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Was macht ein Bauer mit einer Million: Ackern bis sie weg ist?

Lottogewinn.
am Donnerstag, 28.10.2021 - 14:10 (1 Kommentar)

Das würde nicht vielen Berufsgruppen so gehen: Einen unerwarteten Geldsegen in den Betrieb stecken, anstelle das Geld für Konsum oder ein „schönes Leben“ auszugeben.

Doch nicht nur die Ergebnisse ein Umfrage in den USA haben diese „besondere“ Einstellung der meisten Landwirte zu ihrem Beruf und ihrer Arbeit bestätigt. Auch die Diskussion unserer Leser, über die Verwendung eines unerwarteten Lottogewinns von 1 Millionen oder mehr auf Facebook ist ziemlich eindeutig.

Dort war eine der am häufigsten genannten Antworten auf die Frage, was ein Landwirt mit einer Millionen macht: Arbeiten (ackern, melken) bis sie weg ist oder auch ganz aktuell: „So lange Sauen halten, bis die Millionen weg ist“, sagt beispielsweise unser Leser Andreas G.

Neben dieser, in gewisser Weise „aus der Zeit gefallenen“ Einstellung zur ihrem Beruf und ihrer Arbeit, zeigt diese Antwort aber noch etwas anders: Viele landwirtschaftliche Produktionszweige sind nämlich aus betriebswirtschaftlicher Sicht leider oft „ein Zuzahlgeschäft“, sagt ein anderer Leser.

Auf lange Sicht ist das natürlich ein Problem, denn nur von der Verbundenheit mit dem Betrieb und der Arbeit kann auch ein Bauer nicht leben. Das zeigt auch das anhaltenden Höfesterben, dass ein Ergebnis der aktuellen ökonomischen Rahmenbedingungen und damit auch der aktuellen europäischen und deutschen Agrarpolitik ist.

Geld zum Fenster rauswerfen?

Doch noch mal zurück zum Riesen-Lottogewinn. In den USA wollten immerhin fast zwei Drittel der Farmer das gewonnene Geld am besten dafür verwenden, Boden zu kaufen und damit die ökonomische Basis ihrer Farm zu stärken. Immerhin 10 Prozent wollten das Geld in neue Technik und Maschinen stecken - also auch in den Betrieb. Etwa 6 Prozent der Bauern wollten das Haus umbauen oder modernisieren.

Etwa ein Fünftel wollte ganz aus der Landwirtschaft aussteigen und mit dem Geld ein neues Leben beginnen oder sich ganz zur Ruhe setzen. Doch die Affinität zur Landwirtschaft ist deutlich größer als das Bedürfnis auszusteigen. Trotz der genannten ökonomischen und auch gesellschaftlichen Probleme. Denn: Landwirte haben nicht nur ökonomisch zu kämpfen sondern das Image der Bauern ist, um es vorsichtig zu sagen, auch etwas angeschlagen.

Landwirte werden eben nicht vorrangig als Produzenten von Lebensmitteln angesehen, sondern in großen Umfang auch als eine Berufsgruppe, die wesentlich mit für die Umwelt- und den Klimaprobleme verantwortlich ist. Die ökonomischen Probleme der Bauern, aufgrund niedriger Nahrungsmittelpreise, werden von der Gesellschaft kaum thematisiert.

In der Diskussion auf Facebook zum Lottogewinn schreibt unser Leser Christian S.: Zum typischen Verhalten der Bauern: „Er schmeißt das Geld zu Fenster raus und baut einen neuen Stall.“ Doch das allein reicht nicht. Ein Berufskollege antwortet darauf mit dem Hinweis: „Aber der wird mindestens doppelt so groß“, und beschreibt den anhaltenden Trend in der Landwirtschaft. Um zu überleben muss man investieren. Und da geht es in der Regel nur über die die Möglichkeit entweder zu wachsen - oder aufgeben.

Doch diese letzte Variante ist für die meisten Bauern offenbar die allerletzte Lösung - auch wenn man es (theoretisch) mit einem Lottogewinn durchaus tun könnte.

Schulden bezahlen oder Trecker kaufen

Ein Thema gibt es noch, das die Landwirte im Hinblick auf eine plötzlichen Geldsegen diskutiert haben. Das ist die Abzahlung der auf viele Betrieben lastenden Schulden. Diese haben sich gerade in den letzten Jahren imm er weist angehäuft, denn die politischen Vorgaben, unter aderte durch die Düngeverordnung oder neue Tierwohlauflagen, machen immer neue Investitionen in immer kürzeren Zeitabständen nötig, die sich kaum noch amortisieren können.

Unserer Leser S. F. sagt dazu: „Schulden bezahlen! Was soll ein Landwirt sonst machen, und wenn noch Geld übrig ist, Diesel und Kunstdünger kaufen.“ Auch andere Berufskollegen würden mit einem Lottogewinn vorrangig die Schulden bezahlen. Zumal neue Investitionen nicht nur in immer kürzeren Abständen nötig sind, sondern die Preise für landwirtschaftliche Flächen, neue Maschine und neue Ställe gerade explodieren.

Dazu sagt ein anderer Landwirt auf Facebook: „ Wenn ich höre was ein neue Kuhstall kostet: "Zur Bank gehen und gleich noch einen Kredit aufnehmen!“ Nicht wenige Diskussionsteilnehmer haben jedoch noch eine anderen Wunsch: Nämlich neue Technik. Und hier ist das Spektrum groß. Es reicht allgemein von einem „neuem Trecker“ bis hin zum speziellen Wunsch von Helmut F.: "Einen neuen Fendt 1050 KBL“. Da werden sich sicher viele Kollegen anschließen.

Am Ende bleibt noch eine andere Option bei einem Millionen-Gewinn, die vor dem Hintergrund der derzeitigen Kostenexplosion besonders gut zu verstehen ist. Unser Leser Carl-Cristian B. schlägt vor: „Einfach weiter jammern, weil es nicht 2 Millionen sind.“

Am Ende bleibt noch die Frage: Was würde ein Landwirt in Deutschland tun, wenn er 1 Millionen im Lotto gewinnt? Schulden abzahlen, Boden kaufen, investieren oder Hoftore dicht machen? Stimmen sie mit ab.

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