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Produktion und Förderung

Mineraldünger ist zu teuer

© krick/agrar-press
von , am
22.02.2012

Die Feldarbeiten stehen an und noch immer zögern viele Landwirte mit Düngereinkauf: Internationale Spotmarktpreise und die Abgabepreise an die Landwirtschaft liegen sehr weit auseinander.

© agrar-press
Während die Spotmarktpreise in den letzten Wochen deutlich nachgegeben haben, blieben die Abgabepreise an die Landwirte relativ stabil. Für die meisten Mineraldünger gewähren die Händler kaum Preisnachlässe, denn überwiegend haben Sie diese Ware teurer eingekauft. Lediglich für Harnstoff und für AHL-Dünger hat es zwischenzeitlich moderate Preisabschläge gegeben.

Wachsende Lagerbestände

Dabei bleibt der Preis- und Angebotsdruck auf internationaler Ebene zunächst einmal bestehen und die meisten großen Hersteller kürzen ihre Produktion, um das Angebot der Nachfrage anzupassen. Die trifft sowohl auf die verschiedenen Stickstoffdünger als auch auf Phosphor und Kali zu. Aus Nordamerika melden die großen Phosphor- und Kalihersteller Potash-Group und Mosaic sogar die größten Bestände seit 2009 und drosseln ihre Produktion weiter.
 
Zumindest vor der Frühjahrsbestellung wollen Hersteller und Händler in Europa und den USA offenbar an den alten Preisen festhalten. Ob diese Strategie aufgeht, ist allerdings fraglich.

Dr. Olaf Zinke empfiehlt, mit dem Düngerkauf nicht mehr allzu lange zu warten - zumindest bei dem Dünger, der zeitnah benötigt wird. Ansonsten sollten Landwirte ihren Düngerkauf splitten, meint unser Marktexperte im Podcast ...

Nur Harnstoff etwas teurer

Die Spotmarktpreise zeigen für die kommenden Monate meist weiter nach unten und auch die Lagerbestände sind weiter angewachsen. Lediglich bei Harnstoff haben die Preise an den wichtigsten Handelsplätzen zuletzt etwas angezogen. Sowohl in Yuzhny (Schwarzes Meer) als auch in Ägypten und im Mittleren Osten mussten die Händler für kurzfristig georderte Ware Aufschläge zahlen. Am Schwarzen Meer kostete der Harnstoff am 20. Februar zwischen 380 und 390 US-Dollar je Tonne (USD/t) und beim Einkauf in Ägypten mussten europäische Einkäufer bis 455 USD/t zahlen. Diese Preise lagen rund 15 bis 20 USD/t höher als zum Beginn des Monates.
 
Dafür gaben die Preise für Stickstoff jedoch weiter nach und lagen zum Teil bereits unter den Harnstoffnotierungen. Auch die Preise für AHL-Dünger und für die verschiedenen Phosphordünger zeigen sich an den internationalen Spotmärkten weiter schwach. In vielen europäischen Ländern sind die AHL-Tanks an den Häfen und Verladeplätzen sehr gut gefüllt.
 
Etwas nachgegeben haben jetzt auch die Spotmarktpreise für Kali (KCL). An den Exporthäfen in Kanada kostete KCL Mitte Februar rund 10 bis 15 USD/t weniger als Ende Januar.

Kurzfristig wenig Veränderung

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Kurzfristig wird es für Landwirte jedoch schwer werden, deutliche Preisnachlässe im Einkauf zu erreichen. Mittelfristig werden sich Spotmarktpreise und Abgabepreise an die Landwirte jedoch annähern müssen. Vieles wird dabei von der weiteren Entwicklung der Getreidepreise und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Derzeit übersteigt das Angebot beziehungsweise die Produktion bei den meisten Düngerarten jedoch die Nachfrage und die Hersteller haben mit Überkapazitäten zu kämpfen. Hier wird sich der Handel wohl erst bei weiteren Preiszugeständnissen an die Landwirte beleben.
 
Notwendig wäre künftig zudem eine größere Transparenz an den Mineraldüngermärkten sowie Absicherungsmodelle für Landwirte und Händler. Dies wäre beispielsweise durch Terminkontrakte möglich.
 
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