Login
Produktion und Förderung

Nährwertkennzeichnung: 'Riesenaufwand für Direktvermarkter'

von , am
17.03.2014

München - Einen Riesenaufwand und hohe Kosten würde die verpflichtende Nährwertangabe Kleinerzeugern einbringen. Ob die neue EU-Verordnung sie berührt, steht allerdings noch nicht fest.

 
Eine neue EU-Verordnung fordert, dass ab 13. Dezember 2016 die Nährwerte auf vorverpackten Lebensmitteln angegeben werden. Das heißt, ein zusätzliches Etikett ist erforderlich. Auf dem müssen der Brennwert des Produkts in Kilojoule und Kalorien pro 100 Gramm angegeben werden, sowie die Mengen an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz. Für landwirtschaftliche Direktvermarkter und Kleinerzeuger würde eine Kennzeichnungspflicht mehrere Probleme mit sich bringen. Das zeigt eine Umfrage von agrarheute.com auf Münchener Bauernmärkten.

Ausnahmen für bestimmte Lebensmittel

Grundlage für die verpflichtenden Nährwertangaben ist eine neue EU-Verordnung - die Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV). Am 25. Oktober 2011 haben das Europäische Parlament und der Rat sie erlassen. Die LMIV ist am 12. Dezember 2011 in Kraft getreten. Die Nährwertdeklaration wird ab dem 13. Dezember 2016 Pflicht.
 
Die LMIV gilt für alle Lebensmittelunternehmer, unter dessen Namen oder Firma das Lebensmittel vermarktet wird. Ob nun landwirtschaftliche Direktvermarkter und Kleinerzeuger von der EU-Nährwertkennzeichnungspflicht betroffen sind, das muss allerdings noch geklärt werden. Denn die LMIV sieht Ausnahmen für bestimmte Lebensmittel vor. Beispielsweise gelten die verpflichtenden Nährwertangabennichtfür:
  • unverarbeitete Erzeugnisse, die nur aus einer Zutat oder Zutatenklasse bestehen
  • verarbeitete Erzeugnisse, die lediglich einer Reifungsbehandlung unterzogen wurden und die nur aus einer Zutat oder Zutatenklasse bestehen
  • Lebensmittel, einschließlich handwerklich hergestellter Lebensmittel, die durch den Hersteller von kleinen Mengen von Erzeugnissen direkt an den Endverbraucher abgegeben werden.

Kostendruck und Aufwand steigen

Schon jetzt müssen sich landwirtschaftliche Produzenten mit zahlreichen Anforderungen aus den Rechtsbestimmungen in der Direktvermarktung auseinandersetzten und unterliegen strengen Kontrollen. Mit zusätzlichen Auflagen wächst der Druck. Nicht zuletzt fallen Aufwand und Kosten ins Gewicht.
 
Zunächst ist an die Etikettierung zu denken. Obwohl sich Direktvermarkter an die Rezepturen halten, gleicht doch kein Erzeugnis dem anderen. Das bedeutet, für jedes einzelne Produkt müsste ein neues Etikett erstellt werden. Außerdem müsste bei neuen Rezepturen eine neue Analyse gemacht und das Etikett neu produziert werden. Direktvermarkter Hans Kellner aus Tegernbach kommentiert: "Es macht für uns mehr Schwierigkeiten als für einen Großbetrieb, der tonneweise Produkte herstellt und die Deklarierung und Untersuchung nur einmal braucht."
 
Was die Analyse betrifft, lassen sich die Nährwerte beispielsweise durch allgemein anerkannte Daten berechnen. Das ist jedoch kompliziert und "wäre ein Riesenaufwand", findet Alexandra Fischer, Direktvermarkterin aus Rothenrain/Wackersberg.

Analyse drückt den Gewinn

Um bei der Deklaration auf Nummer sicher zu gehen, würden die Kleinerzeuger ihre Waren an Lebensmittelanalytiker abgeben. Das kostet und drückt auf die Gewinnmarge. Wenn die Kosten immer höher werden, wird das auch der Käufer spüren. "Irgendwann müssen wir Kosten umlegen. Darüber wird der Verbraucher nicht erfreut sein", sagt Alexandra Fischer.
 
Es gibt Direktvermarkter, die sehen sich gezwungen, keine vorverpackten Waren wie Marmeladen, Nudeln, Desserts oder Feinkostsalate mehr auf den Märkten zu verkaufen. So wie Hubert Higl, Landwirt und Direktvermarkter aus Haunswies/Aichach-Friedberg. Wenn er die Verkaufspreis noch stärker erhöhen müsste, würde kaum jemand mehr die Produkte kaufen. In letzter Konsequenz "müsste man es aufhören, weil es sich nicht mehr rentiert".

Käufer achten auf Geschmack und Frische

Damit dreht sich die Spirale weiter. Denn mit jedem weichendem Kleinerzeuger auch ein Stück an Vielfalt, Rationalität und der Individualität verloren.
 
Aber genau deswegen kommen die Einkäufer auf den Wochenmarkt. Für sie zählen nicht die Nährwertangaben, sondern die Vielfalt der Produkte, die hohe Qualität, Frische, Geschmack und das Vertrauen zu den Erzeugern.  
Auch interessant