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Pachtmarkt und Neuverpachtungen

Pachtpreise: Neupachten kosten die Bauern ein Vermögen

Acker.
am Mittwoch, 08.09.2021 - 11:36 (3 Kommentare)

Die Pachtpreise sind hoch wie noch nie. Für Neupachten sind die Preise aber noch viel höher.

Pachtpreise.

In den letzten beiden Jahren mussten Landpächter für Neupachten etwa 100 Euro mehr ausgeben als für die bereits sehr teuren Bestandspachten. Letztere stellen nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis)mit 329 Euro je Hektar (Acker- und Grünland) bereits eine neuen Preisrekord für die Verpachtung von Agrarflächen dar.

Läuft der alte Pachtvertrag jedoch aus, und der Landwirt muss einen neuen Preis aushandeln, dann muss er sehr tief in Tasche greifen, um die Flächen weiter bewirtschaften zu können. Satte 425 Euro je Hektar verlangten die Verpächter im Durchschnitt der letzten beiden Jahre beim Abschluss eines neuen Pachtvertrages bzw. bei der Verlängerung.

Beim Ackerland ist die Differenz zwischen Bestandspachten und Neupachten noch etwas größer. Während die von Destatis für 2020 ermittelten durchschnittlichen Ackerlandpachten bei 375 Euro je Hektar lagen – mussten die Bauern für Neupachten 481 Euro auf den Tisch des Verpächters blättern. Das ist ein Preisaufschlag von 106 Euro.

Bei Grünland ist der Abstand von Bestandspachten zu Neupachten etwas geringer – nämlich knapp 50 Euro. Und noch eine Sache fällt auf: Wie bei den Bestandspachten sind sowohl die absoluten Preisunterschiede bei den Neupachten als auch die Preisdynamik zwischen den Bundesländern sehr groß.

Im Nordwesten müssen die Bauern am meisten zahlen

Pachtpreise.

Das ist jetzt für die meisten Landwirte keine wirkliche Überraschung: Die Bundesländer mit den höchsten durchschnittlichen Pachtpreisen bzw. Bestandspachten sind auch diejenigen mit den höchsten Neupachtpreisen. Gleichzeitig ist in diesen Bundesländern auch der Preisanstieg am höchsten. Gemeint sind Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Dort zahlten die Bauern für Neupachten (Ackerland und Grünland) in den letzten beiden Jahren 657 Euro je Hektar  bzw. 650 Euro je Hektar – das sind in beiden Ländern fast 140 Euro mehr als die ebenfalls auf Rekordstand befindlichen Bestandspachten von 514 bzw. 518 Euro.

Noch mehr Geld müssen die Bauern im Nordwesten für neu gepachtetes Ackerland auf den Tisch blättern: nämlich 758 Euro und 725 Euro je Hektar. Das sind rund 60 Prozent mehr als die deutschen Bauern im Durchschnitt für neu verpachtetes Ackerland zahlen mussten - nämlich 481 Euro.

Auch bei den Neupachten von Grünland liegen die beiden nordwestdeutschen Länder mit 327 und 343 Euro je Hektar an der Spitze - im Vergleich zu einem durchschnittlichen Neupachtpreis für Grünland von 246 Euro. Allerdings ist der Vorsprung  nicht ganz so groß wie bei Ackerland – denn bei neu verpachtetem Grünland zahlen die Landwirte in Bayern und Schleswig-Holstein mit 313 und 321 Euro je Hektar fast ähnlich hohe Preise.

Hohe Preisaufschläge im hohen Norden und im Süden

Pachtpreise.

Auch auf den nachfolgenden Positionen ist das Ranking der Neupachtpreise ähnlich wie bei den Bestandspachten. So müssen die Landwirte im hohen Norden und ganz im Süden, nach den Berufskollegen im Nordwesten, bei Neupachten am meisten Geld ausgeben. In Schleswig-Holstein zahlen die Bauern im Schnitt 526 Euro je Hektar und in Bayern 492 Euro je Hektar – im Vergleich zu 460 Euro und 379 Euro bei den Bestandspachten.

Der Preisaufschlag liegt im Norden also bei 66 Euro und bei 113 Euro in Bayern. Das verweist auf eine aus verschiedenen Gründen höhere Preisdynamik oder möglicherweise auch auf stärkere Verknappung der verfügbaren Flächen in Bayern – obwohl das absolute Preis-Niveau noch immer niedriger ist als im Norden.

Bei den Neupachten von Ackerland ist die Situation natürlich ähnlich. Dort müssen die Bauern im Norden bei neuen Pachtverträgen 605 Euro je Hektar zahlen und für die bayrischen Kollegen lagen die Preisforderungen für Ackerland bei 564 Euro und damit rund 40 Euro niedriger. Doch der Preisaufschlag zu den Bestandspachten ist im Süden mit 120 Euro ungleich größer als im Norden mit 58 Euro je Hektar.

Zwei Länder im Osten mit sehr teurem Acker

Pachtpreise.

Das die Pachtpreise im Osten zuletzt kräftig angezogen sind, zeigt der nächste Vergleich: Hinter den vier Ländern mit den teuersten Neupachten positionieren sich mit Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommer gleich zwei ostdeutsche Länder.

Dabei liegen die durchschnittlichen Preise für Neupachten (Acker und Grünland) und vor allem die Preise für Ackerland, relativ nahe beieinander. Und das obwohl sich die Betriebsstrukturen, die Flächengrößen und die Pacht- und Eigentumsstrukturen sich erheblich voneinander unterscheiden – vor allem zwischen den ostdeutschen Ländern und dem sehr stark von Nebenerwerb geprägten Südwesten. So zahlen die Bauern in Sachsen-Anhalt für Neupachten (Acker und Grünland) 380 Euro, in Baden-Württembergs sind es 365 Euro und an der ostdeutschen Küste 332 Euro.

Noch etwas enger liegen die Neupachtpreise bei Ackerland zusammen. Hier melden die Statistiker für die Ackerbauern in Sachsen-Anhalt 409 Euro – das ist gegenüber den Bestandspachten ein Preisaufschlag von 70 Euro. In Baden-Württemberg sind bei Neupachten von Ackerland im Schnitt 395 Euro fällig, satte 104 Euro mehr als für die Bestandspachten. Und in Mecklenburg-Vorpommern müssen die Bauern 375 Euro bei der Neupacht von Acker zahlen – ein Aufschlag von 53 Euro gegenüber den durchschnittlichen Pachtpreisen des Landes.

Die geringsten Preissteigerungen für Neupachten (Acker und Grünland) gegenüber den Bestandspachten melden die Statistiker für die Landwirte in Sachsen – mit 11 Euro und in Thüringen mit 20 Euro sowie in Brandenburg mit 36 Euro je Hektar.

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