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Pachtmarkt und steigende Kosten

Pachtpreise auf Rekordstand: Das mussten die Bauern 2020 zahlen

Bodenmarkt.
am Mittwoch, 25.08.2021 - 13:30 (8 Kommentare)

Die Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen steigen ungebremst weiter. Im Jahr 2020 kostete die Pacht die deutschen Bauern soviel Geld wie noch nie zuvor.

pachtpreise.

Dabei stiegen die Preise sowohl für Ackerland als auch für Grünland gegenüber der letzten Erhebung zweistellig – sagt das Statistische Bundesamt (Destatis) auf der Grundlage der bei der Landwirtschafts-Zählung 2020 erhobenen Daten.

Dabei kommt heraus: Gegenüber der letzten Erfassung wurde Ackerland im Mittel aller Bundesländer für 375 Euro je Hektar verpachtet – das sind knapp 50 Euro je Hektar bzw. reichlich 14 Prozent mehr als 2016.

Für Grünland mussten die Bauern im Schnitt 198 Euro je Hektar zahlen – das sind 23 Euro mehr als vor vier Jahren. Beide Werte markieren neue Rekordpreise – oder besser Rekordkosten, die die Bauern an die Verpächter zahlen müssen.

Nach den vorläufigen Daten von Destatis hat dabei sowohl der Anteil der Pachtfläche an der gesamten Nutzfläche als auch die Pachtfläche in absoluten Hektar-Zahlen zugenommen. Das widerspricht eigentlich dem bisherigen Trend, nachdem der Anteil der Pachtfläche in den letzten 20 Jahren langsam aber kontinuierlich zu Gunsten von Bodeneigentum abgenommen hat.

Für Deutschland insgesamt liegt der Anteil der Pachtfläche in Bezug auf die insgesamt bewirtschaftete landwirtschaftliche Fläche bei 63,8 Prozent – anstelle bei 60,8 Prozent im Jahr 2016. Möglicherweise hat diese Abweichung jedoch auch mit der anderen Art der Datenerfassung bei Landwirtschaftszählung 2020 gegenüber der vorausgegangen Agrarstrukturerhebung 2016 zu tun.

Ackerland-Pacht im Nordwesten am höchsten

pachtpreise.

Wie in der Vergangenheit sind sowohl die Preisunterschiede zwischen den Ländern als auch zwischen den Regionen in den Bundesländern groß. Eine europäische Untersuchung hatte bestätigt, dass Deutschland zu den europäischen Ländern mit den größten regionalen Preisunterschieden gehört. Das gilt im übrigen für die Pachtpreise ebenso wie für die Kaufpreise.

Die höchsten Pachtpreise werden weiterhin den Hochburgen der Veredlung – oder anders gesagt, in den Ländern mit dem höchsten Tierbesatz je Flächeneinheit verlangt – und gezahlt: Das sind Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Für Ackerland mussten die Bauern hier im Schnitt 614 Euro je Hektar und 595 Euro je Hektar ausgeben. Das sind 68 bzw. 57  Euro je Hektar mehr als vor vier Jahren – und gleichzeitig rund dreimal so viel wie die Bauern in einigen ostdeutschen Ländern oder in Rheinland-Pfalz zahlen müssen.

Auf Position drei im Ranking der teuersten Pachten für Ackerland liegt – nicht Bayern – sondern Schleswig-Holstein. Im nördlichsten Bundesland müssen die Bauern für den Hektar Ackerland immerhin 547 Euro berappen – das sind 41 Euro mehr als vor vier Jahren. Erst auf Position vier folgt dann Bayern. Dort sind allerdings die regionalen Preisunterschiede besonders groß. Im Schnitt zahlen die bayerischen Bauern für ihr Ackerland Pachtpreise von 444 Euro je Hektar. Der Anstieg gegenüber 2016 beträgt im südlichsten Bundesland immerhin 48 Euro.

Von den ostdeutschen Bundesländern müssen die Landwirte in Sachsen-Anhalt die höchsten Pachtpreise zahlen – nämlich 339 Euro je Hektar. Das ist fast doppelt so viel wie etwa in Brandenburg – dem Land mit dem niedrigsten Preis im Osten – und zugleich gegenüber 2016 ein Anstieg von „nur“ 26 Euro.

Grünland-Pacht im Norden am teuersten

pachtpreise.

Eine etwas andere Konstellation als beim Ackerland ergibt sich beim Grünland. Hier müssen die Bauern in Schleswig-Holstein das meiste Geld für die Pacht auf den Tisch blättern: nämlich 305 Euro je Tonne. Im Vergleich zu 2016 ist das allerdings „nur“ ein Preisanstieg von 7 Euro. Dicht hinter den Nordlichtern rangieren die Grünlandpachten in Niedersachsen, mit 296 Euro je Tonne und einem Anstieg von immerhin 26 Euro je Hektar.

In Nordrhein-Westfalen kostet die Pacht bei Grünland die Landwirte aktuell 266 Euro je Hektar und in Bayern sind es mit 257 Euro nicht viel weniger. Gegenüber der letzten Erfassung von 2016 sind die Grünland-Pachten in diesen beiden Ländern aber mit 35 Euro und 36 Euro deutlich stärker gestiegen als in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.  

Von den ostdeutschen Ländern müssen die Bauern in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen- Anhalt die höchsten Pachtpreise für Grünland zahlen – nämlich 158 und 154 Euro je Hektar. Das ist ähnlich viel wie etwa in Baden-Württemberg mit ebenfalls 154 Euro – jedoch deutlich mehr als in den übrigen ostdeutschen Ländern und in Rheinland-Pfalz. Der Preisanstieg zum Vorjahr liegt in den beiden genannten ostdeutschen Ländern bei 22 Euro bzw. bei 26 Euro. 

Kleinstbetriebe zahlen die höchste Pacht

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Große Unterschiede weist Destatis auch bei den Pachtpreisen zwischen den unterschiedlichen Betriebsgrößen aus. Vielleicht etwas überraschend: Die kleinsten Betriebe – mit weniger als 5 ha landwirtschaftlicher Fläche (LN) – zahlen die mit Abstand höchsten Pachtpreise. Die Statistiker melden für diese Betriebsgruppe einen durchschnittlichen Pachtpreis von 963 Euro je Hektar – das ist fast dreimal so viel, wie die Betriebe im Durchschnitt mit 329 Euro je Hektar (Ackerland und Grünland) zahlen müssen.

Bei den Betrieben ab 10 ha LN steigen die Pachtkosten dann allmählich an – von 315 Euro je Hektar auf 366 Euro je Hektar für die beiden Betriebsgrößengruppen 50 bis 100 und 100 bis 200 ha.

Für die nachfolgenden Betriebsgrößen sind die Pachtpreise dann wieder niedriger: So zahlen die Bauern mit 200 bis 500 ha durchschnittlich 360 Euro, die Gruppe von 500 bis 1000 LN braucht lediglich 290 Euro ausgeben und die Gruppe mit mehr als 1000 ha muss pro Hektar 235 Euro einplanen. Zu bedenken ist dabei allerdings, das die großen Betriebe vor allem in Ostdeutschland liegen und dort die Pachtpreise ohnehin niedriger sind als im Nordwesten oder im Süden Deutschlands.

Das zeigt sich auch in der Auswertung nach Betriebsformen – wo die landwirtschaftliche Einzelunternehmen mit 360 Euro je Hektar deutlich mehr zahlen müssen als die juristischen Personen mit 215  Euro je Hektar.  

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