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Bodenmarkt und Digitale Welt

Metaverse: Land kaufen virtuell – Unfug oder was für Landwirte?

Metaverse.
am Dienstag, 18.01.2022 - 12:00 (Jetzt kommentieren)

Bauern wissen was Land wert ist. Denn sie müssen damit arbeiten. Und in der Wirklichkeit ist Land knapp und teuer.

Doch nun kann man auch im Internet Boden kaufen. Virtuell. Landwirtschaftliche Produkte kann man damit nicht erzeugen. Trotzdem sind die Bodenpreise unvorstellbar hoch. Und die Boom hat gerade erste begonnen, glauben Finanzexperten.

Doch was steckt wirklich hinter dem Landkaufboom im Internet? Ausgangspunkt ist offenbar die digitale Metawelt - besser bekannt als Metaverse. Und hier geht es schon los. Offenbar gibt es nicht nur die von Facebook erfundene Horizon Worlds. Zeitgleich entstanden sind auch: Decentralland, Axie Infinity und The Sandbox. Alle wollen neue digitale Welten schaffen, die man am Ende vom echten Leben nicht mehr unterscheiden kann.

Und das gilt auch für den Kauf von virtuellen Grundstücken: Auf Decentraland und The Sandbox wechseln digitale Grundstücke momentan für Millionenbeträge die Besitzer. Und gehandelt wird nicht mit Spielgeld. Die Firma Republic Realm hat gerade 4,3 Millionen US-Dollar für eine Landfläche in The Sandbox bezahlt. Zuvor hatte die kanadische Kryptofirma Tokens.com 2,5 Millionen US-Dollar für ein Grundstück in Decentraland ausgegeben.

Nach Angaben der Krypto-Plattform Dapp sind in nur einer Woche auf den größten Metaverse-Seiten Immobilien für mehr als 100 Millionen US-Dollar verkauft worden, berichtet der Deutschlandfunk. Da versteht man doch die Welt nicht mehr.

Schon einmal viel Geld in den virtuellen Sand gesetzt

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Das Finanzportal Onvista erinnert deshalb auch den realen Immobilienboom in China. Der hat dort zu einer gigantischen Immobilienblase geführt. Unternehmen wie Evergrande schieben dort Milliarden Dollar Schuldenberge vor sich her. Gleichzeitig stehen über 65 Millionen Wohnungen leer. Eine gigantische Blase.

Immobilien wurden eben nicht mit der Absicht gebaut, Wohnraum zu schaffen, sondern um diese durch Wertsteigerung teurer weiterzuverkaufen. Womöglich sehen wir ganz ähnliche Szenarien im virtuellen Immobiliensektor, glaubt Onvista. Beispiele dafür gibt es schon: Im Jahr 2003 hatte man mit Second Life einen ersten Versuch gestartet, ein Metaverse zu bauen. Auch damals hatten viele Firmen echtes Geld für virtuelle Grundstücke und Geschäfte ausgegeben. Doch am Ende war der Traum von der tollen Zukunftswelt schnell geplatzt. Kein Mensch wollte in der virtuellen Welt, auf virtuellen Grundstücken, in virtuelle Häusern leben.

Die Investoren glauben aber offenbar, dass es dieses Mal klappt. Damit Decentraland und Co. nicht das Gleiche passiert, wie in Chinas Geisterstädten oder bei Second Life, müssen sich „echte“ digitale Volkswirtschaften entwickeln – so die Theorie. Denn ohne das die Menschen viel Zeit und Geld im Metaverse ausgeben, wird die virtuelle Immobilienwelt nicht funktionieren und das Geld ist in den Sand gesetzt. Der Kauf von virtuellen Grundstücke ist also eine Spekulation auf die Zukunft – mit sehr unsicherem Ausgang.

Doch sie hat mit dem wirklichen Immobilien- und Bodenmarkt trotzdem zu tun. Denn auch im wirklichen Leben steigen die Bodenpreise nicht nur, weil man auf den Flächen landwirtschaftliche Produkte erzeugen oder Häuser und Solarparks bauen kann. Vielmehr fließt ein guter Teil des Geldes in der wirklichen Welt eben auch aus spekulativen Gründen in den Immobiliensektor. Das zeigt das Beispiel China ebenso, wie die permanent steigenden Bodenpreise in Deutschland.

Landwirte können wieder nicht kaufen - Metaverse ist zu teuer

Einen Unterschied gibt es zwischen Metaverse und dem realem Bodenmarkt allerdings schon: Während der reale Boden für Landwirte und Investoren nicht vermehrbar ist, könnte man die virtuelle Welt eigentlich endlos erweitern. Doch auch dort wollen offenbar alle in der Schlossallee wohnen. 

Das die Lage auch in der digitalen Welt wichtig ist, bestätigt die Untersuchung des Finanzportals Onvista. Dort heißt es:  „Wie bei richtigen Immobilien und Grundstücken zählt auch im Metaverse die Makro- und Mikrolage“. In der wirklichen Welt heißt das: Wohnt man lieber auf dem Land, in der großen Stadt oder auch neben berühmten Leuten.

Unklar bleibt bisher auch, wie mit dem Bodenmarkt umgegangen wird. Wird einfach virtuelles Land hinzugefügt, sodass mehr Grundstücksfläche zur Verfügung steht? Das größte Problem sind jedoch jetzt schon die virtuellen Bodenpreise. Das Finanzportal check.app.de sagt dazu: "Grundstücke kosten mehr als in Brandenburg, obwohl man dort sogar echte Ziegen oder Ponypferde auf die Weide schicken könnte." Oder eben auch Landwirtschaft betreiben könnte.

Das kann man in der virtuellen Welt von Metaverse zwar nicht. Doch lag der Wert eines virtuellen Grundstücks laut check.app.de mit etwa 40.000 MANA (virtuelle Währung) umgerechnet bei 130.000 US-Dollar. Da kann man als Landwirt oder Nomalverdiener schon wieder kein Land oder Grundstück kaufen. Also zumindest in diesem Bereich: Eine große Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit.

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