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Produktion und Förderung

Ökologische Vorrangflächen: Nachbessern erlaubt - so geht's

von , am
30.07.2015

Haben Sie im Mehrfachantrag ökologische Vorrangflächen angegeben, die nicht mehr zur aktuellen Situation passen? Kein Problem, beim Flächenwechsel haben Sie jetzt mehr Flexibilität.

Ökologische Vorrangflächen mit Zwischenfruchtanbau oder Grasuntersaat können jetzt korrigiert werden. Im Bild: Luzerne. © landpixel
Wer im Mehrfachantrag ökologische Vorrangflächen (ÖVF) mit Zwischenfruchtanbau oder Grasuntersaat angegeben hat, kann diese Fläche jetzt leichter korrigieren, berichtet der Bayerische Bauernverband. Der Verband und das bayerische Landwirtschaftsministerium hatten sich im Vorfeld bei der EU-Kommission für diese Korrekturmöglichkeit stark gemacht. Das kann vor allem für Betriebe interessant sein, die wegen der Trockenheit Flächen für Futterzwecke nutzen wollen.
 
Konkret: Sie haben im Mehrfachantrag einen Schlag X für den ÖVF-Zwischenfruchtanbau vorgesehen, würden den Anbau ÖVF-Zwischenfruchtanbau jetzt aber lieber auf Schlag Y einer anderen Fläche durchführen. Dann greift die Erleichterung für sie.
 
Denn genau dafür sieht das Landwirtschaftsministerium seit Mitte dieser Woche die Möglichkeit der Selbstberichtigung vor. Die Flexibilisierung gilt bundesweit, kann aber in den einzelnen Bundesländern in Nuancen abweichen. Die folgenden Details beziehen sich auf Bayern.

Selbstberichtigung in Hauptkulturen: So geht's

  • Die Berichtigung erfolgt schriftlich (Landwirt wendet sich ans Landwirtschaftsamt - auch per Fax möglich).
  • Der Flächenwechsel zur Umsetzung von ÖVF-Zwischenfrüchten oder ÖVF-Untersaaten kann nur auf eine andere, im Mehrfachantrag angegebene landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) des Betriebs erfolgen.
  • Die Berichtigung darf nicht dazu führen, dass vom Umfang her mehr ÖVF ausgewiesen werden als ursprünglich im Antrag bereits angegeben worden sind.
  • Das Landwirtschaftsamt erfasst diese Berichtigung und dokumentiert sie.
  • Der Landwirt muss nach wie vor mindestens fünf Prozent (%) ÖVF erreichen. 

Ökologische Vorrangflächen verringern: Cross Compliance beachten

Achtung: Auch in den Fällen, in denen kein Austausch der ursprünglich ausgewiesenen Flächen für ÖVF-Zwischenfrüchte oder ÖVF-Grasuntersaaten vorgesehen ist, sondern nur eine Verringerung der überzähligen ÖVF (beispielsweise Verringerung von 8 % ausgewiesenen ÖVF-Zwischenfrüchten auf 5,5 %) sollten Sie diese Änderung unbedingt im Vorfeld beim zuständigen Amt zu melden.
 
Hintergrund ist hier die Cross Compliance-Verpflichtung, nach der ÖVF-Zwischenfrüchte und ÖVF-Grasuntersaaten über das Kalenderjahr hinaus auf der Fläche belassen werden müssen. Meldet ein Landwirt hier eine vorgenommene Verringerung nicht, kann über eine Vor-Ort-Kontrolle ein CC-Verstoß mit Sanktion folgen.
 
Wichtig: Der ÖVF-Anteil darf dabei nicht unter 5 % der Ackerfläche sinken, ansonsten liegt ein Greeningverstoß vor.

Stickstoffbindende Pflanzen: Was tun bei schlechtem Auflauf?

Die Vorschriften für stickstoffbindende Pflanzen als ökologische Vorrangfläche sehen folgendermaßen aus:
  • großkörnigen Leguminosen müssen sich mindestens bis 15. August auf der Fläche befinden
  • bei kleinkörnigen Leguminosen endet der entsprechende Zeitraum am 31. August
Sind die Leguminosen beispielsweise wegen der Trockenheit schlecht aufgelaufen und der Aufwuchs ist nicht erntewürdig, kann der Schlag dennoch als ökologische Vorrangfläche angerechnet werden. Voraussetzung ist, dass Sie einen ordnungsgemäßen Anbau glaubhaft machen können.
 
