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Produktion und Förderung

Mehrzahl der Landwirte steigern Einkommen

von , am
04.12.2013

Berlin - Haupterwerbsbetriebe haben im Wirtschaftsjahr 2012/13 ein Unternehmensergebnis von durchschnittlich 62.900 Euro je Betrieb erzielt. Dies ergibt der aktuelle DBV-Situationsbericht 2013/14.

DBV-Präsident Joachim Rukwied stellte heute in Berlin den Situationsbericht 2013/14 vor. © hek
Je Familienarbeitskraft wurden 42.800 Euro erwirtschaftet. Das sind 3.600 Euro mehr als im Wirtschaftsjahr zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt der Situationsbericht 2013/2014 des Deutschen Bauernverbandes (DBV), der am heutigen Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Ursache für die besseren Ergebnisse waren zum Teil höhere Erlöse, insbesondere bei Getreide, Raps und Kartoffeln, wie DBV-Präsident Joachim Rukwied in der Bundespressekonferenz ausführte.
 
"Das gesamte Agribusiness erwirtschaftete 2012 einen Produktionswert von 412 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von acht Prozent an der Gesamtwirtschaft. Der Produktionswert der Landwirtschaft stieg 2013 auf geschätzte 56,1 Milliarden Euro gegenüber 55,8 Milliarden im Vorjahr", zeigte Rukwied die Bedeutung des Sektors für die deutsche Volkswirtschaft auf.
 
Im Situationsbericht weist der DBV allerdings auf große Unterschiede je nach Betriebsform und regionaler Erntesituation hin. Vom Unternehmensergebnis müssen die selbstständigen Landwirte noch die Beiträge für die landwirtschaftliche Sozialversicherung begleichen, die im Schnitt 6.600 Euro pro Jahr betragen haben. Ebenso sind Neuinvestitionen aus dem Gewinn zu tätigen, erklärt der DBV. Grundlage der DBV-Analyse sind die Buchführungsabschlüsse von rund 15.400 landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben, also Einzelunternehmen und Personengesellschaften.

Erlöse in den Betrieben

"Die deutsche Landwirtschaft erlebte im vergangenen Wirtschaftsjahr 2012/13 eine Markterholung bei wichtigen pflanzlichen Erzeugnissen. Dagegen mussten die Milchviehbetriebe Einbußen hinnehmen", erklärte Rukwied.
 
So konnten die deutschen Ackerbaubetriebe ihre Erträge und Ergebnisse im Zeitraum vom 01. Juli 2012 bis zum 30. Juni 2013 aufgrund höherer Preise um ein Drittel verbessern. Das Unternehmensergebnis betrug durchschnittlich 97.500 Euro."Auch hier sehen wir erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern, die den regional zum Teil sehr stark aufgetretenen Kahlfrösten im Frühjahr 2012 geschuldet sind", erläuterte Rukwied.
 
Bei den Milchviehbetrieben fielen die Gewinne hingegen im gleichen Zeitraum um 8.700 Euro auf 52.300 Euro je Betrieb zurück. Hauptursache waren die steigenden Kosten.
 
Die Veredlungsbetriebe, insbesondere die Schweinehalter, konnten laut den Zahlen des neuen Situationsberichtes trotz höherer Futterkosten ihr Ergebnis verbessern, weil die Schlachtviehpreise gestiegen waren. Sie erreichten einen Gewinn von 64.000 Euro je Unternehmen.
 
Auch die Wein- und Obstbaubetriebe konnten ihr Einkommen verbessern, wenngleich es hier je nach Witterungsverlauf regional sehr unterschiedliche Entwicklungen gab (Weinbaubetriebe in Bayern 39.900 Euro, in Rheinland-Pfalz 73.500 Euro).
 
Die Bio-Betriebe verbesserten ihr Ergebnis um 4.400 Euro auf 66.100 Euro je Betrieb.
Die Nebenerwerbsbetriebe erzielten ein Unternehmensergebnis von 19.700 Euro.
Bei den Agrargenossenschaften, die überwiegend in den neuen Bundesländern ansässig sind, weist der DBV-Situationsbericht einen Jahresüberschuss von 296.000 Euro aus. Dort sind 39.100 Euro je Arbeitskraft erwirtschaftet worden, etwa 4.100 Euro mehr als im Vorjahr.

Hohe Investitionsbereitschaft

Positiv sei die weiterhin hohe Investitionsbereitschaft vieler Landwirte, berichtet der DBV. Die Bruttoinvestitionen seien im Wirtschaftsjahr 2012/13 auf 54.100 Euro je Betrieb (plus 1.600 Euro) angestiegen.
Für das laufende Wirtschaftsjahr 2013/14 verzeichnet der DBV bisher eine stabile Erlösentwicklung in den landwirtschaftlichen Betrieben. Die Marktentwicklungen bei einigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen sind tendenziell günstig. Bei den Ackerbauern rechnet der DBV aufgrund gesunkener Getreide- und Ölsaatenpreise mit einem deutlichen Rückgang.
 
Dagegen dürften die Milchviehhalter das Minus des Vorjahres mehr als ausgleichen. Die Erzeugerpreise sind gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen und haben die Marke von 40 Cent je Liter überschritten.
 
Noch sehr unsicher ist die wirtschaftliche Perspektive für die Schweine- und Geflügelhalter. "Aktuell stehen die Erzeugerpreise etwas unter Druck, wir müssen sehen, wie sich der Markt nach der Jahreswende entwickelt", blickte Rukwied voraus.

Diskussion um Lebensmittelpreise

Die Zeiten, in denen die Lebensmittelpreise Inflationsbremse Nummer eins waren, seien angesicht der weltweit gestiegenen Nachfrage und einer eher knappen globalen Versorgungssituation bei vielen landwirtschaftlichen Rohstoffen vorbei, bezog der DBV-Präsident auch Stellung zu der momentanen Diskussion. Der DBV erwartet, dass die Lebensmittelpreise zukünftig mindestens der allgemeinen Inflationsrate folgen. In 2013 legten sie nach DBV-Schätzung um vier Prozent zu und liegen damit über der Inflationsrate von 1,5 Prozent im Jahresschnitt. Allerdings: "Die Erzeugerpreise sind nicht Haupttreiber für gestiegene Lebensmittelpreise", unterstrich Rukwied abschließend.
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