Login
Produktion und Förderung

Nachgefragt: Was spricht für hofeigene Getreidelagerung?

von , am
10.05.2012

Das Getreide nach der Ernte verkaufen oder selbst auf dem Hof einlagern und das Erlösrisiko splitten? Wir fragten drei Landwirte, warum sie selber einlagern und welche Technik sie verwenden.

Die Agrarmärkte starteten mit fulminantem Auftakt in die neue Woche. Die Chicagoer Notierungen sind fester. © Jäger
Behrend Nottbohm, 31241 Ilsede, Niedersachsen
 
Wir lagern rund 2.900 Tonnen Getreide und Raps in den Silos vorhandener Altgebäude mit Belüftungskanälen und zusätzlicher Erwärmung der Außenluft über Heizölbrenner. Die Trocknung, Belüftung und Kühlung erfolgen über Außenluft. Die Beschickung erfolgt über Sumpf, Elevatoren und Schnecken. Außerdem haben wir als Neubau 2.000 Tonnen Getreidelager in Rundsilos mit Vollbelüftungsboden der Fa. Bintec. Die Befüllung und Entleerung der Silos erfolgen durch eine schlepperangetriebe Schnecke mit einer Leistung von etwa 280 Tonnen pro Stunde. Trocknung und Kühlung erfolgen nur über Außenluft. Die Entscheidung für die Lagerbelüftungstrocknung erfolgte, da wir in der Ernte auch bei feuchtem Getreide bis 18 Prozent schlagkräftig bleiben und uns nicht mit aufwendiger Trocknungstechnik beschäftigen müssen. Durch die gleichmäßige Verteilung im Silo mittels eines rotierenden Spreaders erfolgt ein schichtweises Einlagern des Getreides im Silo. Dieses verhindert Wärmenester im Silo und feuchte sowie trockene Partien gleichen sich durch Belüftung sehr gut aus. Zudem ist die Technik im Vergleich zu anderen Lager- und Aufbereitungsmöglichkeiten verhältnismäßig preiswert.
 

Hohe Befüll- und Entnahmeleistung

Jens Jäger, 38239 Salzgitter, Niedersachsen
 
Wir haben insgesamt 1.000 Tonnen hofeigene Lagerkapazität mit Kaltbelüftung. Die Befüllleistung beträgt 150 und die Entnahmeleistung 100 Tonnen pro Stunde. Zur Kaufentscheidung kam es aufgrund der niedrigen Investitionskosten von rund 100 Euro pro Tonne bei der Bintec-Technik, mit einer enorm hohen Leistung und überzeugender Technik. Es ist geplant, bei Bedarf die Anlage durch ein zweites Silo zu erweitern.
 

Unterschiede in der Entnahmetechnik

Ralf Geyer, Schirnsdorf, 96172 Mühlhausen, Bayern
 
Wir lagern sämtliches Getreide in Hochsilos ein und haben eine Reinigung, Trocknung und Kühlung auf dem Hof. Die Reinigung ist eine Damas-Fliehkraft-Reinigung. Unsere Lipp-Hochsilos aus verzinktem Blech sind jetzt 30 Jahre alt und haben einen Durchmesser von sechs Meter. Befüllt wird über einen Kanal mit Trogkettenförderer, entleert über einen Handschieber, wobei ein Rest von Hand geschaufelt werden muss. Hauptargument für die neuen 12-Meter-Bintec-Silos war die Entnahmetechnik mit der Fegeschnecke. Von der Hygiene her macht es keinen Unterschied, wir begasen die Silos einmal im Jahr und haben keine Probleme mit Schädlingen. Die Investitionskosten der kanadischen Silos waren allerdings deutlich günstiger.
 
 
Angelika Sontheimer, freie Agrarjournalistin

Nachgefragt: Was spricht für Getreidelagerung?

Behrend Nottbohm, Landwirt aus Ilsede in Niedersachsen.