Ein vorzeitiger Umbruch der Flächen ist allerdings nicht erlaubt; die zuvor genannten Fristen müssen eingehalten werden. Ausnahmeregelungen zur vorzeitigen Ernte (Landwirte können großkörnige ÖVF-Leguminosen bei Anmeldung am Amt drei Tage zuvor auch vor dem 15.8. ernten) greifen in diesem Fall nicht.

Einsatz von Schwarzkalk: Das ist erlaubt

Schwarzkalk aus der Herstellung von Kalkstickstoff ist nach der aktuell gültigen Düngemittelverordnung als Kalkdünger eingereiht. Deshalb darf Schwarzkalk bei ÖVF-Zwischenfrüchten und ÖVF-Grasuntersaaten im Antragsjahr nach der Vorkultur eingesetzt werden.
 
Ansonsten ist nach § 18 Abs. 3 DirektZahlDurchfG nach der Vorkultur der Einsatz mineralischer Stickstoffdüngemittel nicht erlaubt.

Vor-Ort-Kontrolle: Vereinfachte Korrekturmöglichkeiten

Ebenfalls neu: Die EU-Kommission erlaubt sei kurzem bei Vor-Ort-Kontrollen der ökologischen Vorrangflächen einen Flächenausgleich
 
Werden also bei der Kontrolle auf beantragten Flächen als ÖVF anrechenbare Flächen oder CC-Landschaftselemente (CC-LE) festgestellt, die der Landwirt eigentlich im Mehrfachantrag nicht als ÖVF angerechnet haben wollte, sind diese als ermittelt beim betreffenden VOK-Schlag bzw. VOK-LE zu erfassen. Diese Schläge und Landschaftselemente können vom betroffenen Landwirt zum Ausgleich genutzt werden, wenn ihm bei der Kontrolle eine eigentlich vorgesehene ÖVF-Fläche aberkannt wird.
 
Nicht möglich ist, dass ein Landwirt im Mehrfachantrag nur 4,5 % ÖVF angeben hat und er dann bei der Vor-Ort-Kontrolle auf 5 % nachbessern kann.  

Steckbrief: 'Neue' Zwischenfruchtarten auf dem Acker

Alexandrinerklee (Leguminose) besitzt eine geringe Konkurrenzkraft und hat hohe Saatbettansprüche. © Feldsaaten Freudenberger GmbH & Co. KG
Der Buchweizen ist ein Knöterichgewächs. © Feldsaaten Freudenberger/P.H. Petersen Saatzucht/DSV Deutsche Saatveredelung
Seine Winterhärte ist sehr gering. © Feldsaaten Freudenberger/P.H. Petersen Saatzucht/DSV Deutsche Saatveredelung
Die Jugendentwicklung des Buchweizens wird als schnell eingestuft. © Feldsaaten Freudenberger/P.H. Petersen Saatzucht/DSV Deutsche Saatveredelung
Öllein (Leingewächs) hat ebenso hohe Saatbettansprüche. © Feldsaaten Freudenberger/P.H. Petersen Saatzucht/DSV Deutsche Saatveredelung
Sein Aussam-Risiko ist gering. © Feldsaaten Freudenberger/P.H. Petersen Saatzucht/DSV Deutsche Saatveredelung
Ramtillkraut gehört zu den Korbblütlern. © Feldsaaten Freudenberger/P.H. Petersen Saatzucht/DSV Deutsche Saatveredelung
Es hat einen geringen Nährstoffbedarf. © Feldsaaten Freudenberger/P.H. Petersen Saatzucht/DSV Deutsche Saatveredelung
Rauhafer, das sogenannte Süßgras, hat eine hohe Unkrautunterdrückgung. © Feldsaaten Freudenberger/P.H. Petersen Saatzucht/DSV Deutsche Saatveredelung
Seine Winterhärte wird als gering eingestuft. © Feldsaaten Freudenberger/P.H. Petersen Saatzucht/DSV Deutsche Saatveredelung
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