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Produktion und Förderung

Nachgefragt: Mulchsaat und Direktsaat – eine Lösung für welche Fälle?

von , am
09.09.2011

Wir fragten drei Landwirte, welche Erfahrungen sie mit Mulch- und Direktsaat haben und wo die Grenzen für diese Verfahren liegen.

Kommt jetzt doch nicht: die neue Saatgutverordnung. © landpixel
Direktsaat mit Scheibensämaschine ohne Bodenbearbeitung
 
Lothar Stein,Hof Stein, Kerspenhausen, 36272 Niederaula Hessen 

Ich setze seit 20 Jahren auf konservierende Bodenbearbeitung und habe hier im Mittelgebirge sehr positive Erfahrungen damit gemacht. Ich bin auch Mitglied der der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung. Die zunehmenden Wetterextreme wie Starkniederschläge mit Erosionsgefahr sind für mich erst recht ein Grund für die Direktsaat. Ich verwende eine irische Direktsaatmaschine, es ist eine Scheibensämaschine ohne weitere Vorwerkzeuge zur Bodenbearbeitung. Diese wird als Saatbettbereitung vorher mit der Scheibenegge oder dem Kurzgrubber mit Walze gemacht. Damit bringe ich das Ausfallgetreide und die Ungräser, vor allem den Ackerfuchsschwanz zum Keimen und Auflaufen. Diese werden dann mit einer geringen Menge Glyphosat (1,0 l) abgespritzt. Der Häcksel muss sehr fein vermischt und flach eingearbeitet werden, ein bildliches Sprichwort sagt, "damit der Adler zum Schnecken und Mäuse fangen landen kann, sonst sticht er sich an den Stoppeln die Augen". Die Bodenverhältnisse zur Saat müssen trocken sein. weiterlesen...
 
Motivation zunächst Reduzierung der Arbeitsgänge, heute Mulchsaat
 
Wolfgang Ruch, Hof Rimmerode, 36277 Schenklengsfeld Hessen
 
Auf unserem Betrieb werden seit etwa 30 Jahren Erfahrungen mit der reduzierten Bodenbearbeitung gesammelt. Der ursprüngliche Beweggrund war eine Reduzierung der Arbeitsgänge zur Bodenbearbeitung auf den ausgesprochen tonigen Böden. Anfangs wurde auf die vorhandene Technik Grubber und Kreiselegge zurückgegriffen bevor dann Mitte der 1990er Jahre die erste spezielle Zinkenscharmaschine angeschafft wurde, die auch für die reine Direktsaat ausgelegt war. Heute wird in einer ausschließlichen Wintergetreide/Raps Fruchtfolge keine reine Direktsaat, sondern eine Mulchsaat durchgeführt. Nach Raps genügt meist eine einmalige Bodenbearbeitung mit dem Bomford Dyna Drive vor der Saat. Nach Getreidevorfrucht wird üblicherweise ein oder zweimal der Grubber eingesetzt, zu Raps auch durchaus bis 15 Zentimeter tief. Für unsere schweren und teilweise auch steinigen Böden brachte die Mulchsaat nicht nur die erhofften arbeitswirtschaftlichen Vorteile, sondern führte auch zu einer deutlich verbesserten Bodengare, wodurch eine ordnungsgemäße Saatbettbereitung viel leichter wurde und die Erträge langfristig stabiler werden ließ. weiterlesen...
 
Mulchsaat auf dem Betrieb bewährt 
 
Christian Hartje, Betriebsgemeinschaft Grebenstein, 34393 Grebenstein Hessen
 
Ich sehe die Mulchsaat grundsätzlich positiv, sie ist bodenschonend, erosionsmindernd, arbeitszeitsparend, schneller und termingerechter in den Spitzenzeiten. Außerdem hilft sie bei der Nematodenbekämpfung. Die Bodenart ist dabei eigentlich egal. Wir praktizieren Mulchsaat in der Regel zu Winterraps nach Getreide, Getreide nach Winterraps, Winterroggen nach Winterroggen, Winterweizen nach Zuckerrüben und Zuckerrüben in Senfmulch, haben aber trotzdem noch einen Pflug für Wintergerste nach Getreide. weiterlesen..
 
Angelika Sontheimer, Freie Agrarjournalistin
 

Mulchsaat und Direktsaat – eine Lösung für welche Fälle?

Lothar Stein, Hof Stein aus Kerspenhausen, 36272 Niederaula in Hessen.

