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Produktion und Förderung

Mineraldünger International: Harnstoffpreise fallen weiter

© landpixel
von , am
18.06.2012

Am Weltmarkt ist der Nachfrageschub aus Nordamerika und Europa vorüber. Der Bedarf konzertiert sich jetzt stärker auf Asien (Indien, Pakistan) und Südamerika.

Während es bei Harnstoff eine kräftige Preiskorrektur gab, stabilisiert sich AHL auf niedrigem Niveau. © Mühlhausen/landpixel
Die globalen Spotmarktpreise reagieren erneut sehr heftig auf die sich verändernden Nachfrage- und Angebotsverhältnisse. Dabei entwickeln sich die verschiedenen Mineraldünger jedoch unterschiedlich. Mittelfristig wird sicherlich die weitere Preisentwicklung bei Getreide- und Ölsaaten über die Marktentwicklung entscheiden.

Kräftige Korrektur bei Harnstoff

Kräftig eingebrochen sind nach dem Preissprung im Frühjahr die internationalen Harnstoffpreise. Die Spotmarktpreise für den wichtigsten Stickstoffdünger rutschte an den großen Exportmärkten von April bis Mitte Juni um 20 bis 25 Prozent (%) nach unten und befinden sich damit wieder auf dem Niveau von Ende Februar. In den USA gaben die Harnstoffpreise (fob Golf) bis Mitte Juni sogar um fast 40 % nach. Zwar gab es Ende Mai und Anfang Juni auch Zukäufe aus Indien und Pakistan, jedoch orderten beide Länder jeweils nur kleine Mengen und spekulierten offenbar auf weiter fallende Preise. Auch aus Brasilien lagen eine ganze Reihe von Anfragen bei den Exporteuren vor. Gleichwohl hielten sich die physischen Geschäfte mit den Südamerikanern bislang in Grenzen, auch wenn der Bedarf groß sein dürfte.
 
Trotz der scharfen Korrektur liegen die Kontraktpreise für die nächsten Monate noch unter dem derzeit erreicht Niveau. Am US-Terminmarkt rechnet man von Juni bis Juli mit einem weiteren Preisrückgang von 15 bis 20 US-Dollar je Tonne (USD/t) auf ein Niveau von knapp 400 USD/t.

AHL auf niedrigerem Niveau stabilisiert

Die Spotmarkpreise für UAN/AHL sind zunächst den Harnstoffpreisen gefolgt. An den Exporthäfen in Russland (Ostsee), Rumänien und Ägypten gingen die Verkaufspreise von Mitte April bis Anfang Juni um 25 % (85 USD/t) zurück. Seit dem ist das Niveau jedoch relativ stabil und auch für die nächsten Wochen zeichnen sich auf Basis der derzeit abgeschlossenen Kontrakte kaum Preisveränderungen ab. Allerdings dürfte vor allem die Witterung in den USA (Maisgürtel) noch erheblichen Einfluss auf die Nachfrage haben, denn ohne Niederschläge dürfte sich der laufende Bedarf deutlich reduzieren.
 
Anfang Juni wurde zudem über Produktionsstillegungen in Rumänien und Litauen berichtet, was das Angebot für die nächsten Wochen spürbar reduzieren könnte.

Phosphordünger verteuert sich

Phosphordünger hat sich an den internationalen Spotmärkten zuletzt verteuert. In Kanada und den USA (fob Golf) kostete DAP-Dünger Mitte Juni 570 USD/t und damit rund 30 USD mehr als Mitte Mai und sogar 50 USD mehr als im April. Für die nächsten Wochen geht man am US-Terminmarkt jedoch von einem moderaten Preisrückgang aus. So liegen die DAP-Preise für Juli etwa 30 USD niedriger als im Juni.
 
Ein Grund für den jüngsten Preisanstieg waren offenbar Zukäufe Indiens. Zwar blieben die in den USA eingekauften Mengen deutlich unter den Erwartungen des Marktes, dafür waren die Preise mit 570 und 575 USD/t (inklusive Fracht) jedoch höher. Im September letzten Jahres hatten die Inder jedoch noch Preise von 677 (cfr) gezahlt. Auch Einkäufer aus Südamerika orderten bislang eher verhalten, jedoch gehen Analysten angesichts der erwarteten Flächenausweitung bei Soja von einer relativ kräftigen Nachfrage und mindestens stabilen Preisen aus.

Kali-Preise relativ stabil

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die internationalen Spotmarktpreise für Kalidünger waren im Mai sowohl in Nordamerika als auch an den russischen Ostseehäfen relativ stabil oder leicht schwächer. In Vancouver lagen die Spotmarkpreise für KCL-Standarddünger zu Monatswechsel zwischen 470 und 490 USD/t und an den russischen Ostseehäfen kostete KCL (Standard) zwischen 450 und 480 USD/t. Der wichtigste russische Hersteller Uralkali hat zudem den MOP-Preis für das zweite Halbjahr 2012 unverändert gelassen.
 
Angesichts der großen Lagerbestände auf dem indischen Subkontinent gehen Analysten bislang von einer schwachen indischen Nachfrage aus. Der russische Hersteller Uralkali berichtete Mitte Juni zudem über eine Vereinbarung mit brasilianischen Einkäufern. Die hier vereinbarten Preise waren offenbar deutlich höher als beim letzten großen Deal Ende März mit China.
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