Login
Produktion und Förderung

KTBL-Tage: Zukunftsorientiertes Bauen für die Tierhaltung

von , am
13.04.2011

Münster/Westfalen - Beim Bau von Stallanlagen setzen Landwirte auf den technischen Fortschritt. Antworten, wie zukunftsorientiertes Bauen aussieht, erhielten Landwirte auf den KTBL-Tagen.

250 Teilnehmern besuchten die Veranstaltung des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL). "Früher richteten sich die Fragen der Verbraucher nach der Produktqualität landwirtschaftlicher Erzeugnisse, heute zeigen mehr Fragen das Interesse an der Art der Produktion", unterstrich Prof. Dr. Thomas Jungbluth, Präsident des KTBL, die Aktualität der Tagung.
 
Clemens Neumann vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Bonn unterstützte die Aussage und betonte in seinem Grußwort die Bedeutung von Wissenschaft und Wirtschaft für die deutsche Tierhaltung. So wird "die steigende Nachfrage dazu beitragen, dass die Tierhaltung weiter wachsen wird, aber Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz gewährt werden müssen".

Landwirtschaftliches Bauen - ein Markt mit Potenzialen

Der Verbraucher wird zunehmend in wichtige landwirtschaftliche Entscheidungen mit einbezogen. So referierte Prof. Dr. Bernd Hallier vom EHI Retail Institute in Köln über die Veränderungen in den Beziehungen zwischen Vorstufen, Handel und Konsumenten. Nach der Ablösung der Tante-Emma-Läden durch große, anonymisierte Warenhäuser gewinnt in jüngster Vergangenheit das Internet weiter an Bedeutung. So können Youtube, twitter und Co. aktueller und schneller informieren als offizielle Medien. Bisherige direkte Beziehungen zwischen Vorstufen und Handel werden durch die dreidimensionale Beziehung zwischen Vorstufen, Handel und Verbraucher abgelöst.
 
Lebensmittelsicherheit, Tierschutz und Wohlergehen der Tiere sind wichtige Marktanforderungen an die landwirtschaftliche Produktion, über deren praktische Umsetzung Dr. Gereon Schulze Althoff von der VION Food Group in Düsseldorf berichtete. Zukunftsfähige Bauten lassen sich nur mit den nötigen liquiden Mitteln verwirklichen. Das landwirtschaftliche Bauvorhaben nach wie vor ein attraktiver Markt für Banken sind, davon überzeugte Dr. Wulf-Dietmar Storm von der Deutschen Kreditbank AG aus Berlin. Eine offene Kommunikation zwischen Landwirt und der Bank ist dabei die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit vor, während und nach Realisierung der Maßnahme. 

Die Suche nach dem richtigen Standort

Wo liegen die Aufgaben und Möglichkeiten der Bauleitplanung und welche Auflagen gilt es beim privilegierten Bauen in der Landwirtschaft zu beachten? Eine Analyse planungsrechtlicher Steuerungsinstrumente für die Auswahl von Standorten für Tierhaltungsanlagen bot Prof. Dr. Wilhelm Söfker aus Bonn. Bei den laut Baugesetzbuch (BauGB) privilegiert zulässigen Vorhaben können Fragen zur städtebaulichen Entwicklungen im Außenbereich auftreten, wenn Stallbauten ohne vorherige Abstimmung mit den anliegenden Gemeinden und deren Bauleitplanung errichtet werden.
 
Nähere Ausführungen zur Entwicklung und Erschließung zukunftsträchtiger Standorte erläuterte Jürgen Baier von der Landgesellschaft Mecklenburg- Vorpommern mbH aus Leezen. Aufgrund wachsender Bestandsgrößen bei neuen Stallbauten werden immer häufiger Genehmigungen nach Bundesimmissionsschutzgesetz und Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz erforderlich. Außerdem sei mit schwierigen Rahmenbedingungen wie der häufig gegebenen Stadtnähe oder vorhandenen Stallbauten zu rechnen. Wie ratsuchenden Landwirten geholfen werden kann, stellte Baier anhand der wichtigsten Schritte im Bauvorhaben vor, von der Entwicklung eines geeigneten Standortes bis zur Vorbereitung des Genehmigungsverfahrens.
 
Die gesellschaftlichen und rechtlichen Anforderungen an den Neubau von Stallanlagen sind sehr unterschiedlich und enden nicht selten in Auseinandersetzungen zwischen den Akteuren. Wie bereits im Vorfeld ein konstruktives Miteinander von Bauherren, Planern und Anwohnern geschaffen werden kann, stellte Marcus Hehn vom Bauern- und Winzerverband Rheinlad-Nassau e.V. aus Koblenz, anhand von Mediations- und Konfliktmanagementtechniken vor. Wichtig sei ein unabhängiger Moderator, der zwischen den Akteuren vermitteln, Konflikte klären und Akzeptanz schaffen kann. Ängste werden behoben und eine Vertrauensbasis geschaffen.