Wendend oder nichtwendende Bodenbearbeitung zur Saat? Wir fragen Lothar Stein aus Niederaula nach seiner Meinung.


Marktfruchtanbau im hessischen Mittelgebirge
 
Mein Name ist Lothar Stein, ich bin Staatlich geprüfter Landwirt und bewirtschafte im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im Nordosten von Hessen einen Marktfruchtbetrieb mit 70-Hektar Ackerbau allein und mit einem Schlepper. Die durchschnittliche Bodenzahl beträgt 45 Bodenpunkte. In der Fruchtfolge stehen Roggen, Raps, Weizen und Sommergerste. Roggen baue ich zu 40 Prozent an.

Direktsaat mit Scheibensämaschine ohne Bodenbearbeitung

Ich setze seit 20 Jahren auf konservierende Bodenbearbeitung und habe hier im Mittelgebirge sehr positive Erfahrungen damit gemacht. Ich bin auch Mitglied der der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung. Die zunehmenden Wetterextreme wie Starkniederschläge mit Erosionsgefahr sind für mich erst recht ein Grund für die Direktsaat. Ich verwende eine irische Direktsaatmaschine, es ist eine Scheibensämaschine ohne weitere Vorwerkzeuge zur Bodenbearbeitung. Diese wird als Saatbettbereitung vorher mit der Scheibenegge oder dem Kurzgrubber mit Walze gemacht. Damit bringe ich das Ausfallgetreide und die Ungräser, vor allem den Ackerfuchsschwanz zum Keimen und Auflaufen. Diese werden dann mit einer geringen Menge Glyphosat (1,0 l) abgespritzt. Der Häcksel muss sehr fein vermischt und flach eingearbeitet werden, ein bildliches Sprichwort sagt, "damit der Adler zum Mäuse fangen landen kann, sonst sticht er sich an den Stoppeln die Augen". Die Bodenverhältnisse zur Saat müssen trocken sein.

Einschränkungen auf hochwassergefährdeten Böden und im Kartoffelanbau

Der Verzicht auf den Pflug seit 20 Jahren bedeutet eine gewisse Demechanisierung, dessen muss man sich als Ackerbauer bewusst sein. Ich persönlich sehe keine gravierenden Einschränkungen für das Verfahren, außer vielleicht bei hochwassergefährdeten Böden und regelmäßig überschwemmten Aueböden aber diese sollte man im Sinne einer guten fachlichen Praxis eh nur äußerst restriktiv bewirtschaften. Im Kartoffelanbau mag der Verzicht auf den Pflug vielleicht schwierig sein, in der Getreide-, Zuckerrüben- und Rapsproduktion sind Mulch- und Direktsaat hingegen etabliert. Anders wird es meiner Meinung nach in Zukunft gar nicht mehr gehen.  

Mulchsaat und Direktsaat – eine Lösung für welche Fälle?


Wendend oder nichtwendende Bodenbearbeitung zur Saat? Wir fragen Wolfgang Ruch aus Schenklengsfeld nach seiner Meinung.


Ackerbau und Schweinemast in der Rhön
 
Ich betreibe am Mittelgebirgsstandort am nördlichen Rand der hessischen Rhön mit stark wechselnden zumeist tonigen und teilweise steinigen Böden einen Ackerbau- und Schweinemastbetrieb.

Motivation zunächst Reduzierung der Arbeitsgänge, heute Mulchsaat

Auf unserem Betrieb werden seit etwa 30 Jahren Erfahrungen mit der reduzierten Bodenbearbeitung gesammelt. Der ursprüngliche Beweggrund war eine Reduzierung der Arbeitsgänge zur Bodenbearbeitung auf den ausgesprochen tonigen Böden. Anfangs wurde auf die vorhandene Technik Grubber und Kreiselegge zurückgegriffen bevor dann Mitte der 1990er Jahre die erste spezielle Zinkenscharmaschine angeschafft wurde, die auch für die reine Direktsaat ausgelegt war. Heute wird in einer ausschließlichen Wintergetreide/Raps Fruchtfolge keine reine Direktsaat, sondern eine Mulchsaat durchgeführt. Nach Raps genügt meist eine einmalige Bodenbearbeitung mit dem Bomford Dyna Drive vor der Saat. Nach Getreidevorfrucht wird üblicherweise ein oder zweimal der Grubber eingesetzt, zu Raps auch durchaus bis 15 Zentimeter tief. Für unsere schweren und teilweise auch steinigen Böden brachte die Mulchsaat nicht nur die erhofften arbeitswirtschaftlichen Vorteile, sondern führte auch zu einer deutlich verbesserten Bodengare, wodurch eine ordnungsgemäße Saatbettbereitung viel leichter wurde und die Erträge langfristig stabiler werden ließ.

Alte Pfade verlassen und über neue Denkansätze zum Erfolg kommen

Ich möchte zwischen Mulch- und Direktsaat unterscheiden: Eine erfolgreiche Mulchsaat ist sicherlich auf den meisten Standorten denkbar –und wird vielerorts ja auch so praktiziert wenn man bereit ist keine allzu enge und problematische Fruchtfolge zu fahren. Bei reinen Sandböden ist der Effekt der Dichtlagerung zu berücksichtigen und eine Tiefenlockerung vielleicht einmal in der Fruchtfolge einzuplanen. Die reine Direktsaat ist sicherlich weitaus anspruchsvoller in ihrer Umsetzung als die Mulchsaat. Hier kann man aus meiner Erfahrung nur dann erfolgreich sein, wenn man bereit ist, einen relativ hohen Anteil von Sommerungen und einen möglichst häufigen Wechsel von Blatt- und Halmfrüchten umzusetzen. Nur dann kann man Probleme wie Strohmattenbildung und Ungrasvermehrung im Griff behalten. Unsere Direktsaatversuche zeigten, dass es Probleme mit Mäusen und Schnecken in einem Ausmaß gab, die bei einem Verfahren mit Bodenbearbeitung nicht bekannt waren. Weiterhin zeigte sich, dass auf staunassen Böden der vollständige Verzicht auf jegliche Bodenbearbeitung zu erheblichen Mindererträgen führt. Diese Themen erhöhen das ackerbauliche Risiko doch deutlich und führen dazu, dass man schnell wieder bereit ist, eine ein- oder zweimalige Bodenbearbeitung durchzuführen, die viele der angesprochenen Probleme beseitigen kann. Trotzdem möchte ich das Verfahren Direktsaat nicht aus den Augen verlieren, allein deshalb, weil man hier gezwungen wird, alte Pfade zu verlassen und über neue Denkansätze zum Erfolg zu kommen.  
 
Wolfgang Ruch, Hof Rimmerode, 36277 Schenklengsfeld in Hessen 

Mulchsaat und Direktsaat – eine Lösung für welche Fälle?

Christian Hartje, Betriebsgemeinschaft Grebenstein, 34393 Grebenstein in Hessen.

Wendend oder nichtwendende Bodenbearbeitung zur Saat? Wir fragten Christian Hartje aus Grebenstein nach seiner Meinung.


300 Hektar in Betriebsgemeinschaft
 
Wir bewirtschaften in einer Betriebsgemeinschaft mit 2 Arbeitskräften 300 Hektar, davon 30 Hektar Zuckerrüben, 20 Hektar Winterroggen, 30 Hektar Biogasroggen, 50 Hektar Biogasmais, 130 Hektar Weizen, 25 Hektar Wintergerste und 45 Hektar Winterraps. Ab Oktober 2011 wird unsere Biogasanlage in den Gasbetrieb gehen, außerdem haben wir noch 450 Mastschweine sowie 40.000 Masthähnchen.

Mulchsaat auf dem Betrieb bewährt

Ich sehe die Mulchsaat grundsätzlich positiv, sie ist bodenschonend, erosionsmindernd, arbeitszeitsparend, schneller und termingerechter in den Spitzenzeiten. Außerdem hilft sie bei der Nematodenbekämpfung. Die Bodenart ist dabei eigentlich egal. Wir praktizieren Mulchsaat in der Regel zu Winterraps nach Getreide, Getreide nach Winterraps, Winterroggen nach Winterroggen, Winterweizen nach Zuckerrüben und Zuckerrüben in Senfmulch, haben aber trotzdem noch einen Pflug für Wintergerste nach Getreide.

Bodenverhältnisse müssen passen, Bewuchs darf nicht zu viel sein

Mulchsaat eignet sich meiner Meinung nach für alle Betriebe. Eine Direktsaat haben wir auch schon gemacht mit JD NoTill 750A, sie hat sich aber ohne Bodenbearbeitung nicht bewährt. Beide Verfahren halte ich dann für ungeeignet wenn die Bodenverhältnisse zu nass sind zu viel Bewuchs vorhanden ist oder das Strohmanagement nicht optimal war.  
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