi einmal nackig machen. Wichtig: In die Vermögensübersicht gehören nur betriebliche Werte und nicht das persönliche Vermögen von Familienangehörigen.

Ab sofort können Liquiditätssicherungsdarlehen bei der Hausbank beantragt werden. © Mühlhausen/landpixel
Die Zeiten haben sich geändert. Seit der Finanzkrise ist viel Vertrauen in die Banken verloren gegangen. Allerdings haben auch die  Banken ein erhöhtes Sicherheitbedürfnis und landwirtschaftliche Unternehmen scheinen gerade in Krisenzeiten nicht die bevorzugten Kunden für eine Kreditvergabe zu sein. Wer heute einen Kredit braucht, muss nach wie vor seine wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegen, jedoch darf die Bank nicht alles einfordern.
 
Finanzberater Michael Vetter beschreibt in der Zeitschrift traction anhand eines Beispiels aus der Praxis, was in die Vermögensoffenlegung gehört und was nicht.

Vermögensübersicht: Das gehört dazu

Landwirt Joachim A. will einen Sattelschlepper und zwei Traktoren über die Hausbank finanzieren. Kurz nach seiner Anfrage erhält A. im Gegensatz zu bisherigen Finanzierungsvoranfragen ein Schreiben seiner Hausbank. Diesem ist ein Formular "Vermögensübersicht beigelegt, das er "sorgfältig vervollständigen" soll, bevor man sich mit seinem "Finanzierungswunsch näher befassen könne". Das muss eine Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse eines Landwirts vor und während einer Kreditvergabe beinhalten:


Familienvermögen bleibt außen vor

Sollte die Bank sich auch für das Vermögen von Familienangehörigen interessieren, kann die Auskunft verweigert werden. Im speziellen Fall von Landwirt Joachim A. sind weder seine Frau noch seine Kinder in irgendeiner Form am Betrieb oder an den damit verbundenen Krediten beteiligt. Die persönliche Haftung sowie die Grundpfandrechte beziehen sich ausschließlich auf A. selbst und auf den Betrieb, sodass er keinerlei Grund sieht, seiner Bank diese Dinge zu offenbaren. Zustimmung gab es auch vom Steuerberater.

Kreditwesengesetz: Grundlage der Kunde-Bank-Verbindung

Das Kreditwesengesetz gilt als sprichwörtliches "Grundgesetz" des Bankgeschäfts. Neben aufsichtsrechtlichen Bestimmungen wird dort auch zur Offenlegungspflicht der wirtschaftlichen Verhältnisse von Kreditnehmern Stellung genommen. Obwohl eine grundsätzliche Offenlegungspflicht naturgemäß sinnvoll ist, bestehen durchaus Grenzen in deren Umfang. Dies gilt vor allem dann, wenn wie im dargestellten Fall an Krediten unbeteiligte Personen ebenso wie der eigentliche Kreditnehmer zu Informationen etwa über ihre Vermögensverhältnisse aufgefordert werden. Hier sollte zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Bankinstitut mit der Bitte um konkrete Darlegung der Gründe für diesen erweiterten Informationsbedarf stattfinden.
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