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Leasing oder Mietkauf: Investieren ohne Eigenkapital

Traktor auf einer Rebfläche
am Donnerstag, 03.11.2022 - 05:15 (1 Kommentar)

Von Landmaschinen bis Stalltechnik: Leasing und Mietkauf machen hochpreisige Investitionen liquidtätsschonend möglich. So unterscheiden sich die Finanzierungskonzepte.

Energiekrise, steigende Preise oder Klimawandel: Landwirte müssen aktuell viele Herausforderungen meistern, die Investitionen – etwa in effizientere Technologie – sinnvoll machen. So können beispielsweise Photovoltaikanlagen oder moderne Stalltechnik nicht nur dazu beitragen, Energie zu sparen, sondern auch helfen, den Agrarbetrieb langfristig zukunftssicher und nachhaltig aufzustellen.

Zunehmend wird auch relevanter, sich auf die Folgen des Klimawandels mit längeren Trockenperioden einzustellen, beispielsweise über eine neue Bodenbewirtschaftung oder veränderte Fruchtfolgen. Für diese Umstellung sind ebenfalls Investitionen nötig, wie etwa in Maschinen für eine Minimalbodenbearbeitung oder für eine Präzisionslandwirtschaft, um die Kosten für Düngung und Pflanzenschutz zu reduzieren.

Landwirte brauchen aber Rücklagen, um für wetterbedingte Einbußen oder Tierkrankheiten gerüstet zu sein. Wie können Landwirte in diesem Umfeld notwendige Investitionen für die Zukunft tätigen und trotzdem zahlungsfähig bleiben?

Liquidität schonen mit Leasing oder Mietkauf

Tabelle Leasing vs Mietkauf

Bei Investitionen in mobile Objekte, wie Landmaschinen oder Stalltechnik, eignet sich eine Finanzierung sowohl über Leasing oder Mietkauf. Photovoltaikanlagen bilden hier eine Ausnahme, da sie sinnvoll nur über Mietkauf finanzierbar sind. Sowohl Leasing als auch Mietkauf erfordern keinen Eigenkapitaleinsatz und schonen daher die Liquidität. So wird es auch möglich, größere Anschaffungen wie einen Schlepper, für den oft sechsstellige Summen fällig werden, zu finanzieren. Ein weiterer Vorteil: Die Kreditlinien bei der Bank bleiben unberührt. Die Zahlung erfolgt über vorab festgelegte Raten, das ermöglicht gleichzeitig eine gute betriebswirtschaftliche Planung.

Leasing und Mietkauf haben zwar viele Vorteile gemeinsam, unterscheiden sich jedoch insbesondere bei den Eigentumsverhältnissen, der steuerlichen Behandlung und den Regelungen zum Vertragsende. Will der Landwirt beispielsweise einen Traktor über Leasing finanzieren, liegt das Eigentum nicht bei ihm als Leasingnehmer, sondern beim Leasinggeber und wird auch dort bilanziert. Der Landwirt zahlt mit der Leasingrate also lediglich für die Nutzung über einen bestimmten Zeitraum. Steuerlich kann er die Leasingraten als Betriebsausgaben geltend machen.

Am Vertragsende sind beim Leasing unterschiedliche Szenarien möglich. Je nach Vertragskonstellation kann eine Vertragsverlängerung, eine Kaufoption, die Rückgabe des Leasingobjekts oder auch ein Andienungsrecht durch die Leasinggesellschaft vereinbart sein. Leasing ist eine gute Wahl, wenn der Landwirt den Traktor – beziehungsweise das jeweilige Finanzierungsobjekt – nur für einen begrenzten Zeitraum nutzen will und wenn der Steuerberater ihm Leasing aus bilanziellen Gründen explizit empfiehlt.

Will der Landwirt den Traktor, um bei dem Beispiel zu bleiben, lieber erwerben, ist Mietkauf die bessere Option. Bei Mietkaufverträgen geht das juristische Eigentum mit Zahlung der letzten Rate automatisch auf den Landwirt als Mietkäufer über. Das wirtschaftliche Eigentum liegt hingegen von Beginn an bei ihm. Das Finanzierungsobjekt wird daher in seinem Anlagevermögen und in seiner Bilanz aktiviert.

Dafür kann er den Traktor steuerlich abschreiben und die Finanzierungszinsen als Betriebsausgaben geltend machen. Mietkauf ähnelt letztlich einem Kauf auf Raten, mit dem unterschiedlichste und auch hochpreisige „mobile Objekte“ angeschafft werden können, von der Photovoltaikanlage über Melkroboter bis hin zu mobilen Hühnerställen.

Schnelle Finanzierung möglich

Wichtiger als steuerliche oder bilanzielle Aspekte ist oft die Frage, wie schnell eine Finanzierung verfügbar und damit das Objekt nutzbar ist. Denn geht etwa in einem Viehbetrieb der Futtermischwagen kaputt, ist es entscheidend, dass das Ersatzgerät baldmöglichst einsetzbar ist. Eine schnelle Finanzierung bieten beispielsweise Volksbanken Raiffeisenbanken über ihren Verbundpartner VR Smart Finanz mit der Mietkaufvariante VR Smart express an. Wenn die Investitionssumme zwischen 5.000 und 250.000 Euro liegt, genügt eine Rechnung, eine Bestellung oder ein Angebot, damit die Finanzierungsentscheidung direkt im Beratungsgespräch fällt. Bei einer Zusage erfolgt die Auszahlung an den Landwirt oder Lieferanten in der Regel binnen 24 Stunden.

Finanziert werden können nicht nur neue, sondern auch gebrauchte Objekte. Das ist interessant, wenn ein Landwirt den Preisvorteil einer „jungen“ Gebrauchtmaschine nutzen möchte. Ist das Objekt bereits angeschafft, kann es bis zu sechs Monate rückwirkend finanziert werden.

Die Investition versichern

Für den Landwirt kann es von Vorteil sein, zu der Finanzierung eine entsprechende Versicherung abzuschließen, beispielsweise über eine Ratenschutzpolice. Damit kann sichergestellt werden, dass bei unvorhergesehenen Ereignissen wie Erwerbslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit, Scheidung oder Tod die Raten beziehungsweise die Restschuld abgesichert sind. Versicherungsnehmer sollten diese Optionen vorher genau prüfen.

Leasing und Mietkauf können also gute Lösungen sein, um mobile Anlagegüter im landwirtschaftlichen Betrieb eigenkapitalschonend und gut planbar zu finanzieren. Um zu entscheiden, welche Finanzierung am besten zu den unternehmerischen Bedürfnissen passt, können weitere Aspekte Aufschluss geben. Etwa wie schnell die Finanzierung zur Verfügung stehen soll, wie flexibel die Laufzeiten sind oder welche sonstigen Vertragsoptionen angeboten werden. Hier hilft gute Beratung, zum Beispiel durch die Hausbank, weiter. Es kann sich lohnen, die Kosten von Leasing oder Mietkauf mit denen eines regulären Darlehens der Hausbank zu vergleichen.

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