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Produktion und Förderung

Kritik am QS-System: Betrug leicht gemacht?

© Mühlhausen/landpixel
von , am
28.03.2013

Aktuelle kritische Berichte des Bayerischen Rundfunks stellen das QS-Prüfzeichen in Frage und werfen der QS-GmbH laxe Kontrollen und mangelnde Qualitätssicherung vor.

Erstmals müssen sich Manager eines Futtermittelherstellers im Zusammenhang mit dem Dioxin-Skandal vor zwei Jahren vor Gericht verantworten. © Mühlhausen/landpixel
In seiner aktuellen Berichterstattung stellt der Bayerische Rundfunk (BR) die Glaubwürdigkeit des QS-Prüfzeichens in Frage. Im Fokus der Kritik steht die Prüf-Methode des privatwirtschaftlichen Zertifizierungsunternehmens. Der Vorwurf: Die Lebensmittelindustrie kontrolliere und zertifiziere sich selbst. Im Beitrag demonstiert ein Futtermittelhersteller einen möglichen Betrug, "Wenn ich betrügen will, dann kann ich es", sagt der Erzeuger Joseph Vilsmaier im BR-Bericht kontovers.
 
Außerdem berichten einige Landwirte von QS-zertifizierten Futtermittellieferungen mit 'minderer Qualität' und ein LKW-Fahrer sagt aus, dass er für das Unternehmen verschimmelten Körnermais mit toten Ratten ungesehen in Silos abgefüllt habe. Es gebe, so weiter der Vorwurf, keine unangemeldeten Kontrollen. Was ist dran an den Vorwürfen?
 
 

Hersteller machen Eigenkontrollen

Laut BR-Berichterstattung sind einige Landwirte aufgrund mangelnder Futtermittelqualität aus dem QS-System ausgestiegen. Schuld sei das laxe Kontrollsystem. Die Kritik der Landwirte in den BR-Berichten QS-Futter habe ‚mindere Qualität‘ bezeichnet die QS-GmbH als unsachgemäß. "Es gibt auch bei mit dem QS-Zeichen ausgezeichneten Produkten Qualitätsunterschiede", heißt es in der Stellungnahme.
 
Fakt ist, dass die QS-Hersteller und Betriebe die verpflichtenden regelmäßigen Futtermittelproben selbst durchführen und an das Labor geben. Damit ist die Prüfung im ersten Schritt eine Vertrauenssache. Eine Garantie, dass der Hersteller dabei nicht betrügt, gibt es zwar nicht. Jedoch werden auch Eingangskontrollen beim Mischfutterhersteller vorgenommen. Diese weitere Kontrollebene soll Betrug entgegenwirken, so die QS-GmbH.
 

Unangekündigte Kontrollen werden angemeldet

Weiterhin bestätigten in dem BR-Beitrag Landwirte den Verdacht, es gäbe keine unangemeldeten Kontrollen. QS dazu: "Unangemeldete Kontrollen im QS-System wurden in Verdachtsfällen oder bei den systemeigenen, unangekündigten Stichprobenaudits auch bisher schon durchgeführt." Im letzten Jahr seien dies annähernd 1.500 zusätzliche unangekündigte Audits gewesen. Die Kontrollen werden durch staatlich zugelassene Prüfer, sogenannten QS-Auditoren, eines unabhängigen Zertifizierungsunternehmen durchgeführt.
 
Diese amtlichen Kontrolleure prüfen auch, ob die Hersteller ihre Eigenkontrollen korrekt durchführen. Der Vorwurf, es gebe keine unangekündigten Untersuchungen, dementierte das Unternehmen gegenüber agrarheute.com. Allerdings würden sogenannten "unangekündigten" Kontrollen 24 Stunden vorher beim Erzeuger angemeldet.
 
Mit dieser Aussage verstrickt sich das Unternehmen jedoch etwas in Widersprüchlichkeit, denn das hieße faktisch, es gäbe tatsächlich keine unangemeldeten Kontrollen.
 
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