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Risikomanagement

Neue Versicherung gegen Dürre von der Vereinigten Hagel

Ein verdorrter Maisbestand
am Samstag, 05.09.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Vereinigte Hagel führt eine neue Indexversicherung gegen Dürre ein. Alle Kulturen einschließlich Grünland können gegen Trockenheit abgesichert werden.

Bisher konnten Landwirte bei der Vereinigten Hagelversicherung das Dürrerisiko nur über eine Indexversicherung abdecken, die auf das Ertragsdefizit im jeweiligen Landkreis abstellt. Vor allem bei großen Landkreisen mit sehr unterschiedlichen natürlichen Gegebenheiten kann das für den Einzelbetrieb nachteilig sein.

Doch jetzt führt die Versicherungsgesellschaft ein neues Modell ein, dass ausschließlich auf die Niederschlagsmenge in einem sehr kleinräumigen Raster abstellt.

Ackerkulturen, Grünland und Sonderkulturen können gegen Dürre versichert werden

Beim „Farmindex Dürre N“, so der Name des neuen Tarifs, orientiert sich die Entschädigung ausschließlich am Niederschlag auf dem Betrieb. Dabei wählt der Landwirt ein Niederschlagsraster aus dem regionalisierten Raster (REGNIE) des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die Auflösung des Rasters beträgt 1 Quadratkilometer. Andere Einflussgrößen werden nicht berücksichtigt.

Die versicherbaren Kulturen sind in Gruppen eingeteilt:

  • Landwirtschaftliche Kulturen (zB Getreide, Kartoffeln, Raps, Zuckerrüben usw.)
  • Grünland
  • Obst
  • Gemüse
  • Wein
  • Hopfen
  • Tabak
  • Sonstige Sonderkulturen

Ausschlaggebend ist allein die Niederschlagsmenge

Dürremonitor vom 24.8.2020 für den Gesamtboden

Der Versicherungsnehmer wählt den Haftungszeitraum. Dafür bietet die Versicherung verschiedene Optionen. Sie unterscheiden sich nach der Kulturgruppe. Festzulegen sind die Versicherungssumme und die Entschädigungspauschale. Letztere kann sich zwischen 10 und 50 Prozent der Versicherungssumme bewegen.

Außerdem muss der Schwellenwert für den Niederschlag bestimmt werden. Wenn die festgelegte Regenmenge in einem gleitenden Zeitfenster unterschritten wird, zahlt die Versicherung die Entschädigungspauschale automatisch aus. Eine Begutachtung vor Ort findet nicht statt.

So wird die Entschädigung berechnet

Ein Landwirt könnte zum Beispiel 100 Hektar Mais im Wert von 1.500 Euro pro Hektar dagegen versichern wollen, dass innerhalb eines gleitenden Zeitfensters von 56 Tagen weniger als 30 mm Regen fallen. Dann würde die Versicherungssumme 150.000 Euro betragen.

Bei einer Entschädigungspauschale von 20 Prozent würde die Versicherung beim Unterschreiten der Niederschlagsmenge 30.000 Euro auszahlen. Mit diesem Geld könnte der Versicherungsnehmer zum Beispiel dringend benötigtes zusätzliches Grundfutter zukaufen.

Eine Grundabsicherung des Risikos Trockenheit ist nach Angaben der Vereinigten Hagel ab etwa 2 Prozent der Versicherungssumme als Beitrag möglich. Je nach Kultur, gewählter Niederschlagsmenge, Region und Entschädigungsleistung kann der Beitrag variieren. Die genauen Tarife will die Versicherung nach eigenen Angaben in der zweiten Septemberhälfte festlegen.

Versicherung setzt auf die Einführung von Prämienzuschüssen

Thomas Gehrke, Vorstand der Vereinigten Hagel

Die Vereinigte Hagel geht nicht davon aus, dass der neue Tarif gleich zur Markteinführung eine große Akzeptanz erzielen wird. Die Assekuranz bereitet sich mit der Erweiterung des Portfolios jedoch darauf vor, dass im Rahmen der EU-Agrarpolitik bald auch in Deutschland flächendeckend staatliche Prämienzuschüsse zu Mehrgefahrenversicherungen angeboten werden könnten. „Die Weichen auf EU-Ebene sind eindeutig gestellt“, sagt jedenfalls Vorstand Thomas Gehrke.

Erste Pilotvorhaben laufen in Baden-Württemberg und Sachsen. Bayern, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz bereiten den Einstieg vor. Ohne staatliche Zuschüsse werde eine Dürreversicherung aber voraussichtlich unbezahlbar bleiben, sagt Gehrke.

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