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Steuer und Finanzen

Marktorientierung statt 'Jammertal'

© Mühlhausen/landpixel
von , am
27.11.2012

Lensahn/Ostholstein - Schweinefleisch, Getreide und Milch: "Wir können mit der wirtschaftlichen Situation auf Märkten und Betrieben zufrieden sein", erklärte DBV-Generalsekretär Helmut Born. Die Landwirte befänden sich nicht in einem Jammertal.

Der Generalsekretär des Bauernverbandes, Helmut Born, rief die Landwirte dazu auf, gerade bei der Tierhaltung das Heft wieder selbst in die Hand zu nehmen. © DBV
"Es gibt keinen Grund, den Kurs der Marktorientierung in der Landwirtschaft zu verlassen", appellierte Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV),  beim Bauerntag des Kreisbauernverbandes Ostholstein an die Landwirte. 
 
Born ging auf aktuelle Marktentwicklungen bei Schweinefleisch, Getreide und Milch ein und stellte fest: "Wir können durchaus zufrieden sein mit der wirtschaftlichen Situation auf den Märkten und in den Betrieben. Wir befinden uns nicht in einem Jammertal."

Wichtig: Schlagkräftige Strukturen

Am Beispiel des Schlachtschweine- und Milchmarktes verdeutlichte er die Notwendigkeit eines guten Zusammenspiels zwischen Bauern und ihren Vermarktungseinrichtungen: "Je volatiler und freier die Märkte werden, desto wichtiger sind schlagkräftige Strukturen, die dem Lebensmitteleinzelhandel Paroli bieten und Absatzchancen im In- und Ausland ausschöpfen."
 
Das sei in den letzten beiden Jahren beispielsweise im Milchsektor ganz gut gelungen, was zu einem erfreulichen Wiederanstieg der Milchauszahlungspreise geführt hätte.

Politik muss Verantwortung übernehmen

Born verdeutlichte aber auch, dass der Kurs der Marktorientierung nicht bedeute, die Politik ganz aus ihrer Verantwortung für die Landwirte zu entlassen. So müsse angesichts des Auf und Ab auf den Märkten dringend eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage eingeführt werden. Deren Ziel sei es, auch über diesen Weg Stabilität in den Betrieben zu schaffen. Diese Stabilität werde insbesondere auch durch die EU-Direktzahlungen sowie die Zahlungen der 2. Säule der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) gesichert, so Born weiter.
 
Deshalb kämpfe der Berufsstand augenblicklich vehement für den Erhalt eines starken EU-Agrarbudgets bei den vorerst abgebrochenen Verhandlungen um den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen der EU. "Wir können uns nicht zufrieden geben mit dem aktuellen Verhandlungsstand", bilanzierte der Generalsekretär, zeigte sich aber zufrieden mit der Verhandlungsführung der Bundesregierung in der letzten Woche. Aber: "Uns liegen weiterhin die Greeningvorschläge von Kommissar Cioloş quer im Magen." Der Agrarkommissar müsse doch gemerkt haben, dass er mit Stilllegungsgedanken und zu starren Kontroll- und Bürokratievorschriften selbst bei den Staats- und Regierungschefs nicht durchkomme, so Dr. Born zur aktuellen GAP-Debatte.

Leitbild Tierhaltung soll kommen

Besorgt zeigte sich Born zur aktuellen Debatte um die Nutztierhaltung in Deutschland. "Es kann uns keinesfalls gefallen, mit welcher zunehmend kritischen Begleitung dieses wichtigste Standbein der deutschen Landwirtschaft beurteilt wird." Deshalb sei der Berufsstand mittendrin in einer grundsätzlichen Debatte über die Tierhaltung von morgen. "Beim nächsten Deutschen Bauerntag in Berlin wollen wir ein Leitbild Tierhaltung vorlegen", kündigte Born an. Wie schwierig die Debatte mittlerweile zu führen sei, erläuterte Born an aktuellen Gesetzesvorhaben wie dem Tierschutzgesetz oder der Novelle des Baugesetzbuches.
 
Nur mit großem Aufwand gelinge es, sachgerechte Lösungen zum Beispiel bei der Ferkelkastration zu erreichen. "Wir müssen wieder die Lufthoheit über Tierhaltung gewinnen. Ansonsten sprechen und bestimmen andere über das, was wir im Stall zu tun haben." Deshalb müsse sich jeder Tierhalter aktiv in die Debatte einmischen und der modernen Tierhaltung ein Gesicht geben, schloss Helmut Born.

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