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Wege durch die Krise

Liquiditäts-Engpass? 9 Tipps, wie Sie ihn überstehen

Patrik Meier/LWK Niedersachsen/Anke Fritz/agrarheute
am
25.02.2016

Niedrige Milch-, Schweine und Getreidepreise - schwierige Zeiten für viele Betriebe. Jetzt spielt die Liquiditätsplanung eine entscheidende Rolle. Das können Sie bei einer Finanzkrise tun:

Die finanzielle Situation vieler Betriebe ist in den letzten Monaten spürbar angespannter geworden. Um in volatilen Märken mit ungewisser Richtung nicht in Finanzierungsprobleme zu geraten, sollten sich Betriebsleiter nun verstärkt mit der Liquiditätsplanung auseinandersetzen, empfiehlt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

1. Planung der Liquiditätsentwicklung

Mit einer negativen Veränderung der Liquiditätssituation ist es ratsam die betriebliche Liquiditätsentwicklung sorgsamer zu planen. Dieses kann selbst oder unter Hinzuziehung eines betriebswirtschaftlichen Beraters erfolgen. Hierzu werden alle Zahlungsströme des Betriebes monatsweise abgebildet. Die Liquiditätsplanung stellt bei der Betriebsführung ein zentrales Steuerungsinstrument dar, das in schwierigen Situationen wertvolle Hinweise liefert. Hierbei sind folgende Punkte herauszustellen:
  • Wie ist die Tendenz über 12 Monate?
  • Welche Monate sind kritisch?
  • Welchen Finanzierungsrahmen benötige ich?
  • Wann besteht ein Liquiditätsüberschuss?

2. Auf pünktliche Bezahlung drängen

Es sollte darauf geachtet werden, dass ausstehende Einnahmen zeitnah erfolgen. Gerade bei erbrachten Lohnarbeiten ist es in der Praxis häufig, dass die Bezahlung der Leistungen erst deutlich zeitversetzt erfolgt. Drängen Sie auf pünktliche Bezahlung.

3. Ernte zeitnah vermarkten

Zudem sollten Sie bei knapper Liquidität und entsprechenden Kapitalkosten ihre Ernte möglichst zeitnah vermarkten. Hier gilt insbesondere die bekannte Regel "Liquidität geht vor Rentabilität", zumal die Hoffnung auf höhere Preise generell unsicher ist.

4. Gespräch mit Steuerberater

Bei sich andeutenden rückläufigen Gewinnen sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Steuerberater suchen um zu erörtern, ob es Möglichkeiten gibt die Steuervorauszahlungen zu reduzieren und ob dies sinnvoll ist. Mecklenburg-Vorpommern bietet die Möglichkeit einer Stundung der Steuerzahlungen.

5. Investitionen verschieben

Investitionen sollten, sofern nicht zwingend erforderlich, verschoben werden, wenn sich die Liquiditätssituation spürbar verschlechtert. Allerdings trifft dieses nur auf kleine Wachstumsinvestitionen oder Ersatzinvestitionen zu, die im Wesentlichen aus Eigenkapital finanziert werden sollen. Unberührt von der gegenwärtigen marktbedingten Liquiditätsentwicklung sollten die strategischen Wachstumsüberlegungen bleiben. Bis zur Realisierung von z. B. einem Stallneubau kann sich die Marktlage schon wieder signifikant geändert haben.

6. Waren- und Kreditgeschäft trennen

Ebenfalls unabhängig von der Liquidität sollte die Betriebsmittelbeschaffung betrieben werden. Die Betriebsmittel sollten unabhängig von Zahlungsmodalitäten beschafft werden, der Schwerpunkt sollte auf den Konditionen für die Waren liegen. Der Bank kommt dabei die Rolle des Finanziers zu. So ist im Regelfall in jeder Situation die Möglichkeit Skonti zu ziehen empfehlenswert. Diese bieten für eine frühere Zahlung von wenigen Wochen einen Preisnachlass von 1 bis 2 %. Betriebsmittel in der kurzfristigen Finanzierung über Kontokorrent oder ein Betriebsmitteldarlehen kosten bank- und bonitätsabhängig gegenwärtig allerdings in der Regel nur zwischen 4 und 12 % p.a.

7. Rechtzeitig Kontakt zur Bank aufnehmen

Eine zentrale Rolle spielt die Anpassung des betrieblichen Finanzierungsrahmens. Hier werden in der Praxis oft Fehler gemacht. Anstatt rechtzeitig den Kontakt mit der Bank zu suchen und über eine Ausweitung der Betriebsmittelfinanzierung zu sprechen, findet dieses oft erst notgedrungen statt, wenn Überziehungen aufgelaufen sind. Dabei verschlechtern Kontenüberziehungen das Rating spürbar. Hier unterscheidet sich das kaufmännische Können der Betriebsleiter deutlich. Ratsam ist es daher auf Grundlage der Liquiditätsplanung die Finanzierungslinie an zukünftige Gegebenheiten anzupassen. Hierbei sollten Sie der finanzierenden Bank auch erläutern auf welche Ursachen dieses zurückzuführen ist:
 
Erhöhter Liquiditätsbedarf in Folge von:

1. Wachstum
2. niedrigen Preisen
3. strukturellen Problemen

8. Die richtige Kommunikation mit der Bank

Diese Gründe für erhöhten Liquiditätsbedarf unterscheiden sich in ihrer Bewertung fundamental. Bei Vorliegen der ersten beiden Gründe sollte der Bank gegenüber mit Nachdruck erläutert werden, dass keine strukturellen Gründe der Auslöser sind. Das Wachstum finanziert werden muss erscheint plausibel. Auch ein erhöhter Liquiditätsbedarf in Folge rückläufiger Preise lässt bei sonst geordneten Verhältnissen oft die Ausweitung der Finanzierungslinie zu. In diesem Zusammenhang sollten auch Überlegungen zur Rentabilität des Betriebes angestellt werden und wie bei durchschnittlichen Preisen die Linie wieder reduziert werden kann. Aber auch wenn strukturelle Gründe verantwortlich sind, so sollte man sich dem stellen. Häufig ist zu beobachten, dass hier von den Betroffenen nach Ausreden gesucht wird. Dieses ist kontraproduktiv, da mit der Zeit die Probleme im Regelfall zunehmen und die Handlungsbereitschaft der Banken häufig abnimmt.
 

9. Umschuldung in Betracht ziehen

Lassen sich in sehr guten Jahren hohe Kapitaldienst in Folge zu kurz gewählter Finanzierungslaufzeiten noch schultern, so erfolgt bei schwacher Liquiditätslage dieses nun über den Aufbau kurzfristiger Verbindlichkeiten mit weitaus höheren Zinssätzen. Wird dieses festgestellt, so sollte dringend gehandelt werden und mit der Bank über eine Umschuldung gesprochen werden. Diese reduziert über längere Laufzeiten den Kapitaldienst in einen leistbaren Bereich und wandelt teure kurzfristige Verbindlichkeiten wieder in günstigere langfristige Verbindlichkeiten um.
 

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