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Als Landwirt Steuern sparen durch Besteuerung als Kapitalgesellschaft

Steuern Finanzamt
am Montag, 07.03.2022 - 11:48 (Jetzt kommentieren)

Unter bestimmten Voraussetzungen kann es für Landwirte rentabel sein, sich als Kapitalgesellschaft besteuern zu lassen.

Es war eine der letzten Entscheidungen der großen Koalition kurz vor der Bundestagswahl im Herbst 2021: Das Körperschaftsteuerrecht wurde so geändert, dass Personengesellschaften beantragen können, wie eine Kapitalgesellschaft besteuert zu werden.

Für Landwirte kann das eine finanziell sinnvolle Option sein, erläutert Karin Merl von der Steuerberatung Ecovis in Regensburg. Kapitalgesellschaften zahlen zwar vom ersten Euro an Körperschaftsteuer. Der Steuersatz beträgt aber immer nur 15 Prozent. Allerdings ist Steuern sparen nicht ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Besteuerung als Kapitalgesellschaft ohne Einfluss auf Rechtsform

Positiv ist: Die Option zur Besteuerung als Kapitalgesellschaft entfaltet tatsächlich nur steuerliche Wirkung. Alle anderen Vor- und Nachteile der gewählten Rechtsform ändern sich nicht. Auch für andere Steuerarten wie Umsatz- oder Erbschaftsteuer ergeben sich für das Unternehmen keine Änderungen.

Einen Optionsantrag können zurzeit Personenhandelsgesellschaften, also OHG und KG, stellen. Erbengemeinschaften und Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) steht diese Möglichkeit nicht offen.

Gewinne zu thesaurieren spart Steuern

Der Nachteil: Das Körperschaftsteuerrecht ist ausgesprochen kompliziert. Zur Körperschaftsteuer von 15 Prozent kommt die Gewerbsteuer, die das Unternehmen aus versteuerten Gewinnen tragen muss. Nur natürliche Personen können die Gewerbesteuer auf ihrer Einkommensteuerschuld anrechnen. Werden Gewinne ausgeschüttet, werden 25 Prozent Abgeltungsteuer fällig. Je länger und je mehr Gewinn thesauriert wird, desto niedriger fällt also die Gesamtsteuerlast aus.

Steuersparmodell erfordert intensive Beratung

Was folgt daraus für Landwirte? Wie Steuerberaterin Merl erläutert, können Landwirte, die beispielsweise in Mehrfamilienhäuser oder Gewerbeimmobilien investiert haben und diese vermieten, von der Besteuerung als Kapitalgesellschaft profitieren.

Statt der Besteuerung nach dem individuellen Einkommensteuertarif von bis zu 45 Prozent können nach Abzug der Körperschaftsteuer und Abgeltungsteuer auf Ausschüttung durchaus einige tausend Euro mehr beim Landwirt verbleiben. Allerdings bedeutet der Systemwechsel auch, dass Sie als Landwirt zum Inhaber von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft werden.

Fazit daher: Der Wechsel zur Besteuerung als Kapitalgesellschaft kann Steuern sparen, sollte vom Steuerberater aber gründlich vorbereitet und durchgeprüft werden.

Mit Material von Ecovis

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