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Produktion und Förderung

Mineraldünger: Hersteller drosseln Produktion

von , am
09.02.2012

Mehr Angebot als Nachfrage: So stellt sich derzeit die Situation am Mineradüngermarkt dar. Das zeigen die niedrigen Kontraktpreise an den internationalen Spotmärkten.

© Mühlhausen/landpixel
Die Preise für alle späteren Termine im Kontrakthandel mit Mineraldünger liegen sogar deutlich unter den schon kräftig gefallenen aktuellen Spotmarktpreisen. Diese Marktentwicklung wird jetzt durch den US-Mineraldünger Hersteller Mosaic bestätigt. Anfang Februar meldet der weltweit größte Phosphatproduzent und einer der größten Kalihersteller, die Stilllegung beziehungsweise Drosselung weiterer Produktionskapazitäten. Für den Zeitraum von Februar bis Mai plant Mosaic wegen der anhaltend schwachen globalen Nachfrage die Reduzierung der Kaliproduktion um 20 Prozent. Dies entspricht einer Produktionsmenge von 440.000 Tonnen.

Große Hersteller reduzieren die Produktion

Die beiden weltweit größten Kaliproduzenten, die kanadische Potash Group und das russische Unternehmen Uralkali, haben ihre Produktion wegen der sich abschwächenden globalen Nachfrage ebenfalls gedrosselt. Dennoch bleiben die meisten großen Mineraldüngerhersteller bislang in ihren mittelfristigen Markteinschätzungen zuversichtlich, denn die Unternehmen sind überzeugt, dass die relativ hohen Getreide- und Ölsaatenpreise die Nachfrage wieder ankurbeln.
 
Dabei vergessen viele Hersteller allerdings, dass sich die Abgabepreise an die Landwirtschaft noch nicht den Spotmarktpreisen angepasst haben und dass die Schere zwischen beiden Preisstufen sowohl in den USA als auch Europa immer größer geworden ist. So lagen beispielsweise die Harnstoffpreise am Schwarzen Meer am 6. Februar bei 365 USD/t (281 Euro) und der Kontraktpreis für den April kostete nur noch gut 340 USD/t (262 Euro) und damit nochmals sieben Prozent weniger. Gegenüber November 2012 wäre dies ein Preisrückgang von mehr als 30 Prozent. Auch die Preise für Stickstoff, AHL-Dünger oder DAP weisen eine ähnliche Tendenz auf.
 
Lediglich am Kalimarkt halten sich auch die Spotmarktpreise bislang auf hohem Niveau, obwohl das Angebot die Nachfrage auch hier deutlich übersteigt. An den Exporthäfen in Vancover lagen die Preise für KCl Anfang Februar zwischen 490 und 510 US-Dollar und an den russischen Ostseehäfen zwischen 470 und 505 US-Dollar.

Hersteller erwarten Nachfrageerholung

Auch die kanadische Potash-Group hat ihre Produktion um ungefähr zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gedrosselt. Ural-Kali hält zwar an seiner letzten Produktionsprognose von 10,5 bis 10,8 Millionen Tonnen Jahresproduktion fest. Dies sind jedoch ebenfalls etwa acht bis zehn Prozent weniger als vor einem Jahr. Nach Einschätzung des Mosaic-Chefs verschieben die großen Händler ihren Einkauf weiterhin und ordern angesichts der Marktschwäche erheblich vorsichtiger als im letzten Jahr. Dies gilt nicht nur für den Kalimarkt sondern genauso für Phosphor- und Stickstoffdünger. Dennoch vertritt Mosaic ebenso wie Uralkali die Auffassung das die Nachfrage sich im weiteren Jahresverlauf erholen wird. Dies begründen die Hersteller mit den Anbauausdehnungen bei den wichtigsten Ackerkulturen in den USA aber auch in Russland und Europa.

Lagerbestände wachsen

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
In den USA hat der Nachfragerückgang im Dezember zu einem weiteren Bestandsaufbau bei Kali um 400.000 Tonnen geführt. Mittlerweile belaufen sich die Kalibestände in Nordamerika auf 2,5 Millionen Tonnen, den höchsten Stand seit zwei Jahren. Trotz der optimistischen Einschätzung für den weiteren Jahresverlauf prognostiziert die Potash Group wegen der Produktionskürzungen der verschiedenen großen Hersteller einen Rückgang der globalen Jahresproduktion auf 55 bis 58 Millionen Tonnen von zuvor 58 bis 60 Millionen Tonnen. Zeitgleich zu Mosaic hat auch PhosAgro, der größte russische Phosphorproduzent angekündigt, seine Produktion von DAP und MAP, den wichtigsten globalen Phosphordüngern, im ersten Quartal 2012 um rund 18 Prozent zu reduzieren.
 
Insgesamt zeigt sich, dass Angebot und Nachfrage an Mineraldüngermarkt längst nicht im Gleichgewicht sind und dass die Abgabepreise an die Landwirtschaft angesichts der gefallenen Spotmarktpreise zu hoch sind um die Nachfrage anzukurbeln.

Mehr zum Düngemittelmarkt finden Sie unter unserer agrarheute.com-Suche unter dem Stichwort Mineraldünger ...

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