Login
Produktion und Förderung

NRW beschränkt Anbau von Weihnachtsbäumen im Wald

von , am
05.12.2013

Düsseldorf - Weihnachtsbaum- und Schmuckreisigkulturen gelten in Nordrhein-Westfalen nicht mehr als Wald. Damit geht die Landesregierung gegen den Anbau von Weihnachtsbaumkulturen im Wald vor.

NRW-Landtag verabschiedet neues Landesforstgesetz. © Mühlhausen/landpixel
Der Düsseldorfer Landtag hat mit den Stimmen der SPD, der Grünen und der Piraten eine Änderung des Landesforstgesetzes beschlossen, nach dem der Weihnachtsbaum- und Schmuckreisigkulturen künftig vom Waldbegriff ausgenommen sind. Damit werden Weihnachtsbaumkulturen auf Waldflächen mit denen außerhalb des Waldes gleichgestellt.
 
Während für Kulturen außerhalb des Waldes wie bisher eine landschaftsbehördliche Genehmigung zu beantragen sei, müsse bei einer Neuanlage von Weihnachtsbaumkulturen auf Waldflächen in Zukunft eine Umwandlungsgenehmigung eingeholt werden, heißt es in dem jetzt angenommenen Gesetzentwurf. Dadurch werde es der Forstbehörde ermöglicht, die Neuanlage von Weihnachtsbaumkulturen zu untersagen oder mit Auflagen zu versehen.

Übergangsregelung gilt

Für Bestände, die bis zum Inkrafttreten des Änderungsgesetzes bereits angelegt waren, wurde eine Übergangsregelung geschaffen. Demnach müssen Weihnachtsbaumkulturen im Wald spätestens bis zum 1. Januar 2029 wieder in eine übliche Waldbewirtschaftung überführt werden. Der Zeitraum gewährleiste die Amortisation der getätigten Investitionskosten und ermögliche eine Anpassung der Produktion an die veränderte Gesetzeslage.

Sorge um Zukunft der Produktion

Der Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen sieht den Weihnachtsbaumanbau in dem Bundesland durch den Landtagsbeschluss deutlich erschwert.
 
Erleichterungen durch vertragliche Vereinbarungen seien zwar in letzter Minute von der Regierung noch zugesagt worden, doch "was letztendlich vertraglich zu regeln ist, können die Waldbesitzer in Nordhrein-Westfalen nicht einschätzen", unterstrich Verbandsvorsitzender Dr. Philipp Frhr. Heereman. Er ermahnte die Politik eindringlich, den Waldbesitzern einen fairen Vertrag anzubieten.

Südwestfalen ist starke Anbauregion

Heeremann betonte, es sei zu hoffen, dass der "heimische" Christbaum nicht in Zukunft aus Dänemark oder der Ukraine komme. Die regionale Weihnachtsbaumproduktion sei durch kurze Transportwege besonders klimaschonend und sichere in Nordhrein-Westfalen darüber hinaus Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Laut Zahlen der Landesregierung stammt mittlerweile jeder dritter Weihnachtsbaum, der in Deutschland aufgestellt wird, aus Südwestfalen. Dort hat der Anbau in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Die Region ist inzwischen das wichtigste europäische Produktionsgebiet und umfasst zusammen etwa 18.000 Hektar Christbaumkulturen, davon 4.080 Hektar Waldflächen.

Viele neue Kulturen nach Kyrill

Zu deren Ausweitung hat gemäß Angaben der Landesregierung 2007 der Sturm Kyrill beigetragen. Zwischen 2007 und 2011 wurden landesweit 2.200 geschädigte Waldflächen mit Weihnachtsbaumkulturen bepflanzt, anstatt sie wieder als Wald aufzuforsten. Auch im vergangenen Jahr wurde weiterer Wald in Kulturen umgewandelt. Mit weiteren Neuanlagen ist nach Einschätzung der Landesregierung zu rechnen. Diese Entwicklung sei problematisch, weil Weihnachtsbäume in Intensivkulturen erzeugt würden. Als Folge komme es auf den Arealen zu einer ökologischen Verarmung, Bodenverlusten und einer geringeren Bodenfruchtbarkeit, einem Verlust an Lebensräumen für Tier- und Pflanzenarten sowie einer Veränderung des Landschaftsbildes.

Tannenproduktion: Christbäume zum Selbstfällen

 
Auch interessant