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Studie Mindestlohn

Mindestlohn: Verwaltungsaufwand belastet Betriebe

von am
02.05.2016

Ein Jahr ist es her, dass der Mindestlohn erhöht wurde. Die Ergebnisse einer Studie zeigen, wie sich dies auf die Kosten und den Arbeitsaufwand der Betriebe ausgewirkt hat.

© agrarfoto.com

Wie aus einer aktuellen Studie des Thünen-Instituts hervorgeht, sind die Löhne für Saisonarbeitskräfte 2015 infolge der Mindestlohnregelung im Durchschnitt um rund 11 Prozent (%) im Vergleich zum Vorjahr angestiegen, für ständige Arbeitskräfte um 4 % bis 5 %.

Spürbare Auswirkungen hat die Einführung des Mindestlohns auf die Produktionskosten arbeitsintensiver Kulturen. Laut der Thünen-Studie sind die Produktionskosten von Äpfeln, Erdbeeren und Spargel in den alten Bundesländern bereits um etwa 2 % bis 5 % gestiegen.

Verwaltungsaufwand ist größtes Problem

In der praktischen Umsetzung bewerteten die Befragten den Verwaltungsaufwand für Arbeitszeitaufzeichnungen und weitere Dokumentationspflichten als derzeit wichtigstes Problem. Dies trifft in besonderem Maße für kleinere Betriebe zu.

Zudem werden die Anforderungen des Arbeitszeitgesetzes als schwer erfüllbar eingeschätzt und als Beschränkung der in Erntezeiten notwendigen Flexibilität empfunden.

Höhere Anforderungen an Arbeitskräfte

Als Reaktion auf die Lohnerhöhungen stellten die Betriebe höhere Anforderungen an die Arbeitsleistung der Arbeitskräfte. Weniger leistungsfähige Arbeitskräfte würden häufiger als vorher vorzeitig entlassen.

Mittelfristig erwartet die Autorin, Dr. Hildgard Garming vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, dass die Betriebe noch mehr als bisher in die Mechanisierung investieren werden, um langfristig die Beschäftigung von Fremd- und Saisonarbeitskräften zu reduzieren.

Ein Teil der Betriebe plane auch, Flächen mit arbeitsintensiven Kulturen zu verringern.

Mit 2018 steigt die Kostenbelastung

Bei Erreichen des von den Tarifpartnern für 2018 vereinbarten Mindestentgelts von 9,10 Euro je Stunde rechnet die Autorin mit weiteren Kostenzuwächsen. Sie reichen von 7 % im Apfelanbau bis 16,5 % bei der Erdbeererzeugung. Mit einem voraussichtlichen Plus von 16 % im Apfel- und 19% im Spargelanbau fallen die voraussichtlichen Kostensteigerungen in den neuen Ländern noch deutlich höher aus.

Nach Einschätzung von Thünen-Wissenschaftlerin Garming kann es dadurch zu Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des Anbaus kommen.

Landwirte bewerten Probleme unterschiedlich

Wie aus der Umfrage weiter hervorgeht, werden die mit dem Mindestlohn einhergehenden Probleme je nach Betriebsgröße unterschiedlich bewertet. Besonders bei der Lohnhöhe und dem Verwaltungsaufwand zeige sich, dass sich relativ kleine Betriebe mit weniger als 20 Saisonarbeitskräften deutlich stärker belastet fühlen.

Umgekehrt stellten die Begrenzungen bei der Lohndifferenzierung und die Unterschiede in den Nettolöhnen zwischen sozialversicherungspflichtigen und -freien Arbeitskräften für die großen Betriebe deutlich schwerwiegendere Probleme dar.

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