Wie er bei seiner Getreidelagerung vorgeht, fragten wir Behrend Nottbohm aus Ilsede in Niedersachsen. Nottbohm bewirtschaftet 500 Hektar Ackerbau am Rande der Hildesheimer Börde.


Unsere GbR umfasst 500 Hektar (ha) Ackerbau am Rande der Hildesheimer Börde. Wir haben rund 650 mm Niederschlag und auf den Flächen sandige Lehme bis Lehm-Böden mit durchschnittlich 68 Bodenpunkten. Angebaut werden 110 ha Zuckerrüben, 80 ha Raps, 40 ha Industriekartoffeln und 270 ha Winterweizen. Die Durchschnittserträge sind 700 Dezitonnen (dt) Zuckerrüben, 48 dt Raps, 400 dt Kartoffeln und 95 dt Winterweizen. Der Arbeitskräftebesatz beträgt 0,7 Ak/100 ha.

Lagerung in Altgebäuden und Neubau von Rundsilos

Wir lagern rund 2.900 Tonnen Getreide und Raps in den Silos vorhandener Altgebäude mit Belüftungskanälen und zusätzlicher Erwärmung der Außenluft über Heizölbrenner. Die Trocknung, Belüftung und Kühlung erfolgen über Außenluft. Die Beschickung erfolgt über Sumpf, Elevatoren und Schnecken. Außerdem haben wir als Neubau 2000 Tonnen Getreidelager in Rundsilos mit Vollbelüftungsboden der Firma Bintec. Die Befüllung und Entleerung der Silos erfolgen durch eine schlepperangetriebe Schnecke mit einer Leistung von ca. 280 t/Std. Trocknung und Kühlung erfolgen nur über Außenluft.
 
Die Entscheidung für die Lagerbelüftungstrocknung erfolgte, da wir in der Ernte auch bei feuchtem Getreide bis 18 Prozent schlagkräftig bleiben und uns nicht mit aufwendiger Trocknungstechnik beschäftigen müssen. Durch die gleichmäßige Verteilung im Silo mittels eines rotierenden Spreaders erfolgt ein schichtweises Einlagern des Getreides im Silo. Dieses verhindert Wärmenester im Silo und feuchte sowie trockene Partien gleichen sich durch Belüftung sehr gut aus. Zudem ist die Technik im Vergleich zu anderen Lager- und Aufbereitungsmöglichkeiten verhältnismäßig preiswert.

Hoflagerung bringt logistische Vorteile

Wir lagern 100 Prozent des Getreides ein. Das hat in erster Linie logistische Vorteile, da bei entsprechender Mähdruschleistung keine Wartezeiten in der Transportlogistik anfallen. Den größten Vorteil sehe ich allerdings in der Annahme von feuchteren Partien, die einen Mähdruschstart auch mal morgens mit 18 Prozent ermöglichen. Durch die Durchmischung mit trockenen Partien wird mit geringem Belüftungs- und Trocknungsaufwand verkaufsfähige trockene Ware produziert. Die Vermarktung erfolgt dann über den ganzen Jahresverlauf je nach Marktlage.
 
Angelika Sontheimer, freie Agrarjournalistin

Nachgefragt: Was spricht für hofeigene Getreidelagerung?

Getreidebauer Jens Jäger aus Salzgitter in Niedersachsen.

Wie er bei seiner Getreidelagerung vorgeht, fragten wir Jens Jäger aus Salzgitter in Niedersachsen. Er bewirtschaftet 300 Hektar Ackerfläche im Harzvorland.


Die Flächen unseres Betriebes liegen im nördlichen Harzvorland in der Nähe der Stadt Salzgitter. Wir bauen 45 Hektar (ha) Zuckerrüben, 32 ha Biogas-Mais, 26 ha Gerste, 22 ha Roggen, 30 ha Raps und 130 ha Weizen an, 6 ha sind stillgelegt. Die gesamte Ackerfläche beträgt 300 ha. Das Arbeitskräfte-Verhältnis beträgt 0,4/100 ha.

Hohe Befüll- und Entnahmeleistung

Wir haben insgesamt 1.000 Tonnen hofeigene Lagerkapazität mit Kaltbelüftung. Die Befüllleistung beträgt 150  und die Entnahmeleistung 100 Tonnen pro Stunde. Zur Kaufentscheidung kam es aufgrund der niedrigen Investitionskosten von rund 100 Euro pro Tonne bei der Bintec-Technik, mit einer enorm hohen Leistung und überzeugender Technik. Es ist geplant, bei Bedarf die Anlage durch ein zweites Silo zu erweitern.

Bessere Verhandlungsspielräume

Die Hofeigene Lagerung ermöglicht einen besseren Verhandlungsspielraum bei der Vermarktung. Außerdem ist die eigene Lagerung meiner Meinung nach günstiger als Fremdlagerung. Die Weizenente kann auch auf Flächen in benachbarten Orten mit zwei 18 Tonner-Anhängern und einem Fahrer erledigt werden. Eine Druschleistung von 30 Tonnen pro Stunde kann so mit nur zwei Personen (ein Drescherfahrer und einer zum Transport) erreicht werden. Es entfallen die Transportzeiten zum Handel und Wartezeiten gehören der Vergangenheit an. Die Verteilung im Silo geschieht durch einen Spreader und das Getreide wird nur mit Außenluft gekühlt. Der Kontakt zum Unternehmen Bintec entstand auf der Agritechnica 2007, im Frühjahr 2008 wurde die Anlage gekauft. Diese Entscheidung habe ich noch nicht bereut.
 
Angelika Sontheimer, freie Agrarjournalistin

Nachgefragt: Was spricht für hofeigene Getreidelagerung?

Ralf Geyer bewirtschaftet 420 Hektar im bayerischen Mühlhausen.

Ralf Geyer aus Mühlhausen in Bayern berichtet, wie er bei der Getreidelagerung vorgeht.


Unser Betrieb liegt in Mittelfranken und umfasst 420 Hektar Mähdruschfrüchte. Wir bauen Winterweizen, Wintergerste, Triticale, Raps und Biogas-Mais an. Der Anteil Pachtflächen ist hoch. 30 Hektar sind im Eigenbesitz, der Rest ist gepachtet.

Unterschiede in der Entnahmetechnik

Wir lagern sämtliches Getreide in Hochsilos ein und haben eine Reinigung, Trocknung und Kühlung auf dem Hof. Die Reinigung ist eine Damas-Fliehkraft-Reinigung. Unsere Lipp-Hochsilos aus verzinktem Blech sind jetzt 30 Jahre alt, sie haben einen Durchmesser von sechs Meter. Befüllt wird über einen Kanal mit Trogkettenförderer, entleert über einen Handschieber, wobei ein Rest von Hand geschaufelt werden muss. Hauptausschlaggebend für die neuen 12-Meter-Bintec-Silos war die Entnahmetechnik mit der Fegeschnecke. Von der Hygiene her macht es keinen Unterschied, wir begasen die Silos einmal im Jahr und haben keine Probleme mit Schädlingen. Die Investitionskosten der kanadischen Silos waren allerdings deutlich günstiger.

Bessere Erntelogistik bei eigener Lagerung

Wir können die gesamte Ernte selber lagern und verkaufen dann je nach Marktlage. Meist gibt es später bessere Preise als direkt in der Ernte. Ein Verkauf während der Ernte ist zu aufwändig, da wir bis zu sechs Stunden Wartezeit beim Landhandel haben. Wir dreschen mit unserem eigenen Mähdrescher und sind damit etwas flexibler.  Bei unseren teilweise zwei Hektar großen Feldern fahren wir, da wir jeden Schlag extra erfassen, mitunter auch halbe Anhänger nachhause. Da kommt uns die eigene Reinigung und Lagerung entgegen.
 
Angelika Sontheimer, freie Agrarjournalistin
Auch interessant