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Produktion und Förderung

'Wenn das Land weg ist, ist die Arbeit auch weg'

von , am
24.03.2011

Arendsee - Michael Schultz fürchtet um die Zukunft seines Betriebes: Alle Flächen sind von der BVVG gepachtet. Sie stehen jetzt zum Verkauf.

Michael Schultz betreibt zusammen mit zwei Partnern einen 760 Hektar (ha) Marktfruchtbetrieb mit Mastschweinen. Zusätzlich besitzt er eine 500 kW Biogasanlage. In seiner Region, dem Raum Arendsee in der Nordwestuckermark, Brandenburg, ist er mit zehn Mitarbeitern der größte Arbeitgeber.
Jetzt steht die Zukunft seines Betriebes auf dem Spiel: die Pachtflächen stehen zum Verkauf. "Wir könnten jetzt im Direkterwerb 320 ha von der BVVG kaufen - für einen Hektarpreis von 20.000 Euro", erzählt Betriebsleiter Michael Schulz. Zuviel für den Betrieb. Schließlich ist für die Modernisierung des Mastschweinestalls und den Bau der Biogasanlage noch über Jahre ein Kredit bei der Bank abzubezahlen. Doch ohne die Pachtflächen steht nicht nur die Zukunft der Biogasanlage auf dem Spiel.

Steigende Bodenpreise: Ein Problem für viele Landwirte

Steigende Bodenpreise sind in allen fünf ostdeutschen Bundesländern ein Problem für viele Landwirte. Auch die BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH hat auf ihren Jahrespressekonferenzen festgestellt, dass die Preise bei den Verkehrswertverkäufen deutlich gestiegen sind. Teilweise lagen die Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr bei über 25 Prozent.
Auch die Pachtpreise der BVVG steigen: Für Neupachten wurden 2010 im sachsen-anhaltinischen Durchschnitt 370 Euro je Hektar und in Brandenburg 237 Euro gezahlt.

Till Backhaus: Landwirtschaftsbetriebe haben kaum Erwerbschancen

Auf dem Bezirkstag der Agrargenossenschaften des Genossenschaftsverbandes äußerte sich gestern auch Till Backhaus, Landwirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommern, zur Bodenpolitik: "Die Forderung nach Öffnung des Bodenmarktes für Kapitalanleger und Investoren stellt die Regelungen des Grundstücksverkehrsgesetzes in Frage. ... Wenn der Weg des Fremdkapitals verstärkt gegangen wird, ist zu erwarten, dass die Preise noch schneller und stärker steigen. Die Landwirtschaftsbetriebe, die den Kaufpreis aus dem Ertrag des Grund und Bodens erwirtschaften müssen, werden überhaupt keine Erwerbschancen mehr haben."
Mit einem Erwerb der Grundstücke durch Kapitalanleger würden Landwirtschaftsbetriebe dauerhaft in deren Abhängigkeit geraten. "Ich denke, hier sind auch die Banken gefragt. Sie müssen den Landwirtschaftsbetrieben - als Kunden - den Erwerb ihrer Produktionsgrundlagen ermöglichen, statt aus Renditegründen selbst die Flächen zu erwerben", so Backhaus weiter.

Hoffen auf ein gutes Ende

Auch Michael Schultz aus Arendsee fürchtet, dass "finanzstarke Gesellschaften jetzt alles aufkaufen". Die Hoffnung auf eine Zukunft seines Betriebes hat er aber noch nicht ganz aufgegeben: "Wir sind nach wie vor über den Bauernverband am Rudern, um die Sache noch zu stoppen."
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