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Kommentar

Landwirtschaftskammer Niedersachsen in schwerem Fahrwasser

Dieser Artikel ist zuerst in der LAND & Forst erschienen.

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Ralf Stephan, Chefredakteur der LAND & Forst
Ralf Stephan © Von Ditfurth
von , am
24.11.2015

Das durchschnittliche Unternehmensergebnis liegt in Niedersachsen in diesem Jahr bei 43.700 Euro - ein Jahresrückgang um die Hälfte. Während die Bauern tiefrote Zahlen schreiben, riskiert das Land Kürzungen bei der Beratung. Ein Kommentar von Ralf Stephan, Chefredakteur der Land & Forst.

Die Ergebnisse aus dem Testbetriebsnetz der LandwirtschaftskammerNiedersachsen lassen sich in diesem Jahr mit den Worten "katastrophal" und "existenzgefährdend" beschreiben. Der Kammerpräsident wird ein durchschnittliches Unternehmensergebnis von 43.700 Euro verkünden. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang um die Hälfte, das fünfjährige Mittel liegt 20.000 Euro höher.

Kein Spielraum für unternehmerisches Handeln

Schlimmste Befürchtungen haben sich dann bestätigt. Die Falle aus zum Teil dramatisch gesunkenen Erzeugerpreisen auf der einen Seite und steigenden Kosten auf der anderen schlägt nun zu: Ein durchschnittlicher bäuerlicher Haupterwerbsbetrieb hat keinen Spielraum mehr für unternehmerisches Handeln, sondern lebt vom Eigenkapital. Zusammen mit dem Druck, unter den sich vor allem die Tierhalter von Politik und Gesellschaft gesetzt sehen, lassen die diesjährigen Betriebsergebnisse die Stimmung auf den Höfen auf einen neuen Tiefpunkt stürzen. Denn Besserung ist auf den Märkten weder für die Milcherzeuger noch für die Schweinehalter unmittelbar in Sicht. Viele werden fundierte Beratung brauchen, um die kommenden Monate zu bewältigen.

Landwirtschaftskammer gerät in unruhiges Fahrwasser

Um so fataler ist es, dass gerade jetzt auch die von den Bauern mitfinanzierte Landwirtschaftskammer in unruhiges Fahrwasser gerät. Seit Monaten wird hinter den Kulissen über die Landeszuschüsse verhandelt, die mit der letzten Neufassung des Kammergesetzes eigentlich auf feste Füße gestellt sein sollten. Schließlich erledigt die landwirtschaftliche Selbstverwaltung im Auftrag des Landes staatliche Aufgaben, was zu vergüten ist. Die ursprünglichen Kürzungspläne konnten zwar abgeschwächt werden, doch die verbleibende Lücke ist so groß, dass bereits erste Kündigungen ausgesprochen werden mussten. Betroffen sind, wie stets in solchen Fällen, vor allem junge Mitarbeiter, die eigentlich die Zukunft der Kammer mitgestalten sollten.

Grund der Kürzungen ist unklar

Unklar ist, was mit den Kürzungen bezweckt wird. Es kann schließlich nicht die Absicht der Landesregierung sein, den Betrieben ausgerechnet in dieser düsteren Lage den Zugang zu Beratungsleistungen zu erschweren. Und sollte man in Hannover ein grundsätzliches Problem haben: Für nächstes Jahr steht ohnehin wieder die Neufassung des Kammergesetzes auf dem Plan; dann kann offen über die Erwartungen der Politik an die Kammer diskutiert werden. Zwangsläufig entsteht jetzt der Eindruck, dass es in Wahrheit um ein Kräftemessen geht, bei dem die Landwirtschaft an hinterer Stelle rangiert.

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