Beiträge der Tierhaltung zur Luftreinhaltung

Wie können Bioaerosole in der Außenluft zuverlässig umweltmedizinisch bewertet werden? Dies beantwortete Prof. Dr. Thomas Eikmann von der Justus-Liebig-Universität in Gießen und betonte, dass eine Festlegung von wissenschaftlich basierenden Grenzwerten aus methodischen Gründen bei Bioaerosolen nicht möglich sei. Trends in der Umwelt- und Mikrobiologie müssen aufmerksam verfolgt werden, um gegebenenfalls Rücksicht auf neue Wirkungsbewertungen nehmen zu können. Wie zahlreiche andere Sektoren trägt die deutsche Landwirtschaft zur nationalen Treibhausgasbelastung bei. Die Höhe der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen hängt dabei nicht nur von den einzelnen Quellen der landwirtschaftlichen Produktion ab, sondern auch davon, ob vor- und nach gelagerte Bereiche der Landwirtschaft mit in die Berechnung mit einbezogen werden. Berechnungen zum Minderungspotenzial von Treibhausgasemissionen in Tierhaltung und Wirtschaftsdüngermanagement stellte Helmut Döhler vom KTBL in Darmstadt vor.
 
Dr. Eva Gallmann von der Universität Hohenheim, Stuttgart, erläuterte die aktuellen Möglichkeiten zur Beurteilung und Minderung von Geruchsimmissionen. Da es bei Erzeugung und Verarbeitung von Produkten tierischer Herkunft zu Geruchsfreisetzungen kommt, seien im Vorfeld der Stallplanung Beurteilungen von Geruchsimmissionen anhand quellseitiger, wirkungsbezogener oder rezeptorbezogener (z.B. direkte Anwohnerbefragung) Ansätze sinnvoll. 

Besondere bauliche Anforderungen an Tierhaltungsanlagen

Wassergefährdende Stoffe aus der Landwirtschaft wie Jauche, Gülle, Festmist und Silagesickersaft dürfen nicht in oberirdische Gewässer oder ins Grundwasser gelangen. Wirtschaftsdünger sind dabei ein wertvolles Produktionsmittel, das mindestens sechs Monate gesammelt werden muss. Hinweise zur richtigen Lagerung wassergefährdender Stoffe und der Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen gab Lutz Heuer von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz aus Bad Kreuznach. Es käme besonders darauf an, dass die Lager gegenüber den zu erwartenden Beanspruchungen standsicher und dauerhaft dicht sind und nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik errichtet werden. Neben den gesetzlichen Vorgaben ist es ratsam, beim Stallbau auf eine energieeffiziente Bauweise zu achten.
 
Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg verglich unterschiedliche Haltungsverfahren in der Tierhaltung und stellte mögliches Energieeinsparungspotenzial in der Rinder- und Schweinehaltung vor. So könne beim Melken durch den Einsatz von drehzahlgesteuerten Vakuumpumpen der Stromverbrauch gesenkt werden, da diese ihren Stromverbrauch nur nach dem tatsächlichen Bedarf ausrichten. Da Brände in der Landwirtschaft keine Seltenheit sind, ist die Einhaltung von Brandschutzauflagen wichtig, um materielle Werte zu erhalten und die gehaltenen Tiere zu schützen.
 
Dr. Frank Riesner vom Ingenieurbüro für Brandschutz in Wismar referierte über die bauordnungsrechtlichen Anforderungen und hob die Vorgaben und Schwierigkeiten bei der Tierrettung in großen Stallbauten anschaulich hervor. So müssten nach den rechtlichen Vorgaben Tausende von Tieren innerhalb weniger Minuten gerettet werden.
 
Dr. Lars Schrader vom Friedrich-Loeffler-Institut in Celle, schilderte anhand zahlreicher Beispiele aus Schweine-, Rinder- und Geflügelhaltung, welche Anforderungen die Tiergerechtheit an zukunftsfähige Stallanlagen stellt und wie der Verbraucher durch den Kauf von Produkten mit speziellen Tierschutzlabeln seinen Beitrag dazu leisten kann.  

Was zukunftsweisende Stallbauten auszeichnet

Einen Einblick in die praktische Umsetzung von zukunftsweisenden Kooperations- und Stallbaukonzepten bot Friedrich Behrens von der Domäne Fürstenhof. Anhand einer Bio-Erzeugergemeinschaft zeichnete er den Weg von der Anpassung der Legehennenhaltung an die aktuellen tierschutzrechtlichen Anforderungen nach. Dass sich die Haltungsansprüche von Milchvieh an die Stallgebäude nicht absehbar ändern werden, stellte Dr. Steffen Pache vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Köllitsch fest. Die Wahrung des Umweltschutzes und die zunehmende Automatisierung in Melk- und Futtertechnik zählen zu den aktuellen verfahrenstechnischen Trends. Die Schweinehaltung unterliegt wie die Milchviehhaltung bundesweiten regionalen Besonderheiten. Während in den neuen Bundesländern freie Flächen für Neubauten zur Verfügung stehen, stehen viele Landwirte im Westen vor der Frage, wie sich alte Bauten optimal an neue Planungsideen anpassen.
 
Peter Spandau von der Landwirtschaftskammer Nordrhein- Westfalen in Münster gab Einblicke in aktuelle Haltungssysteme, Fütterungs- und Klimatechniken. So ließe sich in der Ferkelerzeugung bei der Gruppenhaltung niedertragender Sauen ein Trend in Richtung Fress- Liegebuchten erkennen und im Deckzentrum eine segmentweise Absperrung des Ebergangs von den Sauen. In der Schweinemast findet die Großgruppenhaltung mit Sortierschleuse weiter Zustimmung, setzt aber eine intensive Beschäftigung mit der PC-Software voraus.
 
Der 168-seitige Tagungsband "Zukunftsorientiertes Bauen für die Tierhaltung" ist beim KTBL erhältlich. Die Folien der Vorträge sind im Downloadbereich der "Fachinfo" auf der Homepage des KTBL unter www.ktbl.de verfügbar.
Auch interessant