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Produktion und Förderung

Österreich: Trend zu größeren Betrieben

von , am
07.06.2012

Wien - Zwischen 1999 und 2010 haben in Österreich 44.191 land- und forstwirtschaftliche Betriebe aufgegeben; dies entspricht einem Rückgang um 20,3 Prozent.

Der allgemeine Trend hin zu größeren landwirtschaftlichen Betrieben setzt sich in Österreich fort. © www.landpixel.de
Das hat die 2010 durchgeführte Agrarstrukturerhebung ergeben, deren Ergebnisse jetzt von der Statistik Austria vorgelegt wurden. Nach deren Angaben wurden bei der Vollerhebung insgesamt 173.317 Betriebe gezählt. Im Jahr des EU-Beitritts Österreichs - 1995 - hatte die offizielle Zählung noch 239.099 Höfe ausgewiesen; bis 2010 reduzierte sich deren Anzahl um 65.782 Betriebe oder 27,5 Prozent.
 
Im Zuge dieser Entwicklung hält der Trend zu größeren Betriebseinheiten ungebrochen an, wenngleich die österreichische Landwirtschaft im europäischen Vergleich nach wie vor klein strukturiert ist. Während 1995 ein Betrieb im Durchschnitt eine Gesamtfläche von 31,5 Hektar bewirtschafte, waren es 2010 bereits 42,4 Hektar. Eine ähnliche Tendenz ist bei der landwirtschaftlich genutzten Fläche je Betrieb zu erkennen, wo im Schnitt eine Steigerung von 15,3 Hektar auf 18,8 Hektar verzeichnet wurde.

Aufgliederung nach Größenklassen

Dass Österreichs Landwirtschaft nach wie vor klein strukturiert ist, zeigt auch eine Aufgliederung der Kulturfläche nach Größenklassen: Nur 7.617 Betriebe und damit 4,4 Prozent aller Höfe bewirtschafteten 2010 eine Fläche von mehr als 100 Hektar. Dagegen wurden 124.797 Betriebe gezählt, die eine Flächenausstattung von weniger als 30 Hektar hatten; das entspricht einem Anteil von 72 Prozent. Allerdings wurde in der Größenklasse von 100 Hektar bis unter 200 Hektar die stärkste Zunahme von Betrieben registriert; hier erhöhte sich die Zahl der Höfe zwischen 1995 und 2010 um 39 Prozent auf 5.108. Einen Zuwachs von 38 Prozent auf 16.118 Betriebe gab es in der Größenklasse von 50 Hektar bis unter 100 Hektar. Der mit einem Minus von 47 Prozent stärkste Rückgang wurde in der Klasse unter fünf Hektar festgestellt.

Nebenerwerb überwiegt weiterhin

In der Tierhaltung ist laut Statistik Austria ebenfalls ein Trend zu immer größeren Einheiten zu beobachten: So hielt ein österreichischer Landwirt im Jahr 2010 im Durchschnitt 28 Rinder, während 1995 die mittlere Herdengröße noch bei 20 Tieren lag. Auch bei anderen Tierarten wurden zuletzt teilweise deutlich größere Bestände ermittelt. Bei Schweinen stieg der Durchschnittwert von 35 auf 85 Tiere, bei Schafen von 18 auf 27 Tiere und bei Ziegen von vier auf acht Tiere. Von den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben wurden zum Zeitpunkt der Vollerhebung 2010 insgesamt 39 Prozent im Haupterwerb und 54 Prozent im Nebenerwerb geführt. Bei den restlichen sieben Prozent handelte es sich um Personengemeinschaften beziehungsweise Betriebe juristischer Personen. Im Jahr 1995 waren 34 Prozent aller Betriebe im Haupterwerb und 63 Prozent im Nebenerwerb bewirtschaftet worden. Der Anteil an Personengemeinschaften und Betrieben juristischer Personen betrug drei Prozent.

Mehr als ein Drittel Bergbauernbetriebe

Bei der Agrarstrukturerhebung 2010 waren insgesamt 420.805 Personen in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt, was gegenüber 1995 einem Rückgang von 29 Prozent entspricht. Darunter waren 349.593 familieneigene Arbeitskräfte, auf die damit ein Anteil von 83,1 Prozent entfällt. Ein Drittel der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe wurde von Frauen geleitet; 1995 hatte diese Quote noch bei 27 Prozent gelegen. Als Bergbauernbetriebe wurden im Berichtsjahr 38,4 Prozent eingestuft, 13,8 Prozent der Bewirtschafter gaben an, ihren Betrieb nach biologisch anerkannten Kriterien zu führen. Insgesamt 37 Prozent der Betriebe befassten sich schwerpunktmäßig mit der Rinderhaltung, 26,9 Prozent mit der Forstwirtschaft, und 12,3 Prozent waren Marktfruchtbetriebe. Im Jahr 2010 erwirtschaftete ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb in Österreich im Durchschnitt einen Standardoutput von 39.327 Euro. Zudem bezogen 37,2 Prozent der Betriebe ein zusätzliches Einkommen aus Nebentätigkeiten wie Urlaub auf dem Bauernhof oder der Verarbeitung und dem Verkauf.
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