Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Pachtmarkt und EU-Landwirtschaft

Pachtpreise in Europa: Zwischen den Pachtpreisen liegen Welten

Agrarland
am Freitag, 16.04.2021 - 14:22 (Jetzt kommentieren)

Die Unterschiede zwischen den Pachtpreisen in den EU-Mitgliedstaaten sind riesig. Deutsche Bauern zahlen bei weitem nicht die höchsten Pachten.

pachtpreise.

In den Niederlanden, in Dänemark und Italien müssen die Landwirte für die Pacht erheblich tiefer in die Tasche greifen. Aber es gibt auch wichtige Agrarländer, wo die Pacht weitaus weniger kostet als hierzulande  – etwa in Frankreich, Spanien oder Polen. Außerdem steigen die Pachtpreise – anders als in Deutschland – nicht in allen Ländern steil an. In einigen Mitgliedstaaten geht es auch nach unten – sogar in einigen Hochpachtpreisländern.

Große Unterschiede gibt es auch beim Anteil der gepachteten Flächen am insgesamt bewirtschafteten Areal. Alle diese Unterschiede haben sowohl ökonomische Ursachen – als auch poltische, rechtliche und historische Gründe.

Dennoch bieten die von der Europäischen Kommission regelmäßig erfassten nationalen Pachten eine gute Möglichkeit, die Situation an den verschiedenen nationalen Pachtmärkten zu vergleichen. Immerhin sind die Pachtpreise ein wichtiger Kostenfaktor der landwirtschaftlichen Produktion und ein wichtiger Indikator für die „finanzielle Attraktivität“ der regionalen Bodenmärkte.

Pachtmarkt als Spiegel politischer Regulierung

Pachtland.

Fakt ist also: Die Einflussfaktoren auf die Pachtpreise können sich von Land zu Land erheblich unterscheiden. Dennoch gibt es einige Faktoren, die grundsätzlich auf den Pachtmarkt wirken. Dazu rechnen Ökonomen unter anderem die Produktivität der Betriebe bzw. der Flächen und die erzeugten Produkte sowie die betrieblichen Einnahmen.

Hinzu kommen die Marktnähe bzw. die Kaufkraft und die gesamtwirtschaftliche Situation in den Ländern und Regionen, außerdem der Anteil der Pachtflächen am insgesamt bewirtschafteten Land, die Betriebsgröße und der Grad der politischen Regulierung der Pacht- und Bodenmärkte – und noch einiges mehr.

In einer Untersuchung des Zentrums für europäische poltischen Studien (CEPS) weist Pavel Ciaian darauf hin, dass die politischen Einflussnahme auf den Pacht-Markt in den europäischen Länder zum Teil erheblich ist, das Instrumentarium und Strategien jedoch ebenfalls erheblich voneinander abweichen.

Grundsätzlich werden zwei politische Strategien voneinander unterschieden: Die erste Strategie besteht darin, die Pachtbedingungen für Pächter durch Vorschriften zu verbessern. Die zweite Strategie setzt darauf, Landwirte dabei zu unterstützen, selbst Eigentümer der Grundstücke zu werden. Beide Konzepte schlagen sich sowohl in der Höhe der Pachtpreise als auch im verfügbaren Pachtland und dem Anteil der Pachtflächen nieder.

Die erste Strategie wurde in Ländern wie Belgien und Frankreich verfolgt. In diesen Ländern ist der Pachtanteil relativ hoch und liegt zwischen 67 Prozent und 74 Prozent. Die zweite Strategie, den Landwirten zu helfen, Landbesitzer zu werden, war die vorherrschende Strategie in Ländern wie Dänemark, Italien und Irland. Dort versuchte man entweder direkt oder indirekt durch Preisregulierung, subventionierte Darlehen oder Steuervorteile den Erwerb von Grundstücken zu erleichtern. Hier ist der Pachtlandanteil niedrig und liegt zwischen 18 Prozent in Irland und 28 Prozent in Italien.

Die höchsten Preise in den Niederlanden – und ein grauer Markt

Pachtpreise

Wer gedacht hat, hierzulande sind die Pachten hoch, den belehrt ein Blick auf die EU-Statistiken eines Besseren – jedenfalls bezogen auf die Durchschnittspreise. Dabei können die regionalen Preise in einigen Ländern – wie auch in Deutschland – deutlich nach oben oder nach unten abweichen. An der Spitze des europäischen Pachtpreis-Rankings liegen – oder anders gesagt, am teuersten ist die Pacht: In den Niederlanden, in Italien und in Dänemark. Und auch in Griechenland müssen die Bauern höhere Pachtpreise zahlen als in Deutschland.

Dabei weisen diese Länder in fast jeder Hinsicht unterschiedliche Strukturen und Bedingungen auf. In den Niederlanden – mit einem offiziellen durchschnittlichen Pachtpreis (Acker- und Grünland) von 819 Euro je Hektar im Jahr 2019, müssen die Landwirte im Mittel gut dreimal so viel zahlen wie die Bauern in Deutschland. Zudem gibt es einzelne Regionen – wie auch in Deutschland - wo die Pachtpreise weit über 1.000 Euro liegen.

Dabei wird der niederländische Pachtmarkt streng reguliert und staatlich kontrolliert – gleichzeitig liegt der Pachtflächenanteil nur noch bei etwa 25 Prozent. Das heißt: Ein betriebliches Wachstum über Zupacht ist extrem schwierig. Das ist auch der Grund, warum es in den Niederlanden (und auch in Belgien) einen so genannten grauen Pachtmarkt gibt – dort werden Flächen außerhalb der staatlichen Kontrollmechanismen zum Teil noch für 50 Prozent höhere Preise verpachtet, schreibt Pavel Ciaioan in der CEPS-Studie. Grund ist der starre Pachtmarkt mit Mindestlaufzeiten und anderen hohen Auflagen.

Ähnlich hohe Pachtpreise wie in den Niederlanden müssen die Bauern in Italien zahlen, nämlich ebenfalls 819 Euro je Hektar – in einzelnen Regionen auch deutlich mehr als 1.000 Euro. Dabei ist die Produktivität in Italien erheblich niedriger als in den Niederlanden oder Dänemark. Der Grund für die hohen Preise: Weniger als 30 Prozent der bewirtschafteten Fläche sind überhaupt Pachtland, der Rest ist Eigentum - also ein sehr kleiner Pachtmarkt.  

Mit 544 Euro je Hektar folgt Dänemark auf Position drei im Ranking der europäischen Pachtpreise – das ist immerhin noch doppelt so viel wie die Bauern im Durchschnitt in Deutschland zahlen müssen.

Niedrige Pachtpreise in Frankreich und Osteuropa

Pachtpreise.

In anderen großen Agrarländern wie Frankreich, Spanien und Polen sind die Pachten indessen erheblich niedriger als in Deutschland. So mussten die Bauern in Frankreich zuletzt im Mittel 147 Euro je Hektar zahlen – und die Pachtpreise sind seit 2016 sogar deutlich um etwa 50 Euro zurückgegangen. Auch in Frankreich gibt es jedoch große Unterschiede zwischen den Regionen.

Ähnlich teuer wie in Frankreich ist die Pacht mit 156 Euro in Spanien – hier sind die Preise in den letzten Jahren allerdings moderat gestiegen. Dabei ist der Anteil des Pachtlandes in Frankreich mit immerhin 74 Prozent der insgesamt bewirtschafteten Fläche sehr hoch und liegt in Spanien mit weniger als 30 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.

Am niedrigsten sind die Pachtpreise indessen weiterhin in den meisten Ländern Osteuropas – auch wenn der Anteil Pachtland und auch die Betriebsstruktur sehr unterschiedlich sind. So werden in Polen, mit vielen kleinen Betrieben, gerade einmal 20 Prozent der Flächen als Pachtland bewirtschaftet – der Rest ist Eigentum. Die polnischen Pachtpreise sind mit 175 Euro trotzdem sehr niedrig und waren zuletzt sogar rückläufig.

Anders in Tschechien oder der Slowakei – hier dominieren wie in Ostdeutschland Großbetriebe die Produktion. Der Pachtlandanteil ist sehr hoch und liegt bei 83 und 89 Prozent. Gleichzeitig bewegen sich die Pachten mit 121 Euro je Hektar in Tschechien und gerade einmal 52 Euro in der Slowakei am unteren Ende der europäischen Skala.

Das gleiche gilt für die baltischen Länder mit Preisen um 65 Euro. In Ungarn, mit einem Pachtflächenanteil von 56 Prozent und einer relativ gemischten Betriebsstruktur, müssen die Bauern etwa 173 Euro zahlen – mit zuletzt leicht steigender Tendenz.  

Pachtpreise: Das kostet der Hektar in Europa

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...