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Produktion und Förderung

Nebenerwerbsoffensive soll Nachwuchsproblem lösen

© Mühlhausen/landpixel
von , am
13.12.2013

Zwei Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern stehen wegen fehlender Hofnachfolge vor dem Aus. Um dem Strukturwandel zu begegnen, fordert die SPD eine Nebenerwerbsoffensive.

Immer seltener ist die Hofnachfolge gesichert. © Mühlhausen/landpixel
Der agrarpolitische Sprecher der Bayern SPD-Landtagsfraktion Horst Arnold schlägt Alarm: "Zwei Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern stehen vor dem Aus!" Die Antwort auf eine von ihm gestellte Anfrage an den Landwirtschaftsminister habe klar bewiesen, dass weder der Rückgang der Betriebe gestoppt werden konnte noch die Nachwuchssorgen vom Tisch seien. Arnold: "Bayernweit geben nur 37 Prozent der Bäuerinnen und Bauern an, dass die Hofnachfolge gesichert ist."
 

Förderung von Nebenerwerbsbetrieben

Nötig sei nun, die Vereinbarkeit von Betrieb und Beruf zu fördern: "Wir brauchen eine Nebenerwerbsoffensive, die bereits in der Ausbildung der künftigen Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit der Betriebsführung neben einem Vollzeit- oder Halbtagsjob berücksichtigt", so Arnold. Zum Beispiel müssten, so der SPD-Abgeordnete kleinere Betriebe von bürokratischen Auflagen befreit werden, welche viele Landwirte beklagen.
 
In den letzten drei Jahren sei die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 117.000 auf 111.000 gesunken, obwohl die wirtschaftliche Lage positiv zu beurteilen war. "Jeder Betrieb, der seine Tore schließt, ist ein Verlust an Arbeitsplätzen und Kultur im ländlichen Raum. Die Förderung von mittelständischen Betrieben muss intensiviert werden!", betonte Arnold. Auch in der landwirtschaftlichen Alterssicherung der Nebenerwerbslandwirtinnen und -landwirte sieht der Agrarexperte Novellierungsbedarf.

BDL: Streitpunkt Hofabgabeklausel

Vergangene Woche diskutierten Delegierte des Bunds der Landjugend mit dem Staatssekretär des Bundesagrarministeriums, Dr. Robert Kloos, zur Zukunft des landwirtschaftlichen Nachwuchses. Das Thema agrarische Bildung lag im Fokus: "Hier muss das Bundeslandwirtschaftsministerium noch stärker als bisher tätig werden.", betonte die BDL-Bundesvorsitzende Magdalena Zelder. Irritiert zeigte sie sich über die geplante Neugestaltung der Hofabgabeklausel. Magdalena Zelder: "Bei einer Neugestaltung der Hofabgabeklausel müssen wir als gleichwertige Gesprächspartner mit am Verhandlungstisch sitzen. Es geht schließlich um unsere Zukunft!"

DBV: Mehr Nachwuchswerbung

"Trotz der bundesweit insgesamt stabilen Entwicklung der Ausbildungszahlen des laufenden Ausbildungsjahres 2013/2014 in den Berufen der Landwirtschaft wird der Berufsstand nicht umhinkommen, Aktivitäten zur Berufsinformation und Nachwuchswerbung für die Grünen Berufe weiter auszubauen." Dieses Fazit zogen die Mitglieder des DBV-Fachausschusses für Berufsbildung und Bildungspolitik.
 
Die berufliche Fortbildung mittels Meisterprüfung oder Fachschule entwickele sich derzeit zwar positiv, doch reiche die Zahl der Absolventen bislang nicht aus. Mit Sorge betrachten die Mitglieder des Fachausschusses zudem den Mangel an qualifizierten Lehrern für die berufsbildenden Schulen, die eine entscheidende Bedeutung für die Sicherung von Qualität und Akzeptanz der landwirtschaftlichen Berufsbildung hätten.
 

Nur 6 Prozent unter 35 Jahre

Laut letzten EU-Erhebungen beläuft sich die Zahl der europäischen Landwirte unter 35 auf nur sechs Prozent, während die über 65-jährigen 30 Prozent stellen. Die Übergabe eines landwirtschaftlichen Betriebs an die nachfolgende Generation stellt somit eher die Ausnahme dar. Um die Hofnachfolge zu sichern hat die EU sich bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik auf eine Junglandwirteförderung geeinigt. Junglandwirte erhalten für die nächste Förderperiode eine zusätzliche Förderung von rund 50 Euro pro Hektar über insgesamt fünf Jahre.
 
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