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Kommentar

Niedersachsen: Schwerer Stand im Wolfsland Nr. 1

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
23.02.2016

Seinen Tierhaltern hat Niedersachsen jede Unterstützung in Sachen Wolfsmanagement versprochen und dabei weitgehend versagt: Im vergangenen Jahr gab es hier erstmals mehr Wolfsangriffe auf Nutztiere als in Sachsen. LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan kommentiert die Situation.

Beim Thema Wolf hat Niedersachsen nahezu unbemerkt eine neue Spitzenposition im Vergleich der Bundesländer eingenommen: Im vergangenen Jahr gab es hier erstmals mehr Wolfsangriffe auf Nutztiere als in Sachsen, das bisher als das Wolfsland Nr. 1 galt.

Mit 57 Angriffen, bei denen insgesamt 190 Tiere getötet wurden oder zu Schaden kamen, gebührt dieser zweifelhafte Ruhm nun den Norddeutschen. Sachsen verzeichnete 56 Angriffe mit 168 geschädigten Tieren.

Zahl der Wolfsübergriffe stark angestiegen

Der große Unterschied aber besteht im Tempo. Während in Sachsen seit 2002 Schäden auftreten, die von Jahr zu Jahr stark schwanken, steigt die Zahl der Wolfsübergriffe hierzulande steil an: Waren es 2012 noch sechs, folgten im Jahr darauf 16; für 2014 sind 27 ausgewiesen - bis 2015 gab es also fast eine Verdoppelung von Jahr zu Jahr.

Weidetierhalter, vor allem aber Schäfer verfolgen diese Entwicklung mit großer Sorge. Ihre immer wieder neu vorgetragenen Forderungen nach Unterstützung wurden jedoch offenbar von der Landesregierung bisher nicht ernst genug genommen.

Schafhalter contra Umweltministerium

Das wurde während der Anhörung des Agrarausschusses im Niedersächsischen Landtag in der vorigen Woche mehr als deutlich. Mit dem für den Wolf zuständigen Umweltministerium gingen vor allem die Verbände der Schafhalter hart ins Gericht, weil zugesagte Maßnahmen ausgeblieben sind. Deutlich wurde bei der Befragung durch die Abgeordneten zudem, dass die Zusammenarbeit der Behörden nicht funktioniert.

Panne bei Besenderung von Wölfen

Überraschen konnte das nach der Anfang des Monats bekannt gewordenen, schweren Panne mit der Besenderung allerdings kaum noch.

Zwei der Sender, mit denen im vorigen Jahr für viel Geld Wölfe aus auffälligen Rudeln versehen wurden, waren über Wochen ausgefallen, ohne dass die Behörden darauf reagierten.

Aktuelle Wolfsrisse schneller bearbeiten

Immerhin kommt nach der Anhörung etwas Bewegung in den Apparat von Umweltminister Wenzel. Die Bearbeitung von aktuellen Wolfsrissen - in diesem Jahr bereits sechs an der Zahl - soll endlich beschleunigt werden, indem man zwei neue Veterinäre einstellt. Damit würde wenigstens eine Minimalforderung der Schäfer erfüllt.

Tierhalter ohne Rückendeckung

Um der Weidetierhaltung in Wolfsgebieten tatsächlich eine Perspektive zu geben, reicht dies noch lange nicht aus. Dass die Landesregierung die Tierhalter mit ihren Problemen weitgehend allein lässt, hat sicher auch damit zu tun, dass sich der Landwirtschaftsminister in dieser Frage noch immer nicht vernehmlich gegenüber seinem Kollegen Umweltminister positioniert hat.

Der Kommentar erschien ursprünglich in der LAND & Forst (Ausgabe 7/2016).